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Welches Alter stellt die meisten Erwerbslosen? Nach einer Veröffentlichung der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung war am 15. Januar 1932 bei den Hauptunterstützungsempfängern in der Arbeitslosenversicherung die Altersklasse zwischen 25 und 30 Jahren am stärksten besetzt. 18,1 vom Hundert der Hauptunterstützungsempsänger gehören dieser Gruppe an. Fast ein Viertel der weiblichen Hauptunterstützungsempsänger befindet sich in der Altersklasse zwischen 21 und 25 Jahren, während zu dieser Altersklasse nur 15,8 Prozent der männliche Hauptunterstützungsempsänger gehören. Bei den männlichen jugendlichen Hauvtunterstützungs- empsängern bis zu 21 Jahren wurden 11,8 Prozent und bei den weiblichen Hauptunterstützungsempfängern 21,1 Prozent gezählt. Gegenüber den früheren Zählungen vom Januar 1931 und vom 15. Juli 1931 ist eine Verschiebung in der Höherbesetzung der Altersgrenzen von über 21 bis zu 15 Jahren und von über 45 bis zu 60 Jahren eingetreten. Die Altersgruppen bis zu 21 Jahren und über 60 bis zu 65 Jahren haben sich entgegen der allgemeinen Tedenz in der Besetzung verbessert. — Die umgekehrte Entwicklung ist jedoch bezüglich der Hauptunterstützungsempfänger in der Krisenfürsorge eingetreten.
Madame Sylvia prophezeit
Die österreichische Gräfin als Seherin. — Droht ein neuer
Weltkrieg?
Der bekannte französische Schriftsteller Maurice De- kobra besuchte kürzlich Berlin und ließ sich von der modernen Pythia einige Angaben über die Zukunft machen. Ob und inwieweit diese in Erfüllung gehen werden, muß die Zukunft beweisen.
In Berlin lebt eine moderne Pythia, eine Dame, welche die Zukunft voraussagt. Sie nennt sich Madame Sylvia; hinter diesem Pseudonym aber verbirgt sich ein Mitglied der österreichischen Hocharistokratic: die Gräfin Beck, die, ruiniert durch die Inflation, auf diese Weise ihr Leben fristet. Man hatte mir geraten, zu ihr zu gehen, gehorsam dem Beispiel vieler Staatsmänner, Künstler usw., denen sie bereits ihre Ratschläge gegeben hat.
Madame Sylvia ist eine Dame von Welt. Tie war häufig am Wiener Hofe und empfängt den Besucher mit der Liebenswürdigkeit der „gründe dame". Sie ist keine Anfängerin in der Kunst des Wahrsagens. Schon mit fünf Jahren hatte sie die ersten Visionen, die sie damals nur ihrem Vater mittcilte.
Sie arbeitet folgendermaßen: „Steht jemand vor mir, dann sehe ich zuerst ein verschwommenes Bild, aus dem nur Augen und Haare hell hervorleuchten. Allmählich komme ich in eine Art Trancezustand. Es passiert mir zum Beispiel, Laß ich dann von einer Person nur noch das von Störungen befallene Herz sehe. Der nahe Tod einer Person erscheint mir gewöhnlich in Form eines gelblichen Ringes um die Stirn."
Madame Sylvia hat auch schon ganz interessante Orakel verkündet, die sich später bewahrheitet haben. 1912 saßen einmal im Salon der Erzherzogin Jsabella in Wien um den Teetisch: Erzherzog Eugen, Prinzessin Elisa von Barbon und andere österreichische Aristokraten. Erzherzogin Jsabella bat die Gräfin Beck, die ihre Fähigkeiten damals noch nicht öffentlich verwertete, ihr die Zukunft zu künden. Die Gräfin versetzte sich in Trance und sprach:
„Hoheit, ich flehe Sie an, bezähmen Sie Ihre Antipathie gegen Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin (Erzherzogin Jsabella grollte Franz Ferdinand, weil er sich geweigert hatte, eine ihrer Töchter zu heiraten). Man muß gut
zu ihnen sein, sie werden in zwei Jahren sterben.."
Man fragte sie, auf welche Weise. Sie erwiderte: „Von ein und derselben Kugel."
Und als man die Folgen dieses Todesfalles wissen wollte, erklärt die Gräfin Beck: „Ich habe eine Landkarte Europas gesehen, über die eine gespenstige Hand langsam hinwegstrich und einen großen roten Fleck hinterließ."
Einer der Erzherzöge rief: „Das würde einen Weltkrieg bedeuten." Sie erwiderte: „Nein. Der Krieg wird zuerst nur eine europäische Angelegenheit sein. Aber ein Weltkrieg wird als spätere Folge kommen."
Madame Sylvia erzählte mir dies und fügte mit einem melancholischen Lächeln hinzu: „Es gibt noch genug lebende Zeugen dieses Vorfalles."
„Und was verkünden Sie uns für die Zukunft?"
„Das Jahr 1932—1933 wird für die Geschichtsschreibung unvergeßlich werden. Seit 1914 wird man nichts Äehnliches erlebt haben. Alle Völker werden bis in die Grundfesten erschüttert sein. Nirgends auf der Erde sehe ich ein Anzeichen des Friedens."
„Beharren Sie denn darauf, uns auch jetzt noch einen neuen Weltkrieg vorauszusagen?" „Gewiß, und er hat sogar schon begonnen — in der Mandschurei. Eine Welle kommt aus dem fernen Osten und überflutet die Völker bis zu einer hohen Gebirgskette. Ich sehe aus dem Osten einen Mann erscheinen, mit einem steinernen Gesicht und einem Säbelknauf, den er in beiden Händen hält- Es ist „der Mann mit dem ^", von dem ich schon vor zwei Jahren gesprochen Habe und der bis nach Rußland Vordringen wird. Aber all das wird länger, über 1933 hinausdaucrn."
„Der Weltkrieg wird also an den Grenzen Polens haltmachen."
„Ja. — Und wenn Sie noch einige Prophezeiungen für Frankreich und Deutschland wollen? Deutschland wird zunächst zwei neue Regierungen haben — die eine wird aus dem Innern des Reiches entstehen, die andere aber vom Ausland aufgedrängt werden. Weiter wird sich ein kleiner Staat in die Angelegenheiten Deutschlands hineinmischen und ihm großen Acrger bereiten. Erst nach bitteren Einschränkungen wird man zu neuem Leben erwachen. Aber der Wiederaufstieg Deutschlands wird viel schneller gehen, als der anderer Nationen. Er wird die Folge einer Verständigung mit Rußland und Amerika sein. — Frankreich wird nur mit einem einzigen Lande verbündet bleiben, und die Großmächte werden sich allmählich von ihm loslösen. Frankreich wird dann etwas unternehmen wollen, was Deutschland ein zweites Mal bis ins Mark treffen soll. Ich sehe für Deutschland da eine Gefahr, die seine Westgrenze bedroht." —
Ich wollte mich verabschieden und dankte Madame Sylvia für ihre Prophezeiungen. Sie fügte noch hinzu: „Wenn Sie meine Voraussagungen vom Porigen Jahr lesen, werden Sie sehen, daß folgende Ereignisse sie bestätigt haben: die Annäherung zwischen Deutschland und Italien, der Hooverplan, der chinesisch-japanische Konflikt und die Erdbeben in Zentralamerika. Das hatte ich alles vorausgesagt."
„Tic Gelehrten sind aber Wohl sehr skeptisch hinsichtlich der Bedeutung Ihrer Kräfte?"
Madame Sylvia lächelt. Sie zieht mich in das Halbdunkel ihres Arbeitszimmers und zeigt mir eine Photographie. „Es ist das Bild Albert Einsteins mit einer für mein Orakel sehr schmeichelhaften Widmung." Jetzt kann mau nur noch ehrfurchtsvoll seinen Hut abnehmen. Wenn der Mann, dessen Theorie unsere Auffassung vom Bau des Weltalls erschüttert hat, Madame Sylvia konsultiert, dann wäre cs doch unangebracht von uns, an ihre Voraussagungen den Maßstab der Relativität anlegen zu wollen...
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Vom Psorzheimex Schauspielhaus
Neuenbürg, 18. April 1932.
Uraufführung: „Weltuntergang".
Drama von Dr. Alfred Zach, Pforzheim.
„Das gibts nur einmal.
Das kommt nicht wieder.
Das ist bestimmt nicht mehr als — „Nichts"!"
Stach zuverlässigen Feststellungen werden in unserem Lande der Deuker und Dichter jährlich etwa 2000 Dramen und Schauspiele „in Schmerzen geboren". Etwa 100 von ihnen gelangen zu einer Uraufführung, etwa 10 unter ihnen feiern eine Wiederholung und nur 2—3 dieser jährlichen Neuschöpfungen erleben auch noch nach Jahren eine Wiederauferstehung. Der „Weltuntergang" des Syndikus des Pforzheimer Einzelhandelsverbandes dürfte trotz seines zugkräftigen Titels nicht zu den „Ueberlebenden" gehören. Um aus dem nichtssagenden Worte „Nichts" ein bühnenwirksames Drama zu schaffen, dazu gehörte vor allem die geniale dialektische Formulierung eines Georg Kaiser, dessen „Gas" oder eines seiner anderen Dramen, vielleicht auch etwas von Kolbenheyer, dem Verfasser vorgeschwebt haben mag. Gerade die polarkalte Gegensätzlichkeit zwischen Mensch und Material, zwischen Stoff und Seele ist es, die zur Theaterwirksamkeit führt. Soll ein Drama solcher Kürze erfolgreich sein, so muß die Dialektik seiner Zivilisationsdramatik und -Kritik tiefer sein und sich nicht im Pathos eitler Wortspielerei verlieren. So sehr der Autor sich wohl bemühte, getreu großen Vorbildern ein „Denkspiel" zu schaffen, bleibt sein Versuch doch iu den Anfängen zu ihm stecken. Er will Menschlichkeit zeigen. Primitive Menschlichkeit, die in er- kenntnishafter Kritik Las Gefüge der Zivilisation erschüttert, und bringt zu stereotypen Dialogen ebensolche Menschen und einen Gelehrten, der über der Idee der Flucht in den Weltraum die banalsten Selbstverständlichkeiten des Lebens vergißt und über der umständlichen Defination des armseligen Wortes „Nichts" sein philosophisches Gleichgewicht verliert.
Professor Dr. Hoppenrath entwirft und baut ein Weltraumschiff, bestimmt, der Erbärmlichkeit der Erde den Rücken zu kehren. Auch ideale Ideen kosten Geld und über der Beschaffung dieses Mammons vergißt er sogar im Zeitalter der Skandalprozesse, daß Wechselunterschriften nur persönlich zu leisten sind. (Und das weiß heute schon jeder bessere Gemüsehändler.) Zwei Menschenpaare wagen den Flug ins neue Leben und halten zuvor ernste Reden über die Nichtigkeit unserer Welt, an denen ihr erhöhter Standpunkt im Bühnenbild das Erhabenste ist. Die Flug mißlingt, 4 Menschen fallen ihm zum Opfer und ein geheimnisvoller Oberstaatsanwalt interviewt persönlich den niedergeschmetterten Professor über Verantwortungsgefühl und Wechselgesetzkenntnis. Einen solchen Staatsanwalt gibt es sicher nur einmal, so gewiß wie den Weltuntergang. Und dann endet der Weltraumtraum-Spuk mit einem mehr Wort- als geistreichen Dialog über den Begriff, mit dem er begonnen.
Die Aufführung selbst, um die sich das ganze Schauspiel- personal mit großem Eifer bemühte, vermochte an dem „Erfolge" nichts zu ändern und der Beifall galt (hoffentlich!) nur den Spielern und dem Bekanntsein des Verfassers, nicht dem Stück selbst. Zu bedauern bleibt, daß eine in vielem gelungene Spielzeit mit derartigem beschlossen wurde. Daran vermochte auch der als „Vorspeise" dargcbotene Einakter nichts mehr zu verbessern. kv.
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clis Partei Äsr ssckiicken Vst, nickt aer diiiisen Pforte
Gemeinde Dirkenfeld.
Die Abstimmungszeit bei der am Sonntag den 24. ds. Mts. statlsindenden
Landlagswahl
dauert von vormittags 8 Uhr bis nachmittags 5 Uhr.
Die Abgrenzung der Stimmbezirke und die Abstimmungsräume sind dieselben wie bei den oorangegangenen Wahlen.
Bürgermeisteramt: Neuhaus.
l-ll N.S.V.A.V. I-ll
I Ortsgruppe Neuenbürg, 8
Heule Mittwoch abend 8 Uhr im Gasthof z. „Bären"
Redner: Pg. Hittmann aus Breslau.
Thema. Um was geht es bei der Landtagswahl?
Eintritt 20 Pfg, Erwerbslose frei.
April
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Wichtige Tagesnotiz:
Die Uebermittelung der Bezugsbestellung auf den „Enztäler" für Mai ist
heute notwendig,
denn für alle nach dem 23. eines Monats eingehenden Zeitungsbestellungen berechnet die Post eine Sondergebühr.
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