Mus dem HeimatgcbietH?

Achtet auf den KarloWküfer!

Der Kampf gegen den Kartoffelkäfer ist überall im Gange. In den am meisten be- drohten Gebieten wird zur Zeit in jeder Woche an förmigen, warmen Tagen ein Suchtag abgehalten. In einem Merkblatt, das an die Bezirks, und Oberämter gerich­tet ist, weist der Kartofselkäfer-Abwehrdienst deS Reichsnährstandes auf den Schaden hin, der durch den Kartoffelkäfer und seine Lar­ven angerichtet wird. Funkmeldungen sind an die Bürgermeisterämter zu richten. Helft alle mit, dem Schädling in diesen Wochen den GarauS zu machen!

Kartei und AeAnachwuchs

Auskunft erteilt das Gaupresseamt

Die Neichspressestelle der NSDAP, der- öffentlicht folgenden Hinweis: Der nächste vom Neichsverband der Deutschen Presse vorgesehene Einstellungstermin für Schrift­leiter in der Ausbildung bei Tageszeitungen ist der 1. Oktober d. I.

Junge Nationalsozialisten, die Liebe zum Journalismus und die erforderlichen wis- lensmäßigen Voraussetzungen (möglichst durch Reifezeugnis nachgewiesen) für den verantwortungsvollen Beruf des Schrift­leiters besitzen, melden sich schriftlich beim Gaupreffeamt der NSDAP., dessen Nachwuchshauptstelle Auskunft in allen Pressenachwuchsfragen gibt und ge- eignete Bewerber bei der Suche nach einer Ausbildungs-Stelle in einer Tages­zeitung unterstützt.

Die Geschicklichkeitsfahrt öes DDAC. am letzten Sonntag war für den Veranstalter ein voller Erfolg. Dazu trugen bei einmal der ideal gelegene Schwanner Fußballplatz, dann die glänzende Vorbereitung durch Ortsgrup­penführer Brau-n und Sportleiter Bacher, und schließlich eine einsatzfreudige Gefolg­schaft. Die motorsportliche Veranstaltung selbst wurde unterstrichen durch die Anwesen­heit des Gaugeschäftsführers und des Gau­sportleiters. Der Platz selbst war festlich geschmückt und infolgedessen der Zielpunkt vie­ler Schaulustiger. Den Motorsportlern war keine leichte Aufgabe gestellt, sie mußten unter Beweis stellen, daß sie ihr Fahrzeug beherr­schen können, daß sie imstande sind, unvorher­gesehene Schwierigkeiten zu überwinden und daß sie nach aufregender Fahrt noch die Ruhe zu bewahren imstande sind. Zum Beweis dessen mußten sie am Schluß der Fahrt nach punktgezählter Zeit noch drei Schuß auf die Zielscheibe abgeben. Manch einer dachte sich es vorher leichter. Die Zuschauer verfolgten die Kämpfe mit Spannung und sichtlichem Interesse. Mit ein Glanzpunkt war die Kon- kurrrenzfahrt des sechsjährigen Günther Müller-Birkenfeld auf seinem handfesten Mo­torrad, der alle Aufgaben mit verblüffender

Gewandtheit löste und das Publikum zu Bei­fallskundgebungen hinriß. Im Saal des Gasthauses zumWaldhorn" in Schwann war dann die Preisverteilung, die alle Sport­kameraden nochmals für einige Stunden ver­einigte und die schön verlaufene Veranstaltung harmonisch ausklingen ließ.

Beleuchtung öes Kurparkes. Am nächsten Samstag wird bei günstiger Witterung eine Beleuchtung des Kurgartens stattfinden. Die Kurkapelle ist an diesem Abend verstärkt und der MännergesangvereinLiederkranz" Her- renalb wird als Einlagen Volkslieder und Chöre zum Vortrag bringen. Konzert und Tanz im Freien. Nach Schluß der Beleuch­tung findet ein großer Ball im Städtischen Kursaal statt. Mit diesen Darbietungen soll den anwesenden Gästen bekundet werden, wie sehr wir uns in Herrenalb über ihren Be­such, insbesondere über ihre wiederholte Wie­derkehr freuen, so daß diese Abendveranstal­tung,Der Abend der tausend Lichter", den Höhepunkt des diesjährigen Sommerpro­gramms bilden wird.

Ein Abenö der Heiterkeit! Willy Reichert kommt! Die Kurverwaltung Herrenalb hat den schwäbischen Humoristen Willy Reichert mit seiner Künstlertruppe für Sonntag den 7. August verpflichtet. Diese in ganz Deutsch­land gefeierte Künstlertruppe wird den Gästen einige Stunden des Frohsinns und der Hei­terkeit bescheren. Willy Reichert besitzt eine erstaunliche Fähigkeit, die Besonderheiten des schwäbischen Humors herauszustellen und auch Fernstehenden über das äußerst wir­kungsvolle Stuttgarter Honoratioren-Schwä- bisch deutlich werden zu lassen. Er kann auch anders, und kann er in einem sehr umständ­lichen Spießer-Schwäbisch seinen Humor aus­strahlen lassen.

Cafe Harzer feiert LSjähriges Geschäfts­jubiläum. Ein Vierteljahrhundert ist in der Zeiten Schoß hinabgesunken, seit das hiesige, in weiten Kreisen bestens bekannte Cafö Har­zer von den Vorfahren der jetzigen Inhaberin, Frau Frieda Harzer, gegründet wurde. Das Haus Harzer feiert am 3. August dieses Jahres das 25jährige Geschäftsjubiläum. Viele Gäste aus nah und fern werden sich an dem, was freundliche Bilder aus der Vergangenheit umspannen, erfreuen, was ein Stück Schaf­fenskraft der Inhaber einzeichnet,' Man wird mit herzlicher Freude daran denken, wie der einstmalige geringere Geschäftsverkehr sich im­mer vergrößert und seine Zweige immer mehr hat ausgebreitet, und wie diese Gaststätte heute in dem denkbar besten Rufe dasteht; ein Fundament, worin die Wurzeln der Kraft des Unternehmens ruhen, und auch fernerhin ruhen werden. Ein Denkmal, das die Vor­fahren damals schufen, ist die Stätte einer Familienfeier, die einen Markstein im Leben

bildet und mit gewissem Stolz werden die Anverwandten an diesem Gedenktage auf den zurückgelegten Zeitraum und auf die uner­müdliche Tätigkeit zurückblicken. Das Cafö Harzer hat mit der Aufwärtsentwicklung Her- renalbs als Kurstadt im Betriebe stets Schritt gehalten und gilt diesem Hause der beste Ruf.

Der Betriebsführer eines schwäbischen Musterbetriebes sagt:

Mein Bestreben war von jeher, ein kame­radschaftliches Verhältnis zwischen Betriebs, führung, Angestellten und Arbeitern herzu­stellen. Ich ließ mich dabei von der Er­kenntnis leiten, daß arbeitsfreudige Mit­arbeiter das höchste Kapital darstellen, das ein Betrieb überhaupt besitzen kann."

An andere« Stelle heißt es:Daß eine gesunde Sozialpolitik zwangsläufig die beste Wirtschaftspolitik ist, hat sich bei uns von jeher gezeigt. Unsere Waren stiegen von Jahr zu Jahr in der Qualität."

Im Leistungskampf -er deutschen Betriebe entwickelt sich zwangsläufig eine zur höch­sten Leistungssteigerung bereit« Gemeinschaft.

Drr Unteroffizier: Lehrer und Erzieher

Rur die besten sind dazu brauchbar

Angesichts de« häufig falschen Vorstellun­gen von Bedeutung und Aufgabe deS Unter­offiziers veröffentlicht Hauptmann Hesse vom Oberkommando des Heeres in derDeut­schen Arbeitskorrespondenz" einen grundsätz­lichen Beitrag zu dieser Frage. Die einen stellten sich die Beschäftigung des Unteroffi­ziers höchst stumpfsinnig vor, sichere wieder glaubten, daß es seine Hauptaufgabe sei, die Untergebenen schlecht zu behandeln. Die Verächtlichmachung des Unter­offiziers sei eine bewußte Pro­paganda der jüdisch-marxisti. scheu Kreise gewesen, die ein besonderes Interesse daran hatten, jedes Autoritäts­gefühl zu erschüttern, um selbst an die Macht zu gelangen. Leider habe auch der Krieg dieser Art Verleumdungen kein Ende bereitet, und der damalige Staat habe nichts getan, um Len Unteroffizier vor derartigen Verun­glimpfungen zu schützen. Hauptmann Hesse schildert dann das wirkliche Beruss- bild des Unteroffiziers. Seine wichtigste Aufgabe sei es, den Soldaten im Gebrauch der Massen auszubilden. Er müsse den So ldaten nach neuzeitlichen Gesichts­punkten sportlich weiterbilden. Der Unter­offizier müsse ein guter Lehrer fein, er müsse seine Schüler fesseln können, er müsse Er­zieher sein. Der Unteroffizier müsse Kame­rad sein, gerade gegenüber den jüngeren, jede Ungerechtigkeit müsse er Peinlich ver­meiden. Für alle diese Aufgaben finde er nicht etwa ein gleichmäßig vorgebildetes Menschenmaterial vor. Mittel zur Bewäl­tigung dieses gewaltigen Gebietes der Aus-

Untergau Schwarzwalb (toi). Untergau. führerin.

1. Betr.: Freizeitlagrr u. Sommerfahrten. Die Anmeldungen für Lager und Fahrten find so rasch wie möglich hierher zu schicken.

2. Betr.: Lagerkarten. Die Gruppenführe- rinnen haben die Lagerkarten, die sie nicht mehr brauchen, umgehend an den Unter­gau zurückzugeben.

3. Betr.: JM-Verpflicht«ng. Die JM- Anwärterinnen dieses Jahres werden im Oktober verpflichtet. Bis zum 15. 9. 1938 meldet jede JM-Gruppenführerin die genaue Anzahl d. JM-Anwärterinnen ihrer Gruppe.

Betr.: Meldungen. Diejenigen Mädel- und JM-Gruppenführerinnen, die die Mel­dung über die Anzahl der über 17jährigen Mädel bzw. über die Anzahl der JM-Anwär­terinnen, die zur Verpflichtung im Oktober keine Uniform selbst anschaffen können, im­mer noch nicht gemacht haben, holen diese umgehend nach. Die Gruppen, die keine Meldung einreichen, werden Lei Verteilung irgendwelcher Zuschüsse in keiner Weise be­rücksichtigt.

5. Betr.: Formationsurlaub. Vom 1. 8. bis 1. 9. 38 wird in allen Einheiten von IM und BdM kein Dienst durchgeführt.

bildung und Erziehung seien für Len Unter­offizier zunächst einmal Lob und Tadel, dann vor allem aber das eigene Vorbild. Ein« Strafgewalt, wie sie in der französischen Armee der Korporal habe, stehe dem deut- scheu Unteroffizier nicht zu. Jede vorschrifts. widrige Behandlung, jeder Mißbrauch der Dienstgewalt werde streng bestraft. Neben der reinen Ausbildungstätigkeit gebe es ein« ganze Reihe von Vertrauensstellungen für den Unteroffizier, die besondere Spezialkennt-

ckas lütter?

Wetterbericht beS ReichswetterdiensteS Aussabeort Stuttgart

Herausgegeben am Montag. 1. August. 21.80 Uhr

Vorhersage für Dienstag: Zeitweise heiter, aber vorübergehende Gewitterstörungen. Warm und meist schwül. Schwache Winde aus wechselnden, meist östlichen Richtungen.

Vorhersage für Mittwoch: Nicht ganz be­ständig, aber vorübergehend freundlich und immer noch warm.

Während sich vom Inland bis nach West­rußland hoher Druck aufbaut, wird die Druckverteilung über Süddeutschland und Frankreich sehr flach. Unter dem Einfluß einzelner auf der Südseite dieser Hochdruck­brücke erkennbarer Störungen werden Ge­witter auftreten. Eine durchgreifende Ver­schlechterung der Wetterlage ist aber nicht zu erwarten.

Vorn SGrvarzrvaLd zur Ädrra

ii-

Äm 1. Juni, 8 Uhr vormittags, Abfahrt mit zwei Autobussen neuester Art und deut­schen Ursprungs (MAN) zuerst nach Jajce, immer im Tal des Vrbas, durch Gebirge und Gebirgsdurchbrüche. Hier ist das Gebirge größtenteils, bewaldet, an der Straße stehen Nußbäume, landwirtschaftliche Niederlassun­gen im Tal nur selten. Im Gebirge Hausen noch ^ären und Wölfe. Um 11 Uhr vormit­tags halten wir bei Jajce und steigen aus. Es ist heute Markttag. Welch' malerisches Bild! Au einem Hang in Gruppen sitzen und stehen bosnische Bauern aller Alters­stufen, teilweise mit verschleierten Frauen, und halten 13 Hämmel oder Ziegen oder Schweine feil. Sie tragen alle die bosnische Bauerntracht; schwarze Mütze, rund, etwa 12 Zentimeter hoch, rote Wollweste, oder trotz der Hitze Schaffell nach innen, grobe Leinen­hemden, roten Stoffgürtel, Reithosen und Opanken ohne Absätze. Die Gesichter sind ernst und die Gestalten sonnverbrannt und wetterhart. Jeder hat mindestens 2 Ponnys bei sich, beide mit Holzsattel auf Polster. Ich kann mich an dem Bild nicht sattsehen und Verweile noch als einziger Fremder. Schließ­lich muß ich jedoch gehen, bummle über den Markt mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen: Kartoffeln, Mais, Bohnen usw., schaue in einem Textilwarengeschäft dem Einkauf der Baucrnfraucn, die ebenfalls Tracht tragen, zu und hole daun meine Reisegefährten an den 30 Meter hohen, großartigen Pliva-Was- serfällen wieder ein. Dort sind mehrere Kraft­werke errichtet, aber ans höchst einfache Art. Man baut an einen Seitenarm des Wasser­falls eine Bretterbude, setzt ein Wasserrad da­rein und das Kraftwerk- lauft Tag und Nacht. Ein Müller hat sich auch dort angesicdelt. Ich icyaue zu ihm hinein, er lädt mich freund­lich ein, näherzutreten und zeigt mir seineil -Betrieb", der aus zwei vorsintflutlichen

Mahlgängen besteht. Auf einem mahlt er Roggen, auf dem anderen Mais. Er ist an­scheinend glücklich und zufrieden. Im Pliva- Hotel essen wir im Freien zu Mittag; es gibt Forellen aus den fischreichen Flüssen und Lammbraten (am Spieß gebraten) mit Salat, zum Schluß Süßspeise und Mokka, dazu guten Landwein. Das war für diesen Platz eine recht angenehme Ueberraschung. Um 1t Uhr fuhren wir weiter, denn wir haben kaum ein Drittel unseres heutigen Wegs zurückgclegt. Unterwegs überholen wir viele vom Markt heimkehrende bosnische Bauern. Auf einem Ponny ist das Markt- gut verladen, auf dem anderen sitzt der Bauer oder die Bäuerin entweder auf Männer­nder Frauenart. Wir fahren über Berg und Tal und machen eine Kaffeepause erst wieder in dem Städtchen Travnik. Unterwegs pas­sieren wir an einem Fluß badende Männer, Badehosen sind dort nicht üblich. Der Wirt der Kafana in Travnik, ein Muslim, hat sich von dem früheren türkischen Wahl­spruch:Eile ist des Teufels" noch nicht frei- machcn können und so muß sich ein Teil der Gäste nach einer anderen Kafana Umsehen. Weiter gehts durch fruchtbares Land, in der Ferne begrenzt durch Höhenzüge, immer in südöstlicher Richtung. Es wird gebirgig und der Boden mager. Nach 20 Uhr erreichen wir bei scholl völliger Dunkelheit das Ziel: Sarajevo. In kurzer Zeit ist im Hotel Europa alles gut nntergebracht. Der Liftjunge Ali setzt seinen Stolz darein, uns immer prompt zu bedienen. Ein Teil des Personals spricht Deutsch und so hat die Verständigung keine Schwierigkeiten. Verpflegung und Unter­kunft sind ausgezeichnet. Sarajevo ist die Hauptstadt von Bosnien, liegt 500 bis 680 Meter hoch, von Bergzügen umgeben und hat etwa 80 000 Einwohner, wovon ein Drittel Muhamedaner. Der neuere, seit 1878, dem Beginn der österreichischen Herrschaft, ent­

standene Teil könnte in jeder westeuropäi­schen Stadt stehen. In den Außenteilen sind damals Kastanienalleen angelegt worden, , welche jetzt als Schattenspender sehr angenehm empfunden werden. Die Stadt hat sich auf den Höhen herum ausgedehnt, was ein schö­nes Bild ergibt. Mitten dadurch fließt die Miljacka, die im Sommer wenig Wasser führt, desto mehr aber im Frühjahr bei der Schneeschmelze. Am 2. Juni machen wir den üblichen Rundgang, hier zu Fuß, weil Prak­tischer. Zuerst zu der in der Nähe befind­lichen Chosrew - Beh - Moschee. Sie ist die bedeutendste. Gegen Eintrittsgeld kann sie besichtigt werden. Als wir eintreten, wird über die Gebetsteppiche zuerst ein Läufer gelegt, den wir nicht verlassen dürfen, weil kein Ungläubiger die Teppiche betreten darf. Die Moschee ist in vornehmer Einfachheit gehalten, an den Wänden der Namenszug des Propheten und andere Zeichen. Im Hof befindet sich ein großer laufender Brunnen, aus dessen rundem Trog etwa 15 Hahnen herausstehen, an denen sich die Muslims Ober­körper, Hände und Füße waschen, ehe sie zum Gebet die Moschee betreten. Frauen dürfen nur ein Mal jährlich in die Moschee, sonst nur bei ganz besonderen Anlässen. Jede Moschee hat einen schlanken Turm, das Minarett. In etwa halber Höhe ist ein Kranz, von dem aus der Muezzin täglich fünf Mal zum Gebet ruft. Bei Nacht hört es sich an wie die früheren Nachtwächtergesänge. Im Hof der Bey-Moschee ist auf einem Stein das Längen-Normalmaß. Das hat unter der jahr­hundertewährenden türkischen Herrschaft dazu gedient, beim Kadi Betrüger beim Verkauf von Stoffen usw. zu überführen, und sie er­hielten dann sofort auf dem Stein die zu­diktierte Belohnung, d. h. eine entsprechende Tracht Prügel. Wahrlich, eine einfache und volksnahe Gerichtsbarkeit. Schräg gegenüber der Moschee ist das islamitische Priestersemi­nar. Auch hier hinein werfen wir einen Blick. Etwa 20 junge, intelligent aussehende junge Männer von 1822 Jahren, halten sich in der Pause gerade im Vorhof auf, von dem

aus eine Anzahl Türen in verschiedene Ge­mächer führen. Sie sind bürgerlich gekleidet, als Kopfbedeckung tragen sie den roten Fes wie die meisten männlichen Muslims. Sie lassen sich auch gerne photographieren. Wir gehen weiter zum Bazar. Das ist eine Anzahl Gassen und Winkel mit Verkaufsbuden und Werkstätten in der Altstadt mit echt orienta­lischem Getriebe. Hier arbeiten Kupfer­schmiede, Schuster, Schneider usw. offen. Man kann dort alles haben: Ansichtskarten, Schuhe, Schmucksachen, Kleider, Holz, Heu, Kalk, Holzkohlen, Brot und Fleisch, Kirschen usw-, auch Stickereien. Nie ist es langweilig. Juden und Muhamedaner sind getrennt. Der Mus­lim kauft dem Juden nichts ab, wir selbst­verständlich auch nicht. Im Hintergrund einer Bude sitzen in einer Ecke vier Jungen und lernen. Wir schauen ihnen über die Köpfe und sehen, daß sie sich mit einer deutschen Grammatik abmühen. Auf Befragen bringen wir heraus, daß sie in die Mittelschule gehen und daß dort Deutsch Pflichtfach ist. Wir helfen den Bürschlein eine Viertelstunde, was sie dankbar'annehmen. Die Führung geht zur Warenbörse. Dort ist auch ein echt tür­kisches Kaffeehaus, ausgestattet mit gepolster­ten Bänken rings an den Wänden. Die Be­sucher sitzen darauf mit untergeschlagenen Beinen, machen ihre Geschäfte und trinken dazu Kaffee, der auf einem Tablett, das sie in der Hand halten, gereicht wird. In den Gebäuden kann man auch billige Einzelzim­mer mieten pro Tag 10 Din. 70 Rpf. Dann besichtigen wir den ältesten Teil von Sara­jevo. Es sind einstöckige Holzhäuser, teilweise mit Geschäften. Wir kommen am Harems­haus des Beh, am neuen Rathaus, am frühe­ren Konak vorbei, besichtigen eine große ori­entalische Teppichweberei mit ihren schönen Erzeugnissen, wobei wir erfahren, daß der Lohn der meist weiblichen Arbeitskräfte bei 8 Stunden Arbeitszeit 2530 Din. 1,70 bis 2 RM. täglich beträgt, und kommen schließlich zu der Brücke über die Miljcn' von der aus der Weltkrieg ausgclöst '

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