sie dies vorhersah, die beiden Bahnen nur ge­meinsam konzessioniert. Uebrigens ist es jetzt schon schade, daß man von Ettlingen nach Her- renalb keine normalspurige Bahn gebaut hat, da die jetzige Schmalspurbahn bald an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angekommen sein dürste. Der Minister verteidigte auch den Be­trieb der Privatbahnen im allgemeinen und meinte, erhebliche Unfälle habe es bei den badi­schen Privatbahnen noch nicht gegeben.

Deutsches Weich.

Das deutsche Zentralkomitee zur Errichtung von Heilstätten für Lungenkranke hat am Wtontage im Reichstage in Anwesenheit der Kaiserin seine Generalversammlung abgehalten. Nachdem der Vorsitzende, Graf Posadowsky, der Kaiserin für ihr Erscheinen gedankt hatte, legte er die Zwecke und Ziele des Kampfes gegen die verheerende Seuche dar, wies darauf hin, daß Deutschland in seinem Humanitären Streben be­reits Bundesgenossen gefunden habe, und sprach seine Freude darüber aus. daß sich ein Komitee für die Bekämpfung der Tuberkulose im Auslande gebildet habe, dessen Vertreter jetzt der Versamm­lung beiwohne. Dieser, Dr. Sersiron aus Paris, teilte hierauf mit, er sei im Aufträge des Pro­fessors Brouardel hergesandt, um zum Ausdrucke zu bringen, welches lebhafte Interesse in Frank­reich dem Kampfe gegen die Tuberkulose ent­gegengebracht werde. Aus dem Geschäftsbericht ist zu entnehmen, daß z. Zt. im deutschen Reiche 57 Volksheilstätten im Betriebe und 25 weitere im Bau sind und daß 21 Privat-Heilanstalten für Lungenkranke existieren.

Berlin, 16. April. DerLokalanzeiger" meldet: Die Feuerwache hat noch immer un­unterbrochen mit der Beseitigung des Wassers aus den bei dem vorgestrigen Unwetter über­schwemmten Räumen zu thun. Die städtische Straßenreinigung beschäftigte gestern 1600 Ar­beiter zur Abhilfe der Wassernot.

Das Unwetter in Berlin. Der Schaden, den das Unwetter am Montag angerichtet hat, beziffert sich auf mehrere Millionen Mark. Es sind nicht nur zahllose Keller und Erdgeschoß­räume überschwemmt und die in denselben auf­gespeicherten großen Warenvorräte verdorben oder beschädigt geworden, sondern auch höher gelegene Räume, in denen Fenster nicht ver­schlossen waren, sind arg mitgenommen worden. In vielen Wohnungen ist das Wasser von den Balkons aus eingedrungen, hat Teppiche, die Deckenverschalung, Möbel u. a. stark beschädigt. In einem Falle berechnet ein Mieter seinen Schaden aus über 6000 ^ Von welchem Um­fange die Ueberschwemmungen gewesen sind, kann daraus ersehen werden, daß neun Dampfspritzen dwr Berliner Feuerwehr nicht nur den ganzen Tag, sondern auch während der Nacht zum Dienstag und am Dienstag nur mit einer kurzen Unterbrechung zur Ablösung der total erschöpften Bedienung thätig gewesen sind. Die Leistung dieser Maschinen ist enorm, sie fördern zusammen 9000 Liter Wasser in der Sekunde. Bemerkens­wert ist noch, daß auch viele Brunnen durch das ^gedrungene Wasser unbenutzbar geworden sind. Die Wassersnot nimmt auch gegenwärtig noch d>e Hilfe der Feuerwehr und vieler Privatleute "s großem Umfange in Anspruch. Die Geschä­digten zählen nach Tausenden und sind größten­teils kleine Handwerker. Welche Wassermengen vom Himmel herabgekommen sind, ergeben fol­gende Zahlen: Es wurden in den 24 Stunden vom 13. morgens bis 14. morgens 8 Uhr nicht weniger als 67,4 wm Niederschlagshöhe gemessen, vw fast ausschließlich auf die letzten 5 Stunden entfielen, während für den ganzen Monat April em Niederschlag von 38,1 mm normal ist. Da der Regen noch den ganzen Vormittag hindurch anhielt, ist die gelegentlich des Gewitters nieder- gegangene Menge noch viel beträchtlicher. Die größte bisher in Berlin innerhalb 24 Stunden gemessene Niederschlagshöhe betrug am 18. Mai verteilte sich damals aber auf Yezu den ganzen Tag. Die größte in einer vo^Ä^-^reichte Niederschlagshöhe belief sich am

Jul. 1886 auf 31,5 mm, und am 6. Okt.

t 883 wurden meiner Viertelstunde sogar 16 ,« mm Niederschlag festgestellt.

Aus Baden, 13. April. Die Beamten und Arbeiter der badischen Staatsbahnen, die über die Jubiläumstage sehr angestrengt sein werden, feiern das Regierungsjubiläum des Großherzogs am 3. Mai in der Festhalle zu Karlsruhe durch ein Bankett, zu dem der Groß­herzog cingeladen wird. Im ganzen zählt die Staatsbahn etwa 7000 Beamte und etwa 12000 Arbeiter.

Oldenburg, 16. April. Oberamtsrichter Becker, der in letzter Zeit die Prozesse gegen den Inhaber der Oldenburgischen Vereinsbank Bruns leitete, wurde heute früh von Bruns junior in seiner Privatwohnung erschossen.

Von der Markgräflergegend, 14. April. In Bezug auf den Stand der Weinberge kann nur das Beste berichtet werden. 1901er geringere Sachen wurden bei den letzten Uebergängen mit Bewertungen von 1823 -/ki, bessere Lagen von 2532 -/ih 1900er von 4057 ^ und 1899er von 6070 ^ Pro Hektoliter bezahlt. Die in Dürkheim (Pfalz) und Umgegend stattfinden­den Weinversteigerungen scheinen im allgemeinen etwas Leben in das Wemeinkaufsgeschäft zu bringen, indem auf die bisherige Stille allenthalben Nachfrage nach älteren Weinen, insbesondere 1900er, herrscht, welcher Jahrgang bis zu 700 -/A hier und in den Nachbarorten gehandelt wird.

Vom Boden see, 16. April. In Meers­burg feierte der Weingärtner Stephan Gabele und seine Ehefrau Lucia geb. Uhrenbach das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Von Sr. K. Hoh. dem Großherzog erhielt das Jubelpaar 60 vom Erzbischof von Freiburg 20 von der Stadtgemeinde 50 Die ganze Ein­wohnerschaft nahm an der seltenen Feier teil.

Württemberg.

Stuttgart, 14. April. Am 25. ds. Mts. begibt sich der König, wie bereits mitgeteilt, nach Karlsruhe zum 50jährigen Regierungs­jubiläum des Großherzogs und wird später, einer Einladung des Herzogs Nikolaus folgend, sich zu mehrtägigem Jagdaufenthalt nach Schloß Karlsruhe in Schlesien begeben. Am 6. Mai soll das Hoflager nach Friedrichshafen verlegt werden.

Stuttgart, 17. April. Am nächsten Montag wird mit den Grabarbeiten zum Jn- terimstheater begonnen werden, nachdem die Vermessungsarbeiten noch in dieser Woche zu Ende geführt werden.

Stuttgart, 16. April. Die volkswirt­schaftliche Kommission der Kammer der Abge­ordneten beriet heute über verschiedene Eisenbahn­wünsche. Bezüglich des Projektes Mengen Friedrichshafen wurde Uebergabe an die Regier­ung zur Erwägung beschlossen; das Projekt GöppingenGmünd wurde als das dringendste und bauwürdigste angesehen; der Antrag des Berichterstatters ging auf Berücksichtigung; die Kommission behielt sich die endgiltige Beschluß­fassung vor, um auch die Ansicht der K. Regier­ung zu hören. Die Bitte verschiedener Gemein­den um Erbauung oder Subventionierung einer Nebenbahn nach Künzelsau im Anschluß an die Stichbahn JagstfeldNeuenstadt wurde der Re­gierung zur Erwägung übergeben; hinsichtlich des Gesuches um Weiterführung der Schmal­spurbahn SchussenriedBuchau nach Riedlingen beantragte der Berichterstatter Berücksichtigung; die Kommission will aber auch wegen dieses Projektes vorerst die Anschauung der Regierung kennen lernen.

Stuttgart, 17. April. Der Mörder der Botin Heim aus Birkach wurde gestern im Walde zwischen Weil und Nellingen erhängt aufgefunden.

Stuttgart, 15. April. Der gestrige erste Tag des Pferdemarktes war vom schönsten Wetter begünstigt und nahm bei starker Zufuhr und reger Kauflust einen recht lebhaften Ver­lauf. Die Zahl der zugetriebenen Tiere, dürfte die des vorjährigen Marktes nicht unerheblich übersteigen und auch das Verkaufsgeschäft, sowie die erzielten Preise waren, wie man aus Händlerkreisen hören konnte, durchaus zufrieden­stellend. Auch die Güte der Tiere weist gegen früher einen kleinen Fortschritt auf, namentlich war das schwere Zugpferd gut vertreten. Der König begab sich in einem 2spännigen Kut­

schierwagen, den er selbst lenkte, nach dem Pferdemarkt und der Reithalle und ließ sich verschiedene Tiere vorführen Außer einem Landauer von W. Diem-Heilbronn, den der König zu einem Hochzeitsgeschenk ankaufen ließ, ist in der Gewerbehalle auch ein auf Bestellung des Hofes von der hiesigen Firma O. Nägele gebauter 4sitziger Jagdomnibus ausgestellt, welcher zur Beförderung der Bebenhäuser Jagd­gäste bestimmt ist. Auf dem Hundemarkt ging das Verkaufsgeschäft ziemlich flau, obwohl eine große Zahl nicht übler Tiere zugeführt worden war.

Schramberg, 15. April. Bei der heutigen Stadtschultheißenwahl hat Amtmann Vollmar (Kandidat des Ztrs.) mit 6 Stimmen Mehrheit gesiegt.

In Ulm ist das Gebäude der Wannerschen Malzfabrik innen vollständig ausgebrannt.

Vaihingen a. E.,15. April. Letzten Sonn­tag wurden im Walde bei Schützingen eine An­zahl junger Wildschweine gesehen und gestern abend ungefähr 8 Uhr lief ein großes wohl 2 Zentner schweres Wildschwein, das von Leuten, die von der Bahn kamen, gesehen wurde, zwischen Station und Stadt Vaihingen über die Straße und hielt sich in dem dortigen Feld auf.

Horb, 16. April. Vergangene Nacht 11'/-Uhr wurde im hiesigen Oberamt eingebrochen. In dem Zimmer des Amtmanns warfen die Diebe (man spricht von 6 Mann) den dort befindlichen Geldschrank zum Fenster hinaus. Durch diesen Lärm erwachte der Oberamtmann Stiefenhofer und feuerte nach den Flüchtlingen. Trotz eifrigen Suchens seitens der Landjägermannschaft und der Polizei fehlt bis jetzt noch jede Spur der Einbrecher. (Oberamtm. Sttefenhofer war früher Amtm.- Verw. in Neuenbürg. Die Red.)

Vom Bezirk Waiblingen, 16. April. Ein wohl für weitere Kreise sehr interessantes Vorkommnis trug sich bei der im letzten Monat im hiesigen Bezirk stattgefundenen Musterung diesjähriger Militärpflichtiger zu. Hiebei kam der 11. Sohn des invalldierten Postboten Bay aus Rettersburg mr Vorstellung und wurde der junge Rekrut mit 1,81 Meter Größe zur Jn- fanierie vorgemustert. 9 seiner Brüder haben bereits im stehenden Heere gedient. Dieses ge­wiß seltene Vorkommnis der Einstellung von 10 Söhnen aus derselben Ehe in die Armee ist Sr. Maj. dem König zur Kenntnis gekommen. Der König hat dem in sehr bescheidenen Ver­hältnissen lebenden 75 Jahre alten Vater eine namhafte Geldgabe durch das K. Oberamt über­mitteln lassen.

Braunsbach, OA. Künzelsau, 15. April. Das Unwetter vom Sonntag hauste hier so stark, daß ein Teil unseres Fleckens ein Bild grauenhafter Verwüstung bietet, wie sich die ältesten Einwohner einer solchen auch nicht an­nähernd erinnern können. Infolge eines Wolken­bruches schwoll plötzlich der Orlacher Bach in solcher Stärke an, daß in kurzer Zeit das ganze Bett mit Steinen von riesigem Umfang, ganzen Bäumen, Geröll und Gestreich stellenweise weit über Straßenhöhe angefüllt war, so daß sich das Wasser auf der erst vorigen Herbst ge­walzten Straße ein neues Bett grub, direkt vor der Apotheke ein riesiges Loch entstand und die Strecke von hier hinab bis zum Kocher einen reißenden Strom bildete. Leute, die sich nicht beeilten, konnten nicht mehr zu den Ihrigen ge­langen und mußten vielfach in fremden Häusern bleiben; erst gegen Mitternacht fiel das Wasser langsam. Die schreckliche Zerstörung erinnert an die Katastrophe im Eyachthal.

Ausland.

In Belgien suchen die Sozialdemokraten das allgemeine und gleiche Wahlrecht zu erzwingen und zwar mit Steinwürfen und Revolverschüssen, ebenso aber auch durch eine allgemeine Arbeits­niederlegung. Wie berichtet, ist es in zahlreichen belgischen Städten schon zu förmlichen Straßen­kämpfen gekommen, wobei es Tote und Ver­wundete gegeben hat. Sogar der von emer Reise zurückkehrende König Leopold wurde vor dem Bahnhof von Sozialdemokraten insultiert. Die Sozialdemokraten haben zwar in Belgien das Wahlrecht, aber sie wollen es nicht dulden