Ausstichen dieses etwa 1'/- km langen Forellenwassers wurden Heuer gegen 3'/- Zentner Forellen gefangen. Eine Fisch- Handlung in Memmingen zahlt pro Zentner 145 vlL Die Fische wurden lebend per Achse dorthin verbracht, werden überwintert und im Frühjahr in Münchener Küchen geliefert.
Ein Schmiedmeister in Steinhaufen. OA. Waldsee, wurde auf der Jagd durch die Unvorsichtigkeit eines andern Jägers in den rechten Arm geschossen und derselbe dadurch so unglücklich und gefährlich verletzt, daß ihm der Arm abgenommen werden mußte.
Stuttgart, 18. Okt. Wochenmarkt. Kartoffeln: 300Zentner. Preis 3 50 Pf. bis 4 ^ Pr. Ztr. — Filder- kraut: 5500 St. Preis 8 bis 10 per 100 St. — Mo st ob st: 30000 Ztr. gemischt 2 vk 40 Pf. bis 2 80 Pf.,
Aepfel 2 80 Pf. bis I 10 Pf. pr.
Zentner.
Obstpreise in Calw. Verkäufe auf dem Bahnhof zu 3.20 pr. Ztr. Hiesiges verlangt 3.50. Von Nachbarorten eingeführt vors Haus 3.—
Ausland.
Neapel, 16. Okt. Die Straßen und Häuser sind prächtig geschmückt. Fahnen, überwiegend deutsche, zu tausenden ausgehängt, in der Toledostraße sind die Gaskandelaber in Palmengruppen verwandelt, gekrönt mit bunten Gtasschalen. Der Fremdenzufluß ist gewaltig; von Rom aus sind 60 000 Personen teils eingetroffen, teils unterwegs. Alle Bahnhöfe, welche der kaiserliche Extrazug passierte, waren festlich geschmückt, der Zug wurde überall mit unbeschreiblichem Jubel begrüßt. Das Wetter ist schön. — Nachmittags 2 Uhr sind Kaiser Wilhelm und König Hu ordert hier eingetroffen. Der Empfang war ein über alle Maßen begeisterter. Die Straßen waren von einer ungeheuren Menschenmenge erfüllt; alle Fenster, selbst die Dächer dicht besetzt. Die Majestäten begaben sich, gefolgt von einem glänzenden Wagenzuge, nach dem königl. Palast.
iSt.-Anz.)
Castellamare, 17. Oktober. Die Stadt ist festlich beflaggt und geschmückt, das Wetter ist schön. Eine ungeheure Menschenmenge ist aus Neapel und Umgebung herbeigeströmt. Der Kaiser und der König samt Gefolge, die Minister und die Gäste, welche Neapel verlassen hatten, trafen um 11 Uhr unter den jubelnden Kundgebungen der Menge hier ein und begaben sich, während die Schiffe des Hafens salutierten, um mittag aus die Werft. Der Kaiser war in Admirals- uniform. Das Geschwader war in höchstem Flaggenschmuck. Das Meer war ruhig. Als die Monarchen und die Prinzen auf reich geschmückten Tribünen Platz genommen, segnete der Diözesanbischof von Neapel das Schiff „Umberto" ein. Die Tochter des Admirals Acton zerschellte am Bug des Schiffes eine Flasche Asti-Wein. Unter lautloser Stille und atemloser Spannung vollzog sich der Stapellauf. Als der „Umberto" um 12 Uhr 5 Min. ins Meer hinabglitt, gaben der Kaiser und
der König lebhaften Beifall kund, und die Menge brach in den lauten und anhaltenden Ruf aus: „Es lebe der König!" Nach dem Stapellauf begaben sich die Monarchen, Prinzen, Staats- und Hofwürdenträger an Bord der Königs-Jacht „Savoya", von deren Großmaste die deutsche Flagge wehte. Die „Savoya" dampfte, vom ganzen Geschwader gefolgt, nach Neapel zur Flottenrevue. Nach der Revue werden die Monarchen Capri und Jschia besuchen.
iSt.-Anz.)
Frankreich. Das Ministerium Flo- qiie^rat in der so viel Staub aufwirbeln-
einstweilen
ein Vertrauens-Votum von 126 Stimmen dadurch erlangt, daß es den vorgelegten Entwurf zunächst in eine hiezu ernannte Kommission der Kammer gerettet hat. In dieser werden sich dann nach dem seitherigen Gang zu schließen die Streitigkeiten entwickeln, von denen heute nicht abzusehen, wie sie enden werden. — Vielleicht mit einem Staatsstreich; an Seelen-, Wärtern, bezw. Totengräbern der Repu^ blik fehlt es ja nicht.
Der französische Kriegsminister hat beschlossen, daß zukünftig kein fremder Ossizier weder in die militärischen Bildungsanstalten, noch in die Regimenter ausgenommen werden dürfe.
Rußland. Großfürst Nikolaus, Bruder des Zaren, wird mit seiner Gemahlin diese Woche eine Reise nach Deutschland antreten.
Miszellen.
Des Kerrgottmüllers Lrben.
Erzählung von Anton Ohorn.
(Fortsetzung.)
Die Mühle lag am Ausgange des Thales, das sich hier zur fruchtbaren Ebene erweiterte und war kaum zehn Minuten von dem Dorfe entfernt, wozu sie gehörte. In dem Hausflur stand die schwarze Bahre mit samtenem silbergesticktem Tuche behängen und die Leidtragenden hatten sich um dieselbe versammelt und erwarteten den Geistlichen. Die Leute sprachen alle still mit einander und unser Wandersmann trat als Fremder ganz beiseite und wartete ab, bis der Zug sich in Bewegung setzen würde. Er hatte sich den Staub von den Stiefeln gewischt und stand nun da, auf seinen Stock gestützt und betrachtete sich die Verwandten und Freunde des toten Hcrrgottmüllers. Auf dem Wege hatte er bereits erfahren, daß sein Weib schon längst verstorben sei und daß zwei Söhne und eine Tochter sich in das Erbe des Verstorbenen zu teilen hätten.
Als der Zug das Trauerhaus verließ, sah er die drei unmittelbar hinter dem Sarge. Die Söhne machten keinen günstigen Eindruck: der ältere war hager und blaß, mit kurzem struppigen Haar und seltsam flimmernden Augen, der jüngere rot und vollwangig, offenbar kein Verächter des Lebensgenusses, beide aber sahen recht gleichgiltig und teilnahmlos drein; es wurde dem Wandersmann wehmütig zu Sinne, da er sie ansah, er mußte daran denken, wie er seinen eigenen guten Vater zu Grabe begleitet und wie ihm damals das Herz blutete, so daß er sich
am liebsten mit dem Toten hineingelegt hätte in die kühle Erde.
Länger und freundlicher blieb sein Auge haften an der Tochter des Verstorbenen, die zwischen mehreren schwarzgekleideten Frauen gesenkten Blickes einherschritt. Sie schluchzte und stöhnte nicht, aber die Hellen Thränen liefen ihr über die blassen Wangen und ab und zu wischte sie dieselben ab; auf dem ganzen lieben Gesichte lag eine so tiefe, aufrichtige Trauer, daß der Wandersmann am liebsten zu ihr herangetreten wäre und ihr ein sanftes, freundliches Trostwort gesagt hätte. Das ging nun allerdings nicht an und so blickte er ihr denn nach, so lange es möglich war und an den letzten im Zuge schloß er sich an, um den toten Herrgottmüller mit zu Grabe zu geleiten.
Der Geistliche hatte mit warmen Worten dem Verstorbenen den letzten Gruß nachgerufcn und nun polterten die Schollen auf den Sarg und dazwischen warfen reunde Blumen und Kränze. Die Geäster der beiden Söhne blieben auch dabei unverändert gleichgiltig, die Tochter aber nahm mit zitternder Hand einen kleinen Kranz, preßte ihn an die Lippen und indem sie ihn in das Grab fallen ließ, sprach sie halblaut: „Schlafe wohl, mein herzguter Vater!"
Da kam es auch dem jungen Wandersmann feucht in die Augen und er konnte den Blick nicht mehr von dem Mädchen abwenden, das von den begleitenden Frauen zwischen den Gräbern hin langsam fortgeführt wurde. Allmählich ward es leer auf dem Gottesacker; unser junger Freund hatte auch eine Erdscholle in das Grab fallen lassen und stand nun da und sah sinnend zu, wie der weißhaarige Totengräber die Erde darüber zu dem gewohnten kleinen Hügel häufle.
(Fortsetzung folgt..
(Der Erfinder des Schlagwassers am Schlagfluß ch). Seit einer Reihe von Jahren findet man in den Zeitungen Anpreisungen eines angeblich unfehlbaren Mittels gegen Schlagfluß, welches der ehemalige Bataillonsarzt Roman Weißmann in Vilshote» in schwunghaftem Handel vertrieb. Wiederholte Untersuchsuchungen, welche der Karlsruher Ortsgesundheitsrat mit dem „Schlagwasser" vornehmen ließ, haben ergeben, daß^dasselbe aus rot gefärbter Arnikatinktur bestand, welche natürlich in keiner Weise die angepriesene Wirkung, vor Schlagfluß zu bewahren, hat. Dies zeigte sich in besonders drastischer Weise dadurch, daß der Erfinder Weißmann trotz des Gebrauches seines Mittels vor wenigen Wochen selbst am Schlage gestorben ist.
(Der Apfel alsNahrungsmittel.j Sorgfältig ausgeführte Analysen haben ergeben, daß der Äpfel eine weit größere Menge Phosphor enthält, als irgend eine andere Baumfrucht oder Gemüseart, und daß der Apfel den geistig angestrengten, eine sitzende Lebensweise führenden Menschen zum Genuß um so mehr empfohlen werden kann, als er außer Phosphor auch gewisse Säuren enthält, welche gegen Schlaflosigkeit und Hautkrankheiten schützen.
Redaktion, Druck und Verlag von Jak. Meeh in Neuenbürg.