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Straßburg, 14. Juni. Wie dis „Str. Post" erfährt, soll der Reichskanzler v. Bethmann-Holl- weg vor kurzem den Kaiser gebeten haben, ihn aus seiner Stellung zu entlassen. Als Quelle dieser vorläufig als Gerücht auftretenden Meldung wird der Leiter einer unserer größten industriellen Unternehmungen in Berlin genannt, der vom Kaiser persönlich hoch geschätzt wird. Aus Erkundigung an maßgebender Stelle wird zwar versichert, daß die Nachricht nicht stimmen könne. Man wird ihre Verbreitung von gut unterrichteter Seite mindestens als ein Sympton für tiefer liegende Vorgänge und Stimmungen betrachten dürfen.
Berlin, 13. Juni. Der deutsche Botschafter in Konstantinopel, Freiherr von Marschall, hat gestern abend Berlin wieder verlassen und sich auf seine badische Besitzung zurückbegeben, wo er zunächst einen Teil seines Sommerurlaubs zu verbringen gedenkt. Er war telegraphisch nach Berlin berufen worden und hat hier mit dem Reichskanzler verschiedene Unterredungen gebabt, deren Gegenstand die jüngsten Vorgänge im Orient bildeten. Gestern war er zur kaiserlichen Frühstückstafel geladen und abends beim Reichskanzler.
Berlin, 13. Juni. Der Kaiser hat dem Erbgroßherzog von Mecklenburg in Anerkennung der mit eigener Lebensgefahr unternommenen Rettung der Frau Gcoßherzogin Marie von Mecklenburg-Schwerin die preußische Rettungsmedaille am Bande verliehen. Am 14. Mai ds. Js. wollten die Großherzogin Marie und ihr Enkelsohn, der Erbgroßherzoz von Oldenburg, eine Ruderfahrt auf dem großen Schwerinsee unternehmen. Beim Besteigen des Bootes fiel die Großhsrzogin ins Wasser. Der Erbgroßherzog sprang ihr in das tiefe Wasser nach und rettete seine Großmutter aus Lebensgefahr.
Berlin, 13. Juni. Der Großherzog von Sachsen-Weimar genehmigte die Abhaltung einer Protestversammlung gegen die Borromäus- Enzyklika aus der Wartburg.
München, 14. Juni. Die liberale Landtagsfraktion hat aus Anlaß der Borromäus - Enzyklika in der Kammer der Abgeordneten folgende Interpellation eingebracht: Die Unterzeichneten ersuchen die Staatsregierung, den schweren Beleidigungen, die den Protestanien des Königreichs Bayern, sowie allen evangelischen Glaubensgenossen durch die Borromäus - Enzyklika zugefügt wurden, entgegenzutreten.
Köln, 13. Juni. Der nationalliberale Parteitag der Rheinprovinz, der gestern in Krefeld gehalten wurde, nahm zu der Borromäus - Enzyklika einen Beschlußantrag an, in dem es heißt, daß ein gedeihliches Zusammenleben aller Bürger nur auf dem Standpunkt voller Gleichberechtigung und gegenseitiger Duldung der verschiedenen Konfessionen möglich sei; die Enzyklika habe dagegen den konfessionellen Frieden in schroffster Weise gestört. Man erwarte von der Staatsregierung, daß sie vom päpstlichen Stuhl eine ausreichende Genugtuung fordern werde. — In zahlreichen Kirchen Westdeutschlands wurde am gestrigen Sonntag ein Protest gegen die Enzyklika von den Kanzeln verlesen.
Frankfurt, 14. Juni. Die Entrüstung über die Borromäus-Enzyklika hat auch hier kräftigen Ausdruck gefunden. Schon am Sonntag wurde in allen evangelischen Kirchen der Stadt der päpstliche Vorstoß gegen den Protestantismus von der Kanzel herab beleuchtet und auf gestern abend hatte der Zweigverein des Evangelischen Bundes eine öffentliche Versammlung in den großen Saal des Kaufmännischen Vereins einberufen. Der Andrang war so gewaltig, daß noch eine zweite Versammlung in der Paulskirche veranstaltet werden mußte, die ebenfalls bis auf den letzten Platz gefüllt war. In beiden Versammlungen besprachen evangelische Geist
liche die Enzyklika im Lichte der religiösen Wahrheit, der Duldung und des Nationalgefühls und lösten mit ihren Reden brausende Begeisterung aus. Ein altkatholischer Redner schloß sich ihnen unter lebhaftem Beifall an und einmütig wurde eine Resolution angenommen. Die Versammlung schloß weihevoll mit dem Gesang des Lutherlieds.
Bamberg, 14. Juni. Das Amtsblatt der Erzdiözese Bamberg veröffentlicht heute den vollen lateinischen Wortlaut der Enzyklika.
Berlin. 14. Juni. Der Papst hat die deutschen Bischöfe angewiesen., die Borromäus-Enzyklika nicht von den Kanzeln verkündigen zu lassen. Die preußische Regierung wird sich hierdurch für befriedigt erklären.
Friedberg, 14. Juni. Nach dem vorläufigen Resultat wurden bei der heutigen Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Friedberg-Büdingen abgegeben für Professor v. Calker (natl.) 4379 Stimmen, für v. Helmolt (B. d. L.) 6310 und für Busold (Soz.) 9419 Stimmen. Es erfolgt somit Stichwahl zwischen Busolt und Helmolt. Es stehen noch die Resultate von drei kleineren Orten aus, die aber an dem Ergebnis nichts ändern werden.
Berlin, 13. Juni. Die Vorexpedition nach Spitzbergen, die die Aufgabe hat, die Möglichkeit einer späteren arktischen Expedition mit 2-Luft- schiffen festzustellen, wird am 2. Juli Kiel mit dem norddeutschen Lloyddampfer Mainz verlassen. In Spitzbergen liegt der kleine hölzerne norwegische Eisdampfer Phönix zu Vorstößen in die Eisregion bereit. An dieser Vorexpedition nehmen teil Prinz Heinrich, Graf Zeppelin, die Geheimräte Hergesell, Friedländer-Fulda, Lehwald und Miethe, die Professoren v. Drygalski und Reiß und Graf Zedlitz.
Wien, 14. Juni. Oberleutnant Hofrichter hat sein in der Untersuchung abgelegtes Geständnis vor dem Kriegsgericht widerrufen und konnte somit nicht zum Tode verurteilt werden. Das Kriegsgericht verurteilte ihn zu 20 Jahren schweren Kerkers. Das Urteil dürfte vom Militärobergericht bestätigt werden.
Das seinerzeit vom Dampfer „Pas de Calais" durch Ueberfahren zum Sinken gebrachte französische Unterseeboot „Pluviose" ist nunmehr gehoben und im Hafen von Calais geborgen worden. Am Samstag früh wurde aus der „Pluviose" die erste Leiche herausgeschafft, es war die des Untersteuermannes Lebreton; im Laufe des Samstags wurde dann noch die Leiche des Schiffsfähnrichs Engel geborgen. Am Sonntag wurden noch zwei weitere Tote zu Tage gefördert. Das Leck der „Pluviose" konnte noch nicht untersucht werden, da der Hinterteil des Schiffes tiefer im Wasser lag. Der Admiral Ballue, dessen Energie das schwierige Werk der Bergung der „Pluviose" zustandebrachte, wurde vom Marineminister telegraphisch beglückwünscht. Die Mannschaften, die sich bei den Bergungsarbeiten besonders hervortaten, erhielten Beförderungen und Auszeichnungen.
Willemstad (Curacao), 14. Juni. Der Re- gierungsschooner „van Herant" ist gestrandet. Der Kapitän, die Mannschaft und alle Passagiere bis auf fünf sind ertrunken. Unter den Ertrunkenen befindet sich auch der Gouverneur von Buenos Aires.
New-Aork, 14. Juni. Der Aviatiker Hamilton stieg um 6.10 Uhr gestern abend wieder aus und landete 6.41 Uhr auf Governors Island. Er hat damit den Preis von 10 000 Dollars ge-. Wonnen, welcher von der „New-Aork Times" ausgesetzt war.
Indianapolis, 14. Juni. Der Aviatiker Walter Brookins stieg gestern hier mit einem Wrightschen Zweidecker auf. Er hat eine Höhe von 4384 Fuß erreicht und damit einen neuen Welt- höhenrekord geschaffen.
Unwetter-Katastrophen.
Ahrweiher (Rheinprovinz), 13. Juni. Heute nacht hat ein Wolkenbruch Antweiler (a. d. Ahr) und das ganze Ahrtal überschwemmt. Viele Brücken wurden fortgenommen, Häuser weggerissen; Menschen und Tiere sind ertrunken. Bahnbaubaracken wurden fortgeschwemmt und gewaltige Mengen Holz abgetrieben. Die Felder- und Weinberganlagen sind verwüstet. Das Hochwasser im Ahrtal nimmt ungeheure Ausdehnung an. Die Verwüstungen sind sehr schwer. 11 Steinbrücken für Fußgänger sind ein ge stürzt. Zwischen Remagen und Neuenahr gleicht das Tal einem ungeheuren See. In Schuld sind mehrere Häuser forgeschwemmt worden. Der Fuhrpfad in Neuenahr ist überschwemmt. Die Ahrbahnstrecke von Walporzheim talaufwärts bis Dümpelfeld ist bis heute früh 7 Uhr an mehreren Stellen unfahrbar. Die Aufrechterhaltung des Betriebs ist zur Zeit noch zwischen Remagen und Walporzheim möglich. Der Schaden wird bis jetzt auf ^4 Million geschätzt. Schwere Regengüsse fallen beständig, Telephon und Telegraph sind zerstört. Die Provinziallandstraße im Ahrtal ist nicht mehr gangbar. Sie steht an vielen Stellen bis 1 Meter unter Wasser. Der Kurpark in Neuenahr ist ebenfalls überschwemmt. An der Oberahr von Walporzheim bis Kreuzberg sind alle Bahndämme weggerissen. Die Eisenbahn wird erst in 8 Tagen oberhalb Ahrweiher fahren können. Regierungspräsident Heevel Koblenz ist in dem Ueberschwemmungsgebiet eingetroffen. Militär ist jetzt in Automobilen aus, um den Leuten Nahrungsmittel zu bringen. Bis jetzt ist in Dernau, Heimersheim und Mayschloß je eine Leiche von der Ahr an Land gespült worden.
Ahrweiler, 14. Juni. Bei dem Unglück im Ahrtal sind eine große Anzahl Menschen ums Leben gekommen. Eine Kantine mit italienischen Arbeitern wurde weggeschwemmt. Für den Verbleib der Leute hat man keine festen Anhaltspunkte. Etwa 15 von ihnen sind als Leichen geländet worden. Weiter sind etwa 8 Leichen von Kindern und Erwachsenen aus der Gegend des Unwetters angeschwemmt worden. Es werden 87 Personen vermißt; doch ist nicht ausgeschlossen, daß sich verschiedene wieder einfinden werden. Die angetriebenen Leichen sind ganz nackt, da die Leute im Schlaf von dem Unwetter überrascht wurden. Weiter wiesen sie starke Wunden auf. In Altenahr sind bis jetzt 34 Leichen geländet. Das Wasser ist gestern gegen Abend um weitere 2 Meter gefallen. Die Gewalt des Wassers war so stark, daß im Tunnel von Altenahr, durch den das Wasser sich einen Weg bahnte, eine Schlucht von etwa 20 Meter Tiefe in den Boden gerissen wurde. Pioniere und Infanterie sind bereits tätig, um die eingestürzten Brücken, etwa 20, durch Notbrücken zu ersetzen.
Adenau, 14. Juni. Durch die Unwetterkatastrophe im Ahrtal sind, wie von bestunterrichteter Seite versichert wird, im Kreis Adenau allein gegen 50 Personen ums Leben gekommen. Der mittlere Ortsteil stand ganz unter Wasser und zwar bis zum ersten Stockwerk. Die Arbeiten beim Bahnbau Remagen—Lissendorf sind fast vollständig zerstört, und damit ist die Arbeit von sechs Monaten vernichtet. Der Materialschaden ist nicht zu übersehen.
Antweiler a. d. Ahr, 14. Juni. Durch das Hochwasser wurden bei Fuchshofen und bei Müsch die Baracken zerstört. Aus der elfteren retteten sich nur vier, während vermutlich 76 umgekommen sind. Aus der letzteren sind nur zwei gerettet und 26 werden vermißt. Hier wurden 20, in Schuld 5, in Altenahr 10, in Dernau 8 Leichen geländet. Die alte Brücke in Resch ist nicht eingestürzt, wie gemeldet worden, sondern hat auch diesmal der Gewalt des Hochwassers widerstanden.
Schuld i. Rheinland, 14. Juni. Gestern nachmittag waren 49 Tote angespült. Aus den Listen
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