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Fernsprecher Nr. 4.
^ 114 .
Neuenbürg, Montag den 23. Juli 1906
64. Jahrgang.
rturrSschau.
Bei der am Freitag vorgenommenen Reichs - tagsersatzwahl in Rinteln-Hofgeismar für den verstorbenen Grafen v. Reventlow (Antisemit) wurden bis 11 Uhr abends gezählt: für Herzog (Antif.) 6648, Rocke (natl.) 1377, Rührig (frs. Vp.) 1043, Helmerich (Ref.-P.) 1835 und Vetterlein (Soz.) 3907 Stimmen. Es hat also Stichwahl zwischen dem Antisemiten und dem Sozialdemokraten stattzufinden.
Die Taufe des am 4. ds. Mts. geborenen Sohnes des Kronprinzenpaares wird in der zweiten Hälfte des Monats August stattfinden.
Wie systematisch der Londoner Korrespondent der Zeitung „Pioneer" seine Hetze gegen Deutschland in Indien betreibt, kann man daraus ersehen, daß er die Kosten nicht gescheut hat, über eine Meldung des „Temps" ausführlich an den „Pioneer" zu telegraphieren, in welcher gesagt ist, Deutschland intrigiere in Tunis und an andern Orten. Dazu fällt ins Gewicht, daß eine telegraphische Meldung des Privatkorrespondenten des „Pioneer" etwas durchaus Ungewöhnliches ist. Der „Pioneer" kann es sich nicht versagen, die Meldung seines Korrespondenten in einem Leitartikel kurz zu besprechen, in dem gesagt wird, Deutschland habe es sich selbst zu verdanken, wenn es ans der ganzen Welt Mißtrauen errege. Danach scheint die deutsche Journalistenfahrt nach London wenig genützt zu haben.
Exkaiserin Eugenie hat nach einer Meldung des „Petit Parisienne" in Ischl dem Kaiser Franz Josef für das Wiener Staatsarchiv das Original eines vom Kaiser Franz Joses an Napoleon III. gerichteten Schreibens übergeben, in dem der österreichische Monarch eine Anfrage über Oesterreichs Verhalten in dem Kriege Frankreichs gegen Preußen beantwortet.
Paris, 21. Juli. Heute nachmittag wurde dem Major Dreyfus in der Militärschule das Ritterkreuz der Ehrenlegion feierlich überreicht.
London, 18. Juli. Während der englischen Flottenmanöver zeigte es sich, daß die Linienschiffe der Kanalflotte unter gleichen Verhältnissen einen ungemein verschiedenen Kohlenverbrauch hatten, ein Umstand, der für den Verlauf der Manöver von größter Wichtigkeit war. So verbrauchten innerhalb 24 Stunden bei gleicher Fahrt die Canopusklasse 129 Tonnen Kohlen, die weit größeren Schiffe des Ermouttyps 87 Tonnen, Triumph und Swiftsure, die eine Klasse für sich bilden, 66 Tonnen und Cäsar, der zur Majesticklasse gehört, nur 59 Tonnen. Hätte Admiral Wilson, der Führer der roten Flotte, bei der Insel Wight nicht wegen Kohlenmangels die Verfolgung der blauen Linienschiffe aufgeben und zur Kohlenergänzung nach Portland zurückkehren müssen, so wäre das Schicksal des blauen Gros besiegelt gewesen. Admiral Wilson hat seiner Unzufriedenheit mit dem Kohlenverbrauch der Schiffe durch folgendes Flaggensignal Ausdruck gegeben: „Der im Vergleich zu den Dampfleistungen der Schiffe überaus große und unverhältnismäßige Kohlenverbrauch zeigt, daß die Ingenieure nicht die genügende Aufmerksamkeit auf sparsames Heizen verwenden und sich der Wichtigkeit dieser Maßnahme nicht bewußt sind."
Verdeutschungen im Eisenbahnwesen. Der Allgemeine Deutsche Sprachverein hat folgende Verdeutschungen vorgeschlagen: Kurve — Krümmung, normalspurig — vollspurig, Viadukt — Talbrücke, Trasse — Linienführung, Ventilator — Entlüfter, Zirkulation — Luftumlauf, Revisionszug — Prüfungszug, Parzelle — Flurstück, Akkord — Stücklohn.
Berlin, 21. Juli. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: „Nach dem bedauerlichen Raubanfall gegen Frau Geheimrat Nölle bei Rathenow hat sich des Publikums und der Presse eine große Unruhe bemächtigt. Fast täglich werden neue Attentate ge
meldet. Zum Glück hat sich bei näherer Prüfung j ergeben, daß die meisten neueren Meldungen von Raubanfällen aus der Luft gegriffen oder mindestens stark übertrieben waren. Die mit großer Sicherheit gebrachte Nachricht von der Beraubung eines Reisenden in Westfalen hat sich als völlig unzutreffend erwiesen. Ebenso wird jetzt der räuberische Ueber- fall im Arnsberger Tunnel amtlich dementiert. Derartige falsche Gerüchte tragen natürlich nicht zur Beruhigung des Publikums bei, und es wäre sehr zu wünschen, daß vor ihrer Veröffentlichung erst ihre Richtigkeit durch eine Rückfrage bei der zuständigen Eisenbahndirektion festgestellt würde."
Wertvolle polnische Rittergüter sind in deutsche Hände gekommen, von Slaski verkaufte das Gut Jauth an die Gräfin Mycielsky aus Berlin und von Ossowsky das Gut Goryn an's den Gutsbesitzer Krauße aus Breslau. Der Gesamt-Flächeninhalt der beiden Güter beträgt 7000 Morgen.
Die Gewitterstürme vom Donnerstag haben in ganz Norddeutschland großen Schaden angerichtet. Durch Blitzschlag wurden viele Gebäude und Anwesen eingeüschert. Auch mehrere Personen wurden getötet.
Horburg, i. Elf., 18. Juli. Der König von Württemberg spendete einer Meldung des „Elf. Tagbl." zufolge zum Bau der hiesigen Kirche eine Beisteuer von 500 ^ mit der Bestimmung, daß dieses Geld für die Errichtung eines Altars benutzt werden soll. Der Sockel der früheren Kanzel, ein Meisterwerk der Steinhauerei, geziert mit schönen Figuren, soll auch in dem neuen Bau zu demselben Zweck Verwendung finden.
Auf der Zeil in Frankfurt soll wieder ein neuer Warenhauspalast entstehen. Der Inhaber des Warenhauses, Herr Wronker, hat mit dem Besitzer der Liegenschaften Zeit 33, 35 und 37, Kommerzienrat Winterheld-Miltenberg, eine Kommanditgesellschaft gegründet, die die Bebauung dieser Grundstücke mit einem modernen Warenhaus und dessen Betrieb zum Zweck hat. Der Neubau soll am 1. März 1908 dem Betrieb übergeben werden. Bebaut werden rund 3000 qm mit 80 Metern Front. Das Gebäude soll sechs Millionen Mark kosten.
Die neuerbaute Restauration der Südbahn- Haltestelle in Innsbruck ist eingestürzt. 12 Personen sind unter den Trümmern begraben worden. Vier konnten hervorgezogen werden, von denen zwei gefährlich verletzt waren.
In der Pariser Akademie der Wissenschaften hat der Professor Burchhard über Experimente berichtet, die er mit Röntgenstrahlen gemacht hat. Danach haben weiße Haare und weiße Bärte durch die Einwirkung dieser Strahlen ihre frühere Färbung wieder angenommen. So ist denn das ideale Färbemittel mit Hilfe der Wissenschaft erreicht und alle grau gewordenen Herren und Damen werden jubeln!
Riga, 21. Juli. Eine neue Bluttat der Revolutionäre ist zu verzeichnen. Baron Heinrich Campenhausen, der Besitzer des Gutes Tegasch in Livland, ein 60jähriger Mann, ist gestern nachmittag bei der Inspektion der Feldarbeiten durch Schüsse aus dem Hinterhalt ermordet worden. Die Täter entkamen.
Württemberg.
Stuttgart. Tagesordnung für die am Mittwoch den 1. August, vormittags 11 ^/s Uhr im Rathaussaal zu Geislingen a./Steige stattsindende Sitzung des Beirats der Verkehrsanstalten: 1) Eisenbahnsahrplan für den Winterdienst 1906/07, — 2) Beförderung von Milch in Kühlwagen, — 3) Mitteilung über Ausnahmetarife im Güterverkehr, — 4) Neuwahl des ständischen Ausschusses des Beirats.
Die württembergischen Staatseisenbahnen vereinnahmten im Monat Juni d. I. aus dem Personen- und Gepäckverkehr 2 457 000 aus dem
! Güterverkehr 3 252 000 aus sonstigen Quellen 405 000 demnach insgesamt 6114000
352 000 -/L mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahrs. Die Einnahmen aus dem Personenverkehr sind um 146 000 gestiegen, der Güterverkehr brachte eine Mehreinnahme von 206 000 ^
Stuttgart, 18. Juli. Die beiden Sonderzüge, welche im nächsten Monat von hier zur Mailänder Weltausstellung geführt werden, finden nicht blos ihrer Billigkeit wegen, sondern besonders auch deshalb großen Anklang, weil sie für alles (Quartier, Verpflegung, Fahrten und Führung) sorgen. Bereits sind 300 Teilnehmer angemeldet und noch ein paar Hundert in Aussicht. In mehreren Städten haben sich die Gewerbevereine der Sache angenommen. Außer Stuttgart sind besonders zahlreich vertreten: Sulz, Heilbronn, Kirchheim, Leut- kirch, Nürtingen, Göppingen, Tuttlingen, Hall, Rottenburg, aber auch Mannheim, Trier, Darmstadt, Straßburg u. s. w. Voraussichtlich wird die 2. Reise (24.—29. August) hin und zurück mit Sonderzug erfolgen können, was besonders für die Reisenden III. Kl. angenehm wäre und zugleich ermöglicht die Gotthardbahn bei Tag zu befahren. Der Meldetermin ist um 14 Tage verlängert. Näheres durch Prof. K. Miller, Stafflenbergstr. 54.
Stuttgart, 19. Juli. Trotz der regnerischen Witterung der letzten Wochen ist die Rebenblüte im Stuttgarter Tal durchweg günstig verlaufen und der Stand der Weinberge ein befriedigender, namentlich läßt die Haupttraube des Stuttgarter Tals, der Trollinger, nicht viel zu wünschen übrig. Da mit Spritzen frühzeitig begonnen wurde und jetzt in vielen Weinbergen vielfach sogar schon zum dritten Mal gespritzt wird, so sind die Reben mit ganz wenigen Ausnahmen überall gesund. Dagegen sieht man in den Baumgütern verschiedene Apfelsorten mit krankem Laub und abgefallenen Früchten.
Heilbronn, 20. Juli. Am lO. November wird der König aus Anlaß des hundertjährigen Jubiläums des 4. Württ. Infanterie-Regiments hierher kommen. Die bürgerl. Kollegien wollen ihn auch zur Besichtigung des Rathauses einladen.
Cannstatter Volkssest. lieber die Abhaltung des landwirtschaftlichen Hauptfestes in Cannstatt in diesem Jahre wird im Staatsanzeiger folgendes bekannt gemacht: Das landwirtschaftliche Hauptfest wird am Freitag, 28. September vormittags 1(0/r Uhr auf dem Wasen bei Cannstatt gehalten. Es findet statt eine Preisverteilung für Pferde, Rindvieh, Schafe, Ziegen und Schweine an württ. Züchter, ferner eine Vorführung von 6 dreijährigen Hengsten aus dem K. Landgestüt an der Hand und nachher von Hengsten am Traberwagen, weiter eine Vorführung von Remonten württ. und norddeutschen Ursprungs aus dem Remonte - Depot Breithülen und endlich ein Vorreiten von älteren Pferden der Kavallerie, sowie das Vorfahren eines bespannten Geschützes der Feldartillerie. Mit dem landwirtschaftlichen Hauptfest wird eine Ausstellung der prämierten Pferde und sämtlicher zur Preisbewerbung zugelassenen Rinder, Ziegen und Schweine, ferner eine Ausstellung von landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten, von Obst, Trauben und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen, sowie eine besondere Ausstellung für landwirtschaftliches Bauwesen verbunden werden. Die Bekanntmachung enthält noch die näheren Bestimmungen über die Preiszuerkennung und die Preisverteilung, die Bestimmungen für die Ausstellung u. s. w.
Reutlingen, 20. Juli. In der gestrigen Vollversammlung der Handwerkskammer, die im Beisein von Regierungsrat Dr. Bechtle als Kommissär der Kgl. Zentralstelle für Gewerbe und Handel stattsand, wurde als wichtigster Gegenstand der Tagesordnung die Bestellung gewerblicher Sachverständiger beraten. Diese Einrichtung ist zunächst geplant für die Amtsgerichtsbezirke Reut-