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Wiederinstandsetzung der in Folge der lieber- schwemmungskatastrophe verursachten Beschädigungen an öffentl. Eigentum (Brücken, Stege, Dohlen. Zufahrtsstraßen) auf den Markungen Balingen, Frommern, Dürrwangen, Margrethausen. Den Vorsitz führte bei diesem Beratungsgegenstand Herr Reg-Präsident von Leibbrand und wurden sämtliche Positionen nach den unterbreiteten Anträgen gutgeheißen. Der sog. Amts- schaden ist hiedurch auf 114000 M. angewachsen, wovon 88 000 Mk, durch Umlage, der Rest durch ein Anlehen gedekt werden soll, die in Jahresraten zu tilgen sind.
Stuttgart, 19. Sept. Durchschnittspreis deS hiesigen Schlacht- und Biehhofes per Pfund Schlachtgewicht: Farren und Stiere 56—57 Rinder 65—68 Schweine 54— 57 Kälber 76—82
Stuttgart, 19. Septbr. Kartoffelmarkt am Leonhardsplatz. Zufuhr 800 Ztr., Preis per Zentner 2 -4L 70 ^ bis 3 viL — Z. — Krautmarkt am Marktplatz. Zufuhr 2500 Stück Filderkraut, 16 ^L — bis 22 ^L — ^ per 100 Stück.
Obstpreiszettel.
Stuttgart, 19. Sept. Zufuhr auf dem Wilhelmsplatz: 900 Zentner Mostobst zu 5 ^ ^ bis
5 ^L 40 ^ per Ztr.
» Ausland.
Die großen französ. Herb st Manöver auf dem Hochplateau von Langres sind nunmehr auch vorüber und die französische Presse stellt dieselben im allgemeinen zwar als im Erfolg großartig dar, ohne aber auf nähere Einzelheiten besonders hervorragender Gefechtsmomente einzugehen. — Ein französ. Journalist hat den russ. Generalstabschef Dragomirow, welcher diesen Manövern beiwohnte, interviewt und hätte gern pon ihm wenigstens eine Andeutung über das französisch-russische Bündnis ausgeforscht, aber auf die Frage des Journalisten, ob Dragomirow wirklich die Deutschen hasse, erwiderte dieser, er hasse niemand; wenn sein Kaiser ihn rufe, so gehorche er. Nun sind die Franzosen über das Bestehen oder Nichtbestehen eines französisch-russischen Bündnisses so klug wie zuvor. — Die in der sogen. Süd- bahnaffaire Angeklagten sind vom Schwurgericht freigesprochen worden und zwar aus dem von den Geschworenen selbst angegebenen Grunde, weil die eigentlichen Spitzbuben gar nicht vor Gericht gestellt seien. Letzterer schützt aber den französ. Justizminister selbst vor einer öffentlichen Anklage, weil andernfalls ein noch viel größerer Skandal aufkäme, als der Panamaskandal war. Es scheint also eine große Anzahl Deputierte, Senatoren, jetzige und frühere Minister sich bei der Konzessionierung und Subventionierung der Südbahn durch den Staat die Taschen reichlich gefüllt zu haben, so daß man wohl sagen kann, der Republikanismus und der Parlamentarismus ist diejenige Regierungsform. in welcher sich die größten Spitzbuben immer an die Spitze drängen, um sich auf Kosten der Gesamtheit in der schamlosesten Weise zu bereichern.
Madrid, 16. Sept. Gestern fanden hier 4 Säbelduelle zwischen 4 Redakteuren der Blätter „Pais" und „Nacion" statt. Die Mitarbeiter des letzteren Blattes wurden sämtlich verwundet. Die Zeugen, welche das Protokoll Unterzeichneten, sind von fremden Duellanten gefordert worden, so daß jetzt schon 60 Personen in die Duellaffaire verwickelt sind.
Anterhattender Ml.
Der schwarze Jakob.
Eine Dorfgeschichte von A. v. Hahn.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Jakob und Annemarie fuhren schweigend in den frischen Sommermorgen hinaus.
Jakob starrte, wie zumeist, wenn er seinen Gedanken nachhing, mit finster gerunzelten Brauen vor sich hin.
Holpernd und hart knarrte der Wagen auf dem unebenen steinigen Gebirgspsad hin. Sie hatten nicht weit zu fahren, aber steil bergauf.
Neben dem schäumenden Gebirgsbach hin
fahrend, hielten sie auf eine kleine Felsengruppe zu. die in größeren und kleineren Kegeln und Zacken über einander gethürmt, sich über dem plätschernden Bach erhob, der durch die Risse und Spalte unterhalb der Steine durchsickerte und seinen Weg energisch thalabwärts nahm.
Dicht neben dieser Steinschicht und im Zusammenhang mit dieser ragte ein größerer einzelner Kegel an die Berglehne empor, an dessen Fuß ein klaffender breiter Spalt gähnte, der eine mächtige Sandschicht wies.
Hier holten die Leute ihren Bedarf an Sand und Baukies und das Fortholen immer neuer Mengen hatte die natürliche Spaltung der Erdschicht bereits zu einer ansehlichen Sandgrube erweitert.
Hoch oben auf dem Abhang, der über die Sandgrube niedersah, stand eine vereinzelte Holz- baude. Ein alter Forstwart hauste dort.
Annemarie und Jakob langten schweigend auf der Höhe an. Die Gäule schnauften angestrengt und zogen den Karren durch den mahlenden, weißen, morgenfeuchten Sand. Die Sonne dehnte sich frostig in der dunstigen Bergluft und ihr blasses Antlitz sah blöde und verschleiert durch die dichte Nebelschicht herüber.
„Was hast' mit Alois?" Hörle da Annemarie plötzlich des Jakobs harte Stimme. „I leid's net, daß Du dem Alois den Kopf verdrehst!"
Annemarie hatte erschrocken hingehört und die Zunge wollte zuerst kein rechtes Wort der Entgegnung finden.
Da ergriff sie aber ein eigener Zorn und sie entgegnete giftig: „Und wenn d's zehn mal net leid'st, was gehls Di an?"
Jakob knirrschte mit den Zähnen aber er sagte nichts dazu.
Er warf die Peitsche in den Sand, die Zügel über die Tiere und sprang ab, Annemarie hinter ihm drein.
Sie schürzte ihr Kleid, ergriff eine Schaufel, die Jakob von dem Wagen herunterlangte und begann mit kräftigen Armen den lockeren, thau- feuchten Sand in gewichtigen Schaufeln auf den Karren zu laden.
„Was hast' so eifrig denn zu werken?" fragte Jakob gepreßt, der unthätig auf die Schaufel gestützt finster darauf hinsah, wie das Mädchen rastlos schaffte und in rüstiger Arbeits- freude an dem Werk die Nähe des Genossen vergessen zu haben schien. „Meinst' i muß schweigen, weil's Dir z'reden net paßt? — Aber i schweig net", fuhr er leidenschaftlich fort und stemmte die Schaufel tiefer in den Sand, „i schweig net und wenn's D' mi noch so z'wider bist! I will wissen, was dös mit dem Alois soll, was Dir denkst, daß Du den Grasaff so damisch machst, daß er bald meinen kann, er ist der liebe Herrgott gar für Dich —"
„I woaß net, was D' willst!" fuhr die Annemarie heftig herum. „Was Hab' i denn dem Alois z'viel gethan?"
Jakob sah sie mit wogender Brust und mühsam gezügelter Beherrschung fast drohend an.
„Meinst i hob's net gesehen", würgte er dann atemlos hervor, weil es ihn im Halse wie eine rollende Kugel drückte, „meinst, i hob's net gemerkt, wie Ihr zweibeid zusammenstaht? Meinst, i hob's net gesehen," fuhr er heißer vor Erregung fort, „wie D' gestern Abend zu ihm aufgesehen hast, als woll'st ihn fressen mit dem hungrigen Blick? Weinst i hob's net geseh'n. wie D' unterwegs seine Händ' gesucht hast? Der Schatten auf dem Hellen Weg war Dein Verräter! I hob Alles geseh'n!" stöhnte er gebrochen und starrte sie verzweifelt an.
Fassungslos blickte sie nach ihm hin. „Was hast' Jakob, was soll dös heiß'n" fragte sie be- klommen, „daß D' mir's in solchem Ton vor- hälst, wos doch noch lange keine Sünd und Schand'. Daß i den Alois liab hob', — i will's net leugnen, — und daß i mi sehn' ihm meine Liab zu zeig'n, und daß i 's gern hör'n will, er ist mir guat, — mag dös d' Wahrheit sein. — Was aber hast' dagegen? Doas i an armes Dirndl bin? — gelt Jakob, so schlecht kannst Do net sein? Schau die Bas woaß darum und wann sein' Muatta nix Zuwideres
gegen mi hat, soll der Bruder st a net dazwischen stell'»! Warum willst mi dös Glück net gönnen, Jakob?"
Er hatte sie in steigender Aufregung angehört, die verzehrenden Blicke auf ihr blühendes Antlitz geheftet, dessen Liebreiz durch die Er» regung, die sich auf ihm malte» zum holdesten Ausdruck gelangte. Als sie schwieg, brach er in den erschütternden Aufschrei aus: „Weil i 's net kann!" und schlug die Hände vor das Antlitz.
„Du kannst's net!" fragte die Annemarie verwundert und über seine Leidenschaftlichkeit bestürzt.
„Nein, i kann's net!" flüsterte er erstickt und ließ die Hände sinken. „I kann's net, Annemarie, und D' sollst's wissen, warum i 's net kann," fuhr er beschwörend fort und ergriff ihre Hände, die sie ihm widerwillig, aber von ihrer eigenen Fassungslosigkeit widerstandslos gemacht, überließ.
„I kann's net!" stöhnte er noch einmal und dann sprudelte es wild hervor: „Laß mi 's endli sagen, woas mi dös Herz abdruckt! Annemarie, i bin Dir selbst jo viel z' guat, als doaß i Di dem Alois gönnen könnt! Ach, Annemarie, hör' mi an", flehte er inbrünstig und umklammerte ihre Hände heftiger, „hör mi an. denn i laß Di net bis D' Alles woaßt, was mi martert seit Jahr und Tag! Vom ersten Augenblick an, Annemarie, do i Di sah, war i Dir guat. Vom ersten Augenblick an fühlt' i 's, doaß i Dein Bild und den wahnsinnig' Wunsch, Di zu besitzen, nimmer werd' los werd'n könn'. Tag und Nacht Hab' i nur Di gfieh'n und von Dir g'träumt, die ganze Welt war mir Untergängen in der Liab z' Dir! Und wie i weiter lebte, i hob's net g'wußt — und wie i weiter atmen konnte, ohne Dir 's g'sagt zu hab'n, j kann 's net fass'n! Jetzt aber kann i 's länger net mehr halt'n und i muß's hineinschrei'n in d' Welt und zum Himmel empor: I liab d' Annemarie! Herrgott, gieb sie mir, oder nimm mein elendiges Leben hin! Herrgott, i kann net ohne sie sein, laß mi net umkomm'n in meiner Qual!"
Er hatte das Bekenntnis mit leidenschaftlicher Inbrunst hervorgestoßen und ihre Hände dabei mit eiserner Faust umklammert, als könne er ihr mit dieser Gewaltsamkeit die lieberzeug» ung aufdringen, daß sie sich willenlos dem beugen müsse, was ihn mit elementarer Gewalt zwang.
(Fortsetzung folgt.)
(Guter Rat.) Hat sich denn Ihr Sohn für einen bestimmten Beruf schon entschieden? — Ja, die Geschichte wird mir aber zu teuer, denn er schwärmt für Arzt- oder Offizier-Carriere! Aha! Also für blutige Operationen? Da lassen Sie ihn doch Barbier werden!
Telegramme.
New-Aork, 19. Sept. Einem Telegramm aus Havanna zufolge, ist der spanische Kreuzer „Barcaiztegui" um Mitternacht nach einem Zusammenstoß mit einem Handelsschiffe am Eingang des Hafens gesunken. Vier Offiziere und dreißig Mann sind ertrunken.
Mad r i d, 20. Sept. lieber den gemeldeten Untergang des Kreuzers berichtet ein amtliches Telegramm aus Havanna: Der Kreuzer lief letzte Nacht auf. An Bord befand sich der Chef der Marine Contre-Admiral Parejo, im Hafen fuhr derselbe mit dem Kauffahrteischiff Morphira zusammen. Der Kreuzer sank. Der Contre-Admiral kam ums Leben, sein Leichnam wurde später aufgefunden. Der Kommandant, 3 Offiziere und 36 Matrosen werden vermißt. Der zweite Kommandant, 4 Offiziere und 16 Matrosen sind gerettet.
Der heutigen Nummer unseres Blattes liegt der Preiskourant für die Wintersaison 1895 des 1. Versandt- und Spezialgeschäfts von Gebrüder I. und P. Schulhoff in München, Thal 71, Schützenstraße 3. und Hochbrückenstraße 3, bei.
Redaktion, Druck und Verlag von C. Me eh in Neuenbüfrg.