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Dieselbe habe die Zusicherung erhalten, daß ihr eventuell im nächsten Sommer ein Zusammentreffen mit ihren Kindern gestattet werden soll. Auch sei fie bei ihrer Abreise keineswegs in einer Stimmung gewesen, die auf Lebens-Ueberdruß hätte schließen lassen. Im Gegenteil sei ihre GemütS-Verfaffung ersichtlich eine bessere und zuversichtlichere gewesen als bei ihrer Ankunft in Leipzig.

Berlin. Soviel Veränderungen auch im Lauf der Jahre im Hoshalt des Kaiserpaars vorgekommen find, an der Ueberlieferung, daß am Weihnachtsfest jedes Familienmitglied seinen eigenen Tannenbaum erhält, wird festgehalten. Ein rechtes Familienfest ist Weihnachten im Kaiserhaus. Keinerlei Einladungen ergehen zum heiligen Abend, nur die Angehörigen sind anwesend und der stets in der nächsten Um­gebung des kaiserlichen Paars befindlicheDienst". Im Muschelsaol glänzen die lichterbesäten Tannen aus märkischer Erde, dem Wildpark entsprossen. Unter jeder Tanne liegen die Geschenke, mit liebe­voller Sorgfalt dem Bedürfnis des einzelnen ange­paßt. Auch dem Prinzen Adalbert, der fern in Indien das Weihnachtsfest begeht, ist der Weth- nachtsbaum an heimischer Stätte angezündet worden. Die Geschenke des Kaiserpaars an die Kinder be­finden sich in den Rahmen eines wohlhabenden aber nicht luxuriösen Hauses. Vielfach werden Gebranchs- gegeustände einfacher Art gespendet. Soviel darf verraten werden: in manchem Hause des vornehmen Westens erhalten die Verwöhnten glanzvollere Ge­schenke als in der kaiserlichen Familie. Ueber den Verlauf der Weihnachtsfeier am Hofe geht dem Lokalanzeiger folgender Bericht zu: Um 4 Uhr ver­sammelte sich die kaiserliche Familie mit ihrem Ge­folge im Jaspissaal zur Mittagstafel, an die sich unmiitelbar die Bescherung anschloß Den Damen und Herren des Gefolges wurde unter einer mäch­tigen Tanne beschert. Nach Aufhebung der Tafel begab sich das Kaiserpaar in den Muschelsaal, um selbst nach dem Rechten zu sehen. Dann gab der Kaiser das Zeichen zum Oeffnen der breiten Flügel­türen. Unter Orgelklang betraten die Prinzen, die Prinzessin und das Gefolge den im hellsten Kerzen­glanze strahlenden Saal. Der Kaiser geleitete jedes seiner Kinder an seinen Platz und überreichte dann gemeinschaftlich mit seiner Gemahlin den Damen und Herren ihres Dienstes die für diese bestimmten Geschenke. Bald war die froheste Weihnachtsstim­mung in demKreis der kaiserlichen Familie ein­gekehrt. Am Vormittag hatte der Kaiser, nach­dem er einige Vorträge gehört, in Begleitung des Prinzen Eitel Friedrich und des Generaladjutanten von Löwenfeld einen Spaziergang im Park von

Sanssouci unternommen. Den im Park tätigen Gartcnarbeitern bereitete er eine Weihnachtsüber­raschung durch Ueberreichung einer blinkenden frisch geprägten Silbermünze. Kurz vor 1 Uhr kehrte er in das Schloß zurück und fuhr in seinem Schimmel­gespann in die Kaserne des 1. Garderegiments, um an der Bescherungsfeier der Leibkompagnie und der 2. Kompagnie teilzunehmen.

Berlin. General Trotha sendet günstige Nachrichten. Er meldet vom 23. Dezember aus Windhuk: Von der Abteilung Kleist griff Ober­leutnant Ritter mit der zweiten Kompagnie und einer halben Batterie am 21. Dez. die aufständischen Nordbethanier, Kamadams und Witbois überraschend an und zersprengte den 150200 Mann starken Feind, der in verschanzter Stellung am Kubub süd­lich von Ans (120 km östlich von Lüderitzbucht, in der Mitte zwischen Bethanien und Lüderitzbucht) hartnäckigen Widerstand leistete, nach lOstündigem Gefecht vollständig. 12 beladene Ochsenwagen, 50 Pferde, gegen 1000 Stück Großvieh und mehrere 1000 StückKleinvieh, mehrere Gewehre, scwie zahl­reiche Munition wurden erbeutet und 10 tote Hotten­totten gefunden. Nach einer Meldung Lengerkes sind die Veldschoendrager, die am 15. bei Koes geschlagen und nach allen Richtungen zersprengt wurden, mit dem Hauptteil in südlicher Richtung nach den Karasbergen panikartig emflohen. Die Ver­folgung wurde am 18. ds. abends abgebrochen. Der Feind verlor beim Gefecht und bei der Ver­folgung insgesamt 54 Tote, 45 Gewehre und viel Munition. Erbeutet wurden 500 Stück Großvieh, 50 Pferde und Esel und etwa 3000 Stück Kleinvieh.

Kiel, 27. Dez. Der Dreimastschooner Hebron", welcher seit dem 20. November vermißt wurde, ist auf der Fahrt von Norwegen nach der Ostsee mit der ganzen Besatzung untergegangen. Wrackstücke wurden an die Küste getrieben.

St. Petersburg, 27. Dez. Ein Erlaß des Kaisers an den Senat über einen Entwurf zur Vervollkommnung der Staatsordnung besagt: Bet unabänderlicher Wahrung der Unerschütterlichkeit der Reichsgrundgesetze soll an eine Aenderung, wo­für das Bedü fnis gereift ist, zur Befriedigung der Bedürfnisse des Volkes herangetreten werden. Die erste Sorge des Kaisers bildet die allerbeste Ord­nung des Daseins des Bauernstandes. Hierüber fanden bereits eingehende Beratungen ausgewählter höchster Verwaltungspersonen statt. Der Kaiser befahl, daß diese Arbeiten und Gesetze für dm Bauernstand mit der allgemeinen Retchsgesetzgebung in Einklang zu bringen sind zur dauernden Sicher­

heit dieses Standes und der vollberechtigten freien Landbürger.

Paris, 27. Dez. Der Petersburger Korre­spondent desEcho de Paris" berichtet, er habe nunmehr die Gewißheit gewonnen, daß Rußland ungeheure Anstrengungen in der Mandschurei in die Wege leitet. Der Eisenbahnminister und der Mini­ster der öffentlichen Bauten beraten Mittel und Wege, Truppen und Proviant auf dem Wasserwege in die Mandschurei zu befördern. Kuropatkin wird 600000 Monn erhalten, deren Basis zwischen Wladiwostok und Charbin sein wird, wo ungeheure Vorräte an Lebensmittel und Kriegsmmerial auf­gestapelt werden. Die Gesamtzahl der russischen Strcitkcäfte soll nötigenfalls auf 800000 erhöht werden. Der russische Kriegsplan besteht darin, die rechte Flanke der Japaner mit einer ungeheuren Uebermacht zu umgehen. Die Russen werden Militär- bahncn onlegen, welche sie bei ihrem weiteren Vor­rücken befestigen werden. Im jüngsten Ministerrat welcher in Zarskoje Selo stattfand wurde beschlossen, auf keinen Fall zurückzugehen, um den Krieg im Laufe des Sommers zu beenden.

London, 27. Dez. Eine Sonderausgabe des Sunday Spezial berichtet aus Tokio, daß seit vorgestern von dem 203 Meter-Hügel und den beiden südlich davon liegenden Hügeln, welche in den letzten Tagen verstärkt wurden, die Beschießung der Europäcrstadt von Port Arthur wieder begonnen hat.

London, 27. Dez. Nach Meldungen von der japanischen Armee vor Port Arthur, welche über Tschifu hierher gelangt sind, wurde der ja­panische General Nogi bet einem der Kämpfe um den 203 Meter-Hügel schwer verwundet.

London, 27. Dez. Die Daily Mail meldet aus Tokio, daß die Japaner drei wichtige Positionen, welche bisher das Elnschmuggeln von militärischen Vorräten außerordentlich be­günstigten, erstürmt und genommen haben. Es wird jetzt den Japanern leicht fallen, das Ein­schmuggeln von Vorräten für die belagerte Garnison zu verhindern.

Hteklameteil.

Ein fabelhaft billiges Getränk liefern Mest­ur er's Teespitzen. Ein Päckchen L 15 Pfg. ist ausreichend für reichlich 16 Tassen feinen, wohl­schmeckenden TeeS. Meßmer's Teespitzen, durch ihre Billigkeit jedem Haushalte zugänglich, sollen zur Hebung des Teeconsums beitragen.

Schönbronn.

Langholz-Verkauf.

Im Submissionsweg kommt aus dem Gemeindewald Mädig zum Verkauf in zwei Loos:

1 Los Tannen I.V. Klasse, 60 Stück, mit 61 Fm.,

2 Los Forchen I.V. Klaffe, 241 Stück, mit 166 Fm.

Die Eröffnung der Offerte findet am Mittwoch, der» 4. Januar 1905, nachmittags S Uhr, auf dem Rat­haus statt, wozu die Submittenten etn- geladen werden.

Auszüge können vom Waldmeisteramt bezogen werden. Bedingungen sind auf dem Rathaus aufgelegt.

Gemeinderat.

Calw.

Danksagung.

^1. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme, welche wir beim Htnscheiden un- seres Vaters

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Straßenwärters,

erfahren durften, dem Hrn. Stadt­pfarrer für die trostreiche Rede am Grabe, sowie für dis Begleitung zu seiner letzten Ruhestätte sagt innigen Dank

im Namen der Hinterbliebenen:

Katharine Hauser,

geb. Naschold.

5par- und Vorschuhbank ilaliv.

Unsere Casse ist am 31. Dezember von 3 Uhr an geschlossen.

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Prima Malzkeime,

helle Ware, sind eingctroffen, ebenso Thomasmehl 18°/«ig.

Der Vorstand:

Fr. Gärtner.

Rechtskräftiger

Vollstreckungstitel

gegen den Herrn Carl Busch in Hirsau, Kurhaus Waldlust, mit Nach­laß zu verkaufen.

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