vienstag den 20. Juni 193S

Der EnzlAer

Mus Württemberg

Grohsachsenheim. (Wildschwein erlegt). Wie­derholt ist in letzter Zeit aus Großsachlenheimer Markung Schwarzwild beobachtet worden. Erst kürzlich waren auf dem Bahnkörper zvei Wildschweine überfahren worden. Nun hat Jagdaufseher Schray im Eichwald mit einem gut gezielten Schuß einen Keiler zur Strecke gebracht.

Großsachssnheim. (Den Arminder Trans Mis­

sion). Im Sägewerk wurde der 20 Jahre alte Zimmer­mann Hans Gold aus Hofherrnweiler von einem Treib­riemen erfaßt. Ihm wurde d-r Zechte Arm oberhalb des Ellbogens glatt abgerissen. " '

Göppingen. (Im Sägmehl erstickt). Ein töd­licher Betriebsunfall ereignete sich in der Maschinenfabrik Speiser. Der 42 Jahre alte Karl Klein aus Vartenbach Vater von fünf Kindern, fiel in einen Sägmehlturm und ge­riet so tief in die Sägmehlmassen, daß er den Erstickungs­tod fand. Zu seiner Bergung wurde die Feuerwehr alar­miert. doch war es, als der Verunglückte aus dem Säg­mehl geborgen werden konnte, bereits zu spät. ' >

Trosfingen. (Stiftung für ein Hallen­schwimmbad). Auf einem Ortsgruppenappell der NS­DAP teilte Bürgermeister Kienzle u. a. mit. daß dank einer Stiftung der Firma Matth. Hohner AG in Höhe von 800 OVO Mark nunmehr der Plan des Baues eines Hallen­schwimmbades in Trossingen verwirklicht werden könne.

Honau, Kr. Reutlingen. (Auf einem Betriebs­ausflug verunglückt). Ein älterer Mann aus Nür­tingen stürzte als Teilnehmer eines Betriebsausflugs am Nchtenstein ab und trug schwere innere Verletzungen da­von. Er mußte unter schwierigen Umständen auf emer Tragbahre aus seiner Lage geborgen werden und wurde In das Kreiskrankenhaus Reutlingen überführt.

Tellnang. (Gesängnis für unbefugtes K r ä h ens chi e ß e n). Daß unberechtigtes Jagen ins Ge­fängnis führt, bekam ein junger Mann aus Betznau, Ge­meinde Kreßbronn, unangenehm zu verspüren. Obwohl schon einmal wegen Wilderei zu einer Geldstrafe verur­teilt, hat der Angeklagte seine Schießleidenschast nicht ge­zügelt. Im Hopfengarten seines elterlichen Anwesens schoß er mit einem Kleinkalibergewehr aus Krähen und streifte außerdem mit geladenem Gewehr durch die Grundstücke, die zum Hofe seiner Eltern gehörten. Dabei wurde er vom Jagdaufseher ertappt. Das Gericht schenkte den Ausflüchten des Angeklagten keinen Glauben, zrnnal erst kurze Zeit zu­vor auf demselben Grundstück ein verendetes Reh aufgefun­den worden war, das mit einer Kleinkaliberkugel angeschos­sen war. Der Sachverständige, Kreisjägermeister Kauff- mann, Langenargen, wies darauf hin, daß schon das Ab­schießen von Krähen gegen das Reichsjaqdgesetz verstoße. Das Gericht erkannte auf eine Gefängnisstrafe von drei Wochen.

Geislingen. (Auf der Bau st eile tödlich ver­unglückt). Auf einer Baustelle stürzte der Maschinist An­ton Jurec vermutlich infolge einer plötzlichen Uebelkeit aus der Lokomotive eines Rollwagenzugs und wurde überfah­ren. Jurec war auf der Stelle tot. Der Unfall ist umso trau­riger, als Jurec, der 29 Jahre alt war, in wenigen Tagen zu seiner Frau in Urlaub fahren wollte.

Ulm. (Sittlichkeitsverbrecher wird ent­mannt.) Der 32jährige Leonhard Maier aus Langenau hatte sich wegen mehrerer Sittlichkeitsverbrechen, begangen an minderjährigen Mädchen, vor dem Gericht zu verant­worten. Der Angeklagte, der schon mehrere Jahre wegen der gleichen Delikte hinter Zuchthausmauern zubrachte, wurde zu einem Jahr acht Monaten Zuchthaus verurteilt, ferner wurde die Entmannung angeordnet.

Ulm. (Gefängnis für einen Betrunkenen) Der 35jährige O. W. aus Oberhausen bedrohte nach 13 Halben" in einer Wirtschaft die anwesenden Gäste. Beim Verlassen des Gasthauses wurde ein Mann von dem Be­trunkenen angegriffen. Der Bedrohte setzte sich in Gemein­schaft mit anderen Gästen zur Wehr und überwältigte den Rauflustigen. Der Angeklagte wurde nun vo.m Gericht wegen Betrunkenheit und Bedrohung zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt.

Flughafen Württemberg AG. Stuttgart.

«^^ Hauptversammlung der Flughafen Württemberg Stuttgart, genehmigt« den Abschluß für das Geschäfts- lahr 1938. Nach dem Geschäftsergebnis erhöht sich der Ver­lust von 6106 Mark auf 46449 Mach der auf neue Rech- ""ng vorgetragen wird. Die Aktien befinden sich nunmehr ausschließlich in Händen des Reiches, des Landes Württem­berg und der Stadt Stuttgart.

Wie aus dem Bericht der Gesellschaft heroorgeht, machte sich die Konzentration der Kräfte für dis großen staats­politischen Ausgaben 1938 auch im Arbeitsbereich des Un­ternehmens durch Beschränkungen in der Zuteilung von Ar­beitskräften und Baustoffen beim Flughafen-Neubau be­merkbar, svdaß der bereits auf 1. April 1939 verschobene Termin für die Inbetriebnahme desneuen Flughafens nicht cingehalteii werden k«-.inte.

Die Deutsche Lufthansa, so wird hervorgehoben, habe sich in besonderem Maße für den Ausbau des Weltflug­netzes eingesetzt. Aus diesem Grunde mußten beim inner­deutschen Streckennetz Mittel eingespart werden. Stutt­gart verlor gegen das Vorjahr, nicht zuletzt auch durch die knappe Zahl an Flugzeugen usw., die Strecke Stuttgart Nürnberg Dresden, die Frühverbindung Stuttgart Frankfurt a. M. zum Anschluß an die Linie nach der Nordsee und nach Westdeutschland. Die Zubringerlinie Mannheim Stuttgart und die zweite Verbuchung Stuttgart Freiburg. Von den belegbaren Plätzen standen Stuttgart gegen das Vorjahr 23 Prozent weniger zur Verfügung. Die Nachfrage konnte nur an wenigen Schlechtwettertagen ganz erfüllt werden, während häufig 50 und mehr Prozent der Platzbestellungen nicht befriedigt werden kanten. Im Ver­gleich mit anderen deutschen Flughäfen hat Stuttgart trotz der Einschränkungen wieder den 7. Platz im planmäßigen Verkehr behauptet. Die Spanien-Linie, die durch den Bürgerkrieg dort beeinträchtigt war, ist im Berichtsjahr wie­der täglich beflogen und bis nach Lissabon durchgeführt. Die im Sommerflugpkan 1933 bereits fehlende Strecke Stutt­gart München zum Anschluß nach Italien und der Ostmark wurde auf dringende Vorstellungen vom 15. Juni bis 14. Dezember geflogen.

Insgesamt wurden im Jahre 1936 24999 Flug- gäste befördert gegen 28130 im Vorjahre und 29123 im Jahre 1936. An Fracht wurden 1933 512 592 kg be­fördert gegen 511360 im Vorjahre und 522 951 kg im Jahre 1936. Durch die zuschlagfreie Beförderung der Post ist die beförderte Menge sehr gestiegen.

Der Betrieb auf dem Flughafen Stuttgart- Böblingen ist im ganzen stark zurückgegangen, da durch die Umbauarbeiten der Schulbetrieb eingestellt werden mußte. Die Zahl der Abflüge und Landungen betrug 1938 nur 27 247 gegen 79 097 im Jahre 1937. Die Bauarbeiten für de» neuen Flughafen wurden so weit gefördert, daß die Hoch­bauten ungefähr zur Hälfte fertiggestellt werden konnten.

In der Bilanz steht das Anlagevermögen durch die im Bau befindlichen Anlagen mit einem um 5,50 Mill. Mark erhöhten Zugang, auf die Abschreibungen in Höhe von 0,89 Mill. Mark gemacht sind, zu Buche. Der Stand selbst beziffert sich am Bilanzstichtage auf 9,15 (4,54) Mill. Mark. Die Gesellschaft hat auch verschiedene Grundstücke zu Siedlungszwecken m Echterdingen erworben. Der Bestand an eigenen Aktien von 72 000 Mark, der mit 25 Prozent zu Buch stand, wurde im Berichtsjahr an die Hauptaktionäre zum gleichen Kurs abgegeben, ferner erhielten diese Aktionäre zum Anschaffungspreis die im Laufe des Berichtsjahres aus Prwatbesitz zum Kurs von 25 Prozent zurückerworbenen eigenen Aktien im Nominalwert von 248 000 Mark. Im Zusammenhang hiermit wurden dis für den Flughafen Böb­lingen von diesen Aktionären gewährten Baudarlehen in ver­lorene Zuschüsse umgewandelt. Der sich hierdurch ergebende buchmäßige Ueberschuß von 733 000 Mark wurde zu einer Sonderabschreibung auf die im Bau befindlichen Anlagen verwendet. Die Rücklage für Flugplatzvcrlegung wurde von 110 000 Mark auf 10 000 Mark ermäßigt, da mit entspre­chenden Aufwendungen in der ursprünglich angenommenen Höhe nicht zu rechnen ist. Vereinnahmt wurden aus dem Flughafen 0,28 (0,31) Mill. Mark. Es verbleibt schließ­lich ein neuer Verlust von 38 343 Mark, der sich um den Vortrag auf 46 449 Mark erböht.

Außerordentliche Reifeprüfung im Herbst.

Nach einer Bekanntmachung der Ministerialabteilung für die höheren Schulen wird für Schüler und Nichtschüler, die Än der Reifeprüfung im Frühjahr ohne Erfolg teilgenvmnM habe«, im September dieses Jahres eine außerordentlichst Reifeprüfung, voraussichtlich als Sammelprüfung in Stutt­gart, abgehalten werden. Geprüft wird schriftlich, mündlich und in den Leibesübungen. Zugelassen werden können auch solche Nichtschüler, die die Reifeprüfung zum erstenmal machen wollen, doch müssen hierfür besondere Gründe vorliegen. Meldungen zu der Prüfung sind spätestens bis 12. Juli dieses Jahres der Ministerialabteilung für die höheren Schu­len (Stuttgart-N, Königstr. 44, 2) vorzulegen.

AusschridllilgMmpfe der Nachrichten-SA.

In Anwesenheit von SA.-Obergruppenführer Ludin fan­den in Tübingen die Endausscheidungskämpfs der SA.-Nach- richtenstürme rm Bereich der SA.-Eruppe Südwest für die großen Berliner Reichsweükämpfe statt. Vertreter der Wehr« macht, der Kreisleitung Tübingen, des NSKK. und der HI. wohnten mit Interesse der strapaziösen Leistungsprüfung bei, der sich die Mannschaften der Standarten 119 Stuttgart, 172 Pforzheim und 113 Freiburg unterzogen. Aus einer Reihe von Vorentscheidungen waren sie als beste Nachrichtenstürm« der württembergischen und badischen SA. hervorgegangen. Siegermannschaft wurde die Standarte 113 Freiburg.

Aur Baden

(!) Baden-Baden. (Auf der Landstraße tödlich verletzt.) Auf der Reichsstraße zwischen Baden-Oos und Sinzheim ereignete sich ein schwerer Unfall, hem di« 43jäh- rige Frau Pauline Boos aus Winden zum Opfer siel. Frau Boos, die mit einem Kuhfuhrwerk unterwegs war, wurde an­scheinend von einem Kraftwagen angefahren und dabei so unglücklich verletzt, daß sie auf dem Transport ins Kranken­haus starb.

? Lörrach. (Aus Motorradleidenschaft zum Betrüger geworden.) Das in Lörrach tagende Schöf­fengericht Freiburg hatte sich mit einigen Betrugsfällen zu befassen. Nicht uninteressant war der Falt des 29jährigen Johann A. aus Lörrach, der sich selbst als ein ausgespro­chener Motorradnarr bezeichnet« und seine Leidenschaft für das Motorradfahren so wenig zügeln konnte, daß er schließ­lich auf Abwege geriet. Durch Vorspiegelung eines starken Kaufinteresses hatte er sich aus privater Hand einen Film­apparat tm Werte von 600 bis 700 Mark zur Probe aus­händigen lassen und diesen, ohne auch nur einen Pfennig be­zahlt zu haben, gegen das heiß begehrte Motorrad einge­tauscht. Auch eine Schreibmaschine im Werte von über 200 Mark erschwindelte sich der Angeklagte, um mit deren Ver­kauf seine durch das Motorrad stark gestiegenen Ausgaben bestreiten zu können. Aber immer noch war für das Motsr- rad esn Betrag von 95 Mark zu bezahlen. Die Frist zur Zahlung wartete aber A. nicht ab, sondern verkaufte die Maschine, um sich wieder Geld zu verschaffen. Obendrein entwendete er aus der Fabrik, in der er arbeitete, u. a. zwei Elektromotors. Mit A. waren noch zwei Personen, die sich durch Gutmütigkeit in die Schwindelmanöver des A. batten hineinziehen lassen, angeklagt. Das Gericht verurteilt« A. zu einem Jahr und zwei Monaten Gefängnis. Von den beiden Mitangeklagten wurde einer freigesprochen, der zweite erhielt zwer Wochen Gefängnis.

Pfullingen. (Echte" Lustschutzübung. - Wohnhaus angezündet.) -Anläßlich der Einweihung des neuen Lustschutzhauses Pfullingen, das den NamenHaus Richthosen" trägt, fand nach dem feierlichen Weiheakt eine größere Luftschuhübung statt. Als Gegenstand wurde ein baufälliges, verkehrshinderndes Haus in Pfullingen ange­nommen, das unter Beachtung der notwendigen Sicherheits­maßnahmen angezündet wur^. Nach anfänglichen Ucbun- gen im verrauchten Hause, wobei alle Mittel des Luftschutzes eingesetzt wurden, konnte der Brand lebhafter augcfacht wer- den, und die Feuerwehr überwachte den weiteren Abbrand, wobei sie sich naturgemäß nur auf den Schutz der angrenzen­den Gebäude beschränkte.

Hölle unö Himmel eines Verbannten

Von l.u>5 Zckuble/

Urhebcrrechtsschntz Roman-Verlag A. Schwingenstein, München

d. Fortsetzung (Nachdruck verboten.)

Dann sagte er mit cincm schallenden Lachen:

Genosse Pablitsch hat uns beauftragt, ein feines Vöglest, zu fangen und zwar den jungen Fürsten Semikoff, Ritt­meister der Gardedragoner! Man hat vor einer Stunde einen Burschen abgeschnappt, der um das Schloßgut herumkroch. Auf der Wache behaupteten etliche, in dein Jungen einen ge­wissen Iwan Jcromitsch zu erkennen, der auf dem Schlosse ge­boren ist und als Bursche bei dein Rittmeister an der sront gewesen sein soll! Genosse Pablitsch meint nun: wo der Tops, ist der Deckel auch nicht weit!"

Der kleine Prokoff stimmte in das gröhlende Lachen der sechs Kerle mit ein, während Michael mit kalkweißem Gesicht krampfhaft mitlächclte.

Ein schlaues Köpfchen, der Genosse Pablitsch! sagte Pro­koff;doch dann seht zu, Genossen, daß ihr eure Runde durchkricgt, und wenn ihr ihn habt, dann bringt ihn sofort zum Amt, denn so ein großes Tier bekommt unsereiner nicht alle Tage zu sehen!" .

Der Patrouillenführer grinste und zog dann »nt seiner Bande ab. Ein paar Balalaikas wimmerten jetzt ans, und die zum Teil total betrunkene Gesellschaft in dem Lokal zog sich im Hintergründe zusammen, um einem Frauenzimmer zuzu­sehen, welches mit bis an den Bauch aufgcschnrztcn Rocken einen russischen Solotanz aufsuhrte. Prokoff raunte dem Fürsten mit unterdrückter Stimme zu:

Ich wußte es, daß dieser ausgekochte Hallnnke von Pal- litsch auf diese Gelegenheit wartet. Ein Gluck mir, daß >cy niemals eine Andeutung ihm gegenüber gemacht habe, > Y dich kenne oder daß wir jemals in engerer Berührung gcs ^

den haben. Dein Bursche Iwan jedoch ist ein Fuchs, er wird dichthalten und sich schon hcrauslügen. Was ich dabei tun kann, werde ich tun! Ich wußte es, daß cs keine leichte Auf­gabe war, durch die Späherkctte, die um das ganze Gut liegt, hmdmchznkommen und daß die Sache hundert zu eins scheitern mußte. Doch du, Michael, mußt jetzt fort! Noch ehe der Matrose mit seiner Streife zum Rapport kommt, mußt du verschwunden sein. Denn wenn er eine Meldung von dir und mir inacht, wird Pablitsch, der einer der mißtrauischsten Schufte ist, von mir Bericht verlangen und darauf bestehen, daß ich dich ihm vorführe. Das andere kannst du dir denken! Komm, wir verschwinden jetzt! Die tanzende Hexe dort hat jetzt den Vorzug, und auf uns achtet keiner!"

Prokoff warf einige Rubel auf den Tisch und sie gelangten vollkommen unbeobachtet zum Ansgang. Draußen war eS bereits dunkel, und in dichten, weichen Flocken fiel der Schnee. Sie krochen geduckt in ihre Mäntel zusammen.

Gott sei Dank!" stieß der Leutnant zwischen den Zähnen hervor,ich bin zwar sonst auch lieber für Sonnenschein und Maicnpracht, aber das ist das einzig vernünftige Wetter, das wir jetzt brauchen können! Komm, wir müssen ein wenig die Gassen benützen, wo man die Straßenlaternen für überflüssig hält!"

Der Fürst folgte dem mit eiligen Schritten durch das Schneegestöber hastenden Gefährten. Seine Stimme klang hoffnungslos und gepreßt als er sprach:

Nimm cs mir nicht übel, Niki, wenn ich etwas schwach von Begriff geworden bin. Was gedenkst du jetzt zu tun? Wo soll ich jetzt in diesem Schneetreiben hin, wo kaum aus drei Schritte Weg und Steg zu sehen ist? Ich glaube, es ist zu Ende, und cS wäre am besten, du kümmertest dich nicht mehr um mich!" . .

Der kleine Prokoff faßte den Zögernden am Arm und stapfte mit ihm im beschleunigten Tempo weiter durch schmale Gasten, deren niedrige Häuser wie erfrorene Schafe dalagen - stumm und leblos. Rur selten, daß irgendwo ans den fcstge- schlossencn Fensterläden ein schwacher Lichtschein schimmerte.

Nur jetzt nicht die Nerven verliere^, alter Waffengefährte! Wenn du auch deinen ehemaligen M cm bevorzugtes.

Mitglied dieser Rotte Korah vorfandest, so sollst du nicht sagen, daß er den Begriff Kameradschaft vergessen hat. Glaube mir, hätte ich es nicht getan, so wäre es meinen Angehörigen um kein Haar besser ergangen wie den deinigen! Und cs sind acht Stück, die mich Sohn und Bruder nennen, und dafür läßt sich schon allerhand riskieren! Du siehst ja selbst, das toll­wütige Geschick schreitet unabänderlich weiter und ob der ehe­malige Gebieter Fürst Semikoff mit einem sauberen Schuß in, Genick in irgendeinem Winkel oder Kellerloch rrmodert oder nicht, wird nichts an dem Laufe der Dinge ändern!"

Welche Chance soll es denn noch für mich geben, Nikolaj?"

Die augenblickliche Flucht! Zu einer solchen Eventualität, die gelegentlich auch mir über den Hals kommen kann, habe ich ein wenig vorgesorgt, Freund Michael! In einem Ställchen, von dem meine Genossen noch keine Witterung genommen, habe ich ein prächtiges Pferdchen stehen! Das wirst du jetzt reiten; ich werde mir schon wieder ein anderes besorgen. Ich vermute, daß du nebst deiner schönen Zigarettendose auch die ebenso nette Kompaßuhr am Leibe trägst, welche ich schon ein­mal im Felde bewunderte. Dieser Umstand genügt voll­kommen, um mit dem Gaule eine genaue Richtung cinzn- haltcn. Dieser Schneesturm wird dir Helsen, deine Fährte in einer halben Stunde absolut spurlos zu machen. Bis morgen früh kannst du die erste weißrussische Postenkette des Ge­nerals Denikin bei Smolensk erreichen. Das andere ist dann deine Sache!"

Ich danke dir, kleiner Prokoff! Das ist alles, was ich jetzt sagen kann. Denn unerträglich bedrückt mich der Gedanke, ob für mich jemals eine Aussicht besteht, dir für diese Kame­radschaft danken zu können! Indem du dich für mich deiner eigenen Rettungömöglichkcit cntänßcrst."

Bei der gnadenreichen Mutter von Kasan, laß das, Mi­chael! ES ist für mich Belohnung genug, meinem großen Ge­nossen Pablitsch, diesem feigen Bluthund, den Triumph aus den Zähnen gerissen zu haben, den Fürsten Semikoff abzu- killenl Jedoch es ist das einzige noch, ans diesem Blutstrom von stinkenden Scheußlichkeiten das rettende Ufer zu gewinnen. Millionen werden noch in die Untiefen dieses Meeres v-n Jammer und Grauen hincingeschwemmt werden!" (Forti folgt.)