Cannstatt, 5. Juli. Gestern entstand in der chemischen Fabrik Edelweiß von Baptist und Erste hier Feuer, da sich eine defekte große Flasche Wein­sprit an einem Gaskocher entzündete. Das Feuer, das an leicht brennbaren Stoffen reichliche Nahrung fand, war dank dem energischen Eingreifen der Feuerwehr III bald gelöscht. Der eine Fabrik­inhaber zog sich schwere Brandwunden im Gesicht und am rechten Unterarm zu. Die Feuerwehr legte ihm einen Notverband an. Der zweite Inhaber rettete sich durch einen Sprung aus dem 1. Stock in den danebenliegenden Garten, da ihm der Weg über die Treppe durch die Flammen abgeschnitten war.

Schramberg, 4. Juli. Es hat nun eine Neuwahl stattzufinden, und das erweiterte Wahl­komitee Harrers hat bereits beschlossen, den Kamps für Harrer, der auf Ersuchen seines Komitees sich bereit erklärt hat, die Kandidatur nochmals zu über­nehmen, weiterzuführen. Es soll diesmal mit allen Kräften gearbeitet werden, um für Harrer diejenige Stimmenzahl ("/s) zu erreichen, die für seine Be­stätigung notwendig ist.

Meimsheim, 2. Juli. In der Nacht vom 30. Juni auf I. Juli wurde in der hiesigen Klein­kinderschule eingebrochen. Der Dieb hatte es auf die Kasse abgesehen. In dieser waren die Gelder der Kinder für eine Schulphotographie mit gegen 18 Mk., welche der Eindringling sich auch aneignete.

Besen seid, 5. Juli. Gestern nachmittag um 6 Uhr ist das Wohn- und Oekonomie-Gebäude, sowie das Nebengebäude des Gutsbesitzers Hermann Armbruster niedergebrannt. Das Vieh und ein Teil der Fahrnis konnte gerettet werden. Die Ent- ftehungsursache ist unbekannt.

Vom Bodensee, 4. Juli. Der deutsche Kronprinz hat unter dem Namen eines Grafen von Ravensburg die große Gemeindejagd von Hopf­reben im Bregenzer Wald gepachtet. Die Familie des Kronprinzen wird demnächst zu längerem Auf­enthalt dort eintreffen.

Kus «staSt» BeZtnk und Umgebung

Neuenbürg, 6. Juli. Der gestrige Sonntag brachte wieder viel Leben in unser Städtchen; fand doch die Landesversammlung der Volkspartei, gleichzeitig auch das Bezirksfest der ev. Jüng­lingsvereine des nördl. Schwarzwalds hier statt. Fast drohte dem unter freiem Himmel auf dem Maienplatz anberaumtenSommerfest der Volks­partei" eine Ungunst der Witterung, da der Himmel in den Morgenstunden wider Erwarten bewölkt war und es gegen 10 Uhr leicht zu regnen begann. Doch schon um Mittag stellte sich wieder das alte, in den letzten 10 Tagen gewohnte heitere Wetter ein. Die Häuser der Stadt waren wieder festlich herausgeputzt und beflaggt. Ehrenpforten und Guirlanden be­grüßten die zahlreichen Gäste beim Einzug in unsere Stadt imGrund der Tannen." Nach dem Empfang der Gäste auf dem Bahnhof und einem Spaziergang durch das Schloßwäldchen wurde in verschiedenen Gasthäusern Mittag gemacht, während die Festmusik, Welche aus der durch auswärtige Kräfte unterstützten

Feuerwehrkapelle bestand, auf dem Marktplatz kon­zertierte. Kurz vor 2 Uhr ging es unter Voran­tritt dieser Kapelle zum herrlich gelegenen, schattigen Maienplatz. Um 2 Uhr läuteten die Glocken der Stadtkirche zum Gottesdienst anläßlich des Bezirks- feftes der ev. Jünglingsvereine. lieber beide Ver­anstaltungen des näheren zu berichten, reicht bis zur Ausgabe des heutigen Blattes weder Zeit noch Raum. Es soll deshalb Weiteres in den nächsten Blättern folgen.

):( Neuenbürg, 6. Juli. Bei der kürzlich auf dem hiesigen Friedhof vorgenommenen Ausgrabung der Mutter des Metzgermeisters Link wurden zwei Haarknäuel der Verstorbenen gefunden, die sich um die Ohrringe gebildet hatten. Dieselben sind noch sehr gut erhalten und je mit 3 Granatsteinen besetzt und dienen jetzt als treues Andenken.

Calw, 4. Juli. Am Jakobifeiertag findet hier eine Gauversammlung von Lehrern des Ober­amtsbezirks Calw, Nagold, Neuenbürg und Leonberg statt, wobei das Ausschußmitglied des württ. evang. Volksschullehrervereins, Oberlehrer Wacker in Böb­lingen über die Volksschulnovelle sprechen wird.

Vom Calwer Wald. Der Junikäfer (Brachkäfer) tritt in großen Mengen zu Schaden in Gärten und Baumanlagen auf. Nicht nur das zitterige Zerfressen des Laubes ist seine Arbeit, es kann sogar beobachtet werden, daß er die Heran­wachsenden Aepfelchen selbst, namentlich zarterer Sorten meist 34 Käfer an einem zernagt.

vermischtes.

Ein neuer Automobiltyp ist das sechs- räderige Automobil, die letzte Neuerung, vielleicht eine Umwälzung auf dem Gebiet des Automobil­sports. Die Vorteile, die dieses fünfte und sechste Rad am Wagen bieten, sind mannigfaltig. In erster Linie wird die Stabilität und Tragkraft des Wagens bedeutend verstärkt. Die Lenkbarkeit ist eine wesentlich leichtere. Da beim Steuern die vorderen und Hinteren Räder in Aktion treten, wäh­rend nur die mittleren ihre Stellung beibehalten, kann der sechsrädrige Wagen einen derartig kleinen Kreis beschreiben, wie es einem vierrädrigen Wagen nur bei halber Wagenlänge möglich wäre. Die Reifen und Federn werden bedeutend geschont. Der Wagen hat einen äußerst ruhigen Gang.

Des Wanderburschen Glück. Vom Kron­prinzen erzählt dieKieler Zeitung" eine kleine Geschichte, die wahr sein soll. Danach traf der Kronprinz am Freitag, als er mit seinem Automobil nach Plön fuhr, bei Preetz einen müden, durch den Staub der Landstraße ziehenden Wanderburschen, dem man die Strapazen derWalze" deutlich ansah. Ob der Wandersmann den Kaisersohn erkannt und begrüßt hat, oder ob sonst etwas die Veranlassung gewesen ist, genug: der Kronprinz lud den Bruder von der Landstraße ein, bei ihm im Auto Platz zu nehmen, das sie schnell nach Plön bringen werde. Unser Wanderbursche besteigt etwas zögernd das Automobil, und fort geht's. Ehe sich's der Hand­werksbursche versieht, ist er in Plön. Mit einigen

freundlichen Worten nimmt der Kronprinz von ihm Abschied und drückt ihm zuguterletzt zwei funkel­nagelneue 5-Markstücke in die Hand.

Sinekuren am Hofe König Eduards. König Eduard hat sich seit seiner Thronbesteigung persönlich als ein sparsamer Hausvater erwiesen, der alle Ausgaben, die nicht unbedingt durch repräsen­tative Pflichten bedingt sind, gerne vermeidet und so hat er auch, von rein praktischen Gesichtspunkten geleitet, in der Form der Hofhaltung allerlei Re­formen vorgenommen. Aber selbst der moderne Mensch, der in dem Britenkönig so lebendig ist, ist durch Verhältnisse gebunden, manche alte Tradition muß gewahrt werden, der Bruch würde von vielen mißdeutet werden und so bestehen denn auch heute noch am englischen Königshofe eine Reihe von Sine­kuren, die sich als wunderliche Ueberreste längst ver­gangener Zeit bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein gerettet haben. Der Graf von Denbigh z. B. ge­nießt nach einer französischen Revue noch heute die Ehren des obersten Küchenchefs der königlichen Fa­milie, und auf seinem Wappenschild prangt noch heute als stolzes Jnsignum seiner Würde ein Fleisch­stück mit zwei Tranchiermessern. Der Graf Mount Edgoumbe hat das Recht, den König bei der Tafel zu bedienen, der Marquis d'Abergavenny ist Mund­schenk, der Graf von Rothes ist Sandalenträger und der Marquis von Winchester Kopfputzträger, dessen Amt es einst war, die Perrücken des Königs zu tragen. Der Herzog von Newcastle hat das Recht den müden Arm des Königs zu stützen, wenn dieser das Szepter trägt, und die Bischöfe von Durham und Bath genießen das Vorrecht, den König tragen zu dürfen, wenn er bei irgend einer Zeremonie ohn­mächtig werden soll. Der Herzog von Cambridge ist der Wächter der Eichen des Hyed-Parkes und bezieht als solcher 400000 Mark im Jahr. Zudem besitzt er das Monopol für alle Stühle und Bänke. Sir John Fulleton, der Kapitän der königlichen Jacht, bezieht ein Stipendium von alljährlich 300 000 Mark und dieselbe Summe erhält auch der Erz­bischof von Canterbury für eine Pflicht, die ihm wohl schwerlich viel Zeit und Mühe raubt. Wenn der König es verlangt, so muß er dem König einen Teller Suppe bereiten. Aber das Verlangen nach diesem immerhin etwas teuren Genuß wird selten gestellt, und so zahlt denn die Hofhaltung die 300000 Mark pro Jahr lediglich für die Bereitschaft des Erzbischofs, gegebenen Falls diesen Teller Suppe herzustellen.

WMilM mif i>e«Eiiztäler"

für das LH. Quartal

werden nun von allen Postanstalten und Postboten, von der Expedition und von unseren Austrägerinnen entgegengenommen.

LW Die Postboten und Briefträger find ver­pflichtet, auch nach Beginn des Quartals Nachbestellungen auzunehmen.

Kmtlictz« Bekanntmachungen unS privat-klnzeigen.

K. Würrl. Staatseifenöahnen.

NkWlhtims ki»tt KchihvfmrWft.

Der Betrieb der Bahnhofwirtschaft auf dem Bahnhof Reuenbürg, mit der eine Wohnung nicht verbunden ist, wird vom 1. Oktober 1908 an auf unbestimmte Zeit unter den bei der Station Neuenbürg und der Generaldirektion aufgelegten Bedingungen neu vergeben. Pachtliebhaber wollen ihre mit Be- sähigungs- und Vermögenszeugnissen zu belegenden Angebote bis spätestens Samstag den 18. ds. Mts. schriftlich, verschlossen und mit der AufschriftBahnhoswirtschaft Neuenbürg" versehen bei der K. Generaldirektion der Staatseisenbahnen einreichen. Bewerber, deren persönliche Vorstellung gewünscht wird, werden besonders benachrichtigt.

Stuttgart, den 3. Juli 1908.

K. Generaldirektton der Staatseisenbahnen.

Zwangs-Dersteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das auf Markung Herrenalb belegene, im Grundbuch von Herrenalb, Heft 57 Abt. I Nr. 1 zur Zeit der Eintragung des Bersteigerungsvermerks auf den Namen von Elise Waldmann, ledig in Herrenalb, eingetragene Grundstück

Geb. Nr. 16 Wohnhaus, Ladenanbau und Hofraum am Klosterweg 3 u 08 qm

Schätzungswert 54000 ^

am Donnerstag den 27. August ds. Js.

vormittags SV- Uhr

auf dem Rathause in Herrenalb versteigert werden.

Der Versteigerungsvermerk ist am 19. März 1908 in das Grundbuch eingetragen.

Es ergeht die Aufforderung, Rechte, soweit sie zurzeit der Eintragung des Bersteigerungsvermerks aus dem Grundbuch nicht ersichtlich waren, spätestens im Versteigerungstermine vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten anzumelden und wenn der Gläubiger widerspricht, glaubhaft zu machen, widrigen­falls sie bei der Feststellung des geringsten Gebots nicht berück­sichtigt und bei der Verteilung des Bersteigerungserlöses dem Ansprüche des Gläubigers und den übrigen Rechten nachgesetzt werden.

Diejenigen, welche ein der Versteigerung entgegenstehendes Recht haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung des Zu­schlags die Aufhebung oder einstweilige Einstellung des Ver­fahrens herbeizuführen, widrigenfalls für das Recht der Ver­steigerungserlös an die Stelle des versteigerten Gegenstandes tritt.

Das Anwesen ist am Kreuzpunkt mehrerer sehr verkehrs­reicher Straßen gelegen: in demselben wird seit vielen Jahren ei« gemischtes Warengeschäft betrieben.

Herrenalb, den 3. Juli 1908.

Zwangsverfteigerrrugs-Kommissür:

Bezirksnotar Schweikert.

Formular- °°E- x

Alllehen,

welche vom Tage der Einlage ab mit 4°/'o verzinst werden, nimmt bis auf weiteres an (auch von Nichtmitgliedern)

Sewerbebank Neuenbürg,

G. m. u. H.

Neuenbürg.

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