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Staaten genötigt, eine eigene Industrie zu gründen. Eine prinzipielle Abkehr von unserer Wirtschafts­politik ist nicht zu verlangen, solange sich nicht unser gesamtes wirtschaftliches Leben in den groben nationalen und internattonalen Krisen bewährt. Uebrigenö laufen die auf Grund des Zolltarifs abgeschlossenen Verträge noch eine Reihe von Jahren. ES sind von den Rednern noch viele Fragen gestreift worden. Was die Mühlenumsatzsteuer betrifft, so würde mit einer gestaffelten Mühlenumsatzsteuer ebensowenig, wie mit einer zwangsweisen Syndizierung des Mühlengewerbes den kleineren und mittleren Mühlen geholfen werden können. Was die Syndikatsfrage betrifft, so treten Syndikate in allen großen Kulturstaaten, anderswo viel bedenklicher als bei uns, auf. Jedenfalls würde eine nicht syndizierte deutsche Industrie ohn­mächtig sein gegenüber dem Ausland. Das Ein­wirken der Syndikate auf das wirtschaftliche Leben ist ganz verschieden und man kann sich wohl denken, daß ein gesetzgeberisches Einschreiten gegen einzelne schädlich wirkende Syndikate nötig wäre. Nach den Erfahrungen gerade der letzten Jahre würde dafür stets eine Mehrheit im Hause zu finden sein. Jedenfalls behalten wir die Frage der Syndikate im Auge. Und nun zum Stahlwerksverband! Ueber die Kla­gen der Siegerländer Industrie haben in Düsseldorf geheim zu haltende Unterredungen stattgefunden. Festgestellt ist dabei allerdings, daß der Stahlwerksverband besonders an das Ausland Halbzeug zu einem Preis geliefert hat, der jede Konkurrenz unmöglich macht. Die im Laufe der Debatte geforderte Denk­schrift über die Siegerländer Industrie liegt vor. Sie enthält aber so viel spezielle An­gaben über die Kreditverhältniffe der Betriebe und Fabrikationsverfahren, daß wir Bedenken tragen sie öffentlich zu verhandeln. Die Sieger­länder werden überdies dank der Leistungs- keit und Geschicklichkeit ihres Arbeiterstandes und der Güte ihrer Erze über die jetzigen Schwierig­ketten hinwegkommen, wenn erst die Eisenbahn­verbindungen und -Tarife zu ihrem Schutz aus­baut sind. Der neue französische Zolltarif ent­hält tatsächlich eine Reihe Schwierigkeiten für uns. Wir haben deswegen bei Frankreich Vor­stellungen erhoben und auch Repressalien ernstlich erwogen. Unsere Baumwollkultur endlich ist trotz aller Mühen und zweifellosen Erfolge noch lange nicht soweit, daß wir den Ver. Staaten das Feld streitig machen können. Die Frage der Privatbeamtenversicherung ist sehr schwierig. Sobald mir die Reichsversicherungsordnung zu­geht, werde ich mit möglichster Beschleunigung an die Ausarbeitung der Vorlage gehen. Der

wirtschaftliche Ausschuß hat sich durchaus bewährt. Unsere Industrie sollte jedoch für etwaige Handels­verträge ihre Wünsche rechtzeitig zur Kenntns» der Regierung bringen. Wir werden dieselben ernstlich prüfen. Abg. BrejSki (Pole): Der im Osten austretende Boykott ist eine Folge der preußischen Polenpolittk. Die Klagen der Polen über schikanöse Auslegung de» Vereinsrechts wollen immer noch nicht verstummen. Die Ausdehnung de« KoalittonSrechtS auf ländliche Arbeiter muß dringend gefordert werden. Der Redner geht sodann eingehend auf die preußische Polenpolittk ein und wird schließlich vom Vizepräsidenten Dr. Spahn zur Sache gerufen. Abg. Riese­berg (Wirtsch. Vgg.): Mt der Mittelstands- freundlichkeit sieht es bei vielen Behörden noch recht schlecht aus. Die Handwerker werden viel­fach ausgeschaltet. Die Bestimmungen der Bäckereiverordnung werden vielfach in der Provinz schärfer gehandhabt als in Berlin, wo­durch Tausende von Existenzen bedroht sind. Gegen 8 Uhr wird die Wetterberatung auf morgen nachmittag 1 Uhr vertagt.

Berlin 22. Febr. Im Reittnstttut der Gebrüder Beermann überschlug sich gestern mit ihrem Pferde die Gräfin Hermersberg und erlitt schmerzhafte Quetsch- und Stoßwunden. Sie ist die Enkelin des Zirkusbesitzers Renz und eine geborene Walter-Hager. Nachdem sie ihren ersten Mann, den Herrenreiter Freysleben durch besten Todessturz verloren hatte, heiratete sie in zweiter Ehe den jetzigen Grafen Hermersberg, ehemal. Prinzen Hugo von Hohenlohe-Oehringen.

Kopenhagen 23. Febr. Bei der Uni­versität ist ein Brief von Dr. Cook aus Minne­sota eingetroffen, der in Schreibmaschinenschrift geschrieben ist. Dr. Cook verteidigt sich und erklärt, sobald er genesen sei, werde er alle Beweise für die Aufrechterhaltung seiner Be­hauptungen beibringen.

habe der, weil er im Brief vielleicht eine un­angenehme Nachricht vermute, Adressat zu trage«. In der Begründung dieses weittragenden Urteil» heißt es u. a., daß e« das allgemeine Handels­interesse schon mit sich bringe, daß man ver­langen könne, der Adressat eines eingeschriebenen Briefes dürfe den Empfang nicht ablehnen. Es könnte sonst hierdurch eine Lage geschaffen werden, die es dem einen Teil ermöglicht, durch Arglist dem andern Teil eine Schädigung zuzu­fügen, wenn z. B. der Brief eine Kündigung enthält, von der der verweigerte Adressat dann behaupten könne, er habe sie nicht erhalten. Sobald aber der andere Teil Nachweisen kann, daß er versucht hat, dem andern Teil ohne jede Kosten für diesen einen eingeschriebenen Brief zuzustellen, so besteht der Inhalt des Briefes gegen den Adressaten zu Recht. Daraus geht deutlich hervor, daß jedermann gezwungen ist, einen Einschreibbrief anzunehmen, woher er auch kommen mag.

Strafe muß sein. Wie derFrktf. Ztg." eine Mitarbeiterin in Manchester (England) mitteilt, erzählt man sich in eine» Wahlbezirk Nordenglands folgende Geschichte. Der Kandidat des Kreises hatte in seinen Reden derdeutschen Gefahr" einen mög­lichst großen Platz eingeräumt und glaubte, da­mit einen ziemlichen Eindruck gemacht zu haben. Als er einige Ruhetage auf seinem an der Südküste gelegenen Landsitz verbrachte, wurde er eines Nachts aus dem Schlaf geklingelt: Ein Telegramm; und da das Haus außer­halb der freien Bestellzone lag, mußte er erst das geziemende Bestellgeld erlegen. Als er endlich sein Telegramm öffnete, las er:

Achtung! Deutsches Armeekorps unter Ihrem Bett!"

Ein Freund und Gönner im Norden."

ReNameteil.

Vermischtes.

Muß man einen eingeschriebenen Brief annehmen? Die Frage, ob man ver­pflichtet ist, einen eingeschriebenen Brief anzu­nehmen, fand dieser Tage durch das Oberlandes­gericht Celle ihre Beantwortung. In dem zu­grunde liegenden Streitfall hatte ein Kaufmann mit Hilfe eines Rechtsanwalts durch eingeschrie­benen Brief bei einem andern Kaufmann einen Vertrag gekündigt. Der letztere hatte den Brief nicht angenommen, weil ihm der Absender un­bekannt war. Das Gericht entschied, daß durch rechtzeitige Aufgabe des eingeschriebenen Briefes die Kündigung zu Recht bestehe, denn die Folgen der Ablehnung eines eingeschriebenen Briefes

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envE 1 aukckÄn.

Amtliche und Privatanzeigen.

K. Forstamt Stammheim.

Iiekanntmachung.

Auf Grund allerhöchster Genehmigung ist dem staatlichen Holzhauer

Johannes Erhardt in Holzdron«

in Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienstleistungen in den Staats­waldungen eine Geldbelohnung von 50 sowie ein Diplom verwilligt worden. Stammheim, 25. Februar 1910.

K. Forstamt.

Obf. Wurm.

Schafhausen b. Calw.

Laugholz-Berkauf.

Aus den Gemeindewaldungen kommen am Samstag, den 26. Februar ds. Js., zum Verkauf:

66 Stück Küfer- und Bau-Eichen,

9 Rotbuchen,

6 Weißbuchen,

3 Glaserforchen und 2 Kirschbäume,

wozu Liebhaber eingeladen werden.

Abgang vom Ort vorm. 11 Uhr in Hacksberg; mittags 1 Uhr ins Härtle.

Schultheißenamt.

R o o s.

'-

K. Korstamt Kofstetl.

In Anerkennung langjähriger treuer Dienstleistung ist dem Holzhauer

Jakob Hammarm in Agenbach

ein Diplom und eine Belohnung von 50 verliehen worden.

Lorstamt Liebenzell.

Auf das Allerhöchste Geburtsfest Sr. Majestät des Königs ist den Holzhauerobmännem:

Wilhelm Fricker in Möttlingen und Michael Wohlgemuth in Zainen

in Anerkennung ihrer langjährigen, treuen Dienstleistungen in den Staats­waldungen je ein Diplom und eine Geldbelohnung von 50 verwilligt worden.

K. Forstamt.

Lechler.

Ernstmühl.

Holz-Verkauf.

Aus dem Brand­haldenwald kommen am nächsten Mon­tag, de» 28. Febr., zum Verkauf:

62 Rm. b«che»e Scheiter ««d Prügel, 14 Rm. tannene Scheiter »»- Prügel, wozu Käufer eingeladen werden.

Zusammenkunft vorm. 10 Uhr im Gasthaus zumBären".

. Im Auftrag: Schultheiß Weber.

K. Forstamt Hirsau.

Brennholz-Verkauf

am Dienstag, den 1. März, vorm. 9 Uhr, im Gasthaus der Witwe Mohr in Hirsau aus Staatswald Distrikt Lützenhardt Abt. 45 Glasberg und 47 Felsenmeer mit sehr günstiger Abfuhr:

Rm. Buchen: 38 Schtr., 131 Prgl., 17 Klotzh., 86 Anbruch; Eichen: 1 An­bruch; Nadelholz: 32 Anbruch; ferner 12 Flächenlose geschätzt zu 1900 ge­mischten Wellen.

Rechnungsjonimlare

find vorrätig in der Druckerei ds. Bl.