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^uok kür das dallr 1872 behauptet der stets in ausreichender An­zahl vorräthige

Illnztr. kamiliev-ksleiiäer

AL» seinen Futon linl

als der praktischste, reichhaltigste und billigste Aalender. Reich an Beiträgen von vorzugsweise humoristischem Cha­rakter sei bicr besonders auf die durch zweiseitige Illustration so klar und über­sichtlich dargestellten

neuen Lasso und Lowiokto

aufmerksam gemacht, deren zweckmäßige Darstellung gewiß Jederman anerkennen wird. Von ebenfalls vorherrschend hu­moristischer Richtung sind die circa

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welche der Kalender in Summa auf­weist. Die Messen und Märkte sind wie in federn vorangegangen Jahrgauge auch für 1872 vollständig vertreten. Für die Hausfrauen bringt der Aalender im Anhang ein umfangreiches

ülustrirtss Loodduod als 6trg.tl8-krä>mi6.

^cr Preis dieses nützlichen Aaleirders ist 5 Sgr.

Koino Lodon2oitun§ Kat eine ^rössoro VerbroitunZ als

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Lrois kür das §an26 Viortoljalir 10 Lgr., mit viortolMirliell neun eolorirtonLodoukuptorn 36 kr. rk,

l^n troKIlelien Ori- Ainal-Illustrationen ist dio Lodonwolt, uuZe- nelitet ilires überaus niedrisseu kreises wold das bei V 7 eitern reiebbaltiFste derartiZe dournal. Leit seebs dalrren bestellend, wueks ibr Luk käst von La§ 2U La§; als ein unentbelrrlieber Latli- geber in allen woidlieken Kreisen wird sie nunmelrr in rielin Lpraeken über­setzt. vurelr anerkannt vor^ügliebe Lelrnittmuster und Zenaue, leiebt ver- ständlielre Anweisungen maebt die Lo­den weit auclr die ungeübteste Hand gesebiekt, alle ^rten von Landarbeiten, Garderobe und 'VVäsebe selbst annuker- tigen, sowie Getragenes 2u nioderni- siren und dadurelr die bedeutendsten Krsparuisse 2U erzielen.

Abonnements werden jederzeit angenommen bei allen Lueblrandlungen und Postämtern.

Kronik.

Deutschland.

Berlin, 26. Dez. Der Bundesrath hat in Beziehung auf die Bestimmung in dem Artikel 6 der neuen Maß- und Ge- rvichtsordnung, nach welcher vom 1. Januar 1872 an das Kilogramm die Einheit des Gewichtes bildet, jedoch sowohl das Pfund als der Centner gesetzlich zulässige Gewichte bleiben, beschlossen, daß im Zollverkehre auch künftighin die Declaration und Ver­zollung nach Centnern und Pfunden, nicht nach Kilogrammen vorzunehmen sei.

Berlin, 26. Dez. Seit einigen Tagen ist eine Anzahl der neuen Reichs gold-

münzen in den Verkehr gebracht; es heißt, die ersten Tausend Zwanzig-Mark­stücke habe S. Mas. der Kaiser erhalten. Die Ausführung und Prägung der neuen Münze wird allgemein gelobt.

Bekanntlich hat Fürst Bismarck im Ver­kehr der deutschen Regierung mit ihren Vertretern im Auslande sowie mit den auswärtigen Vertretern und Regierungen den ausschließlichen Gebrauch der deut­schen Sprache eingeführt. Dies wird heute vom Standart zum Gegenstände einer Betrachtung gemacht, welche die Be­rechtigung dieser Maßregel vollständig ein räumt, andererseits aber viel Lärm über die Unbequemlichkeiten erhebt, welche noth- mendig eine Folge dieser Maßregel sein müßten. Die Deutschen, sagt das konser­vative Blatt u. A., lhun eben nur das, was wir selbst schon vor längerer Zeit gethan haben, und thun es mit eben so gutem Rechte. Wir könnten sie nicht wohl verurtheilen, ohne über uns selbst eben­falls das gleiche Urtheil zu fällen, und es ist für jede Regierung, welche stark ge­nug ist, sich Gehör zu erzwingen, ein ent­schiedener Vortheil, ihre eigene Sprache sprechen zu können. Aber für die Diplo­maten der andern Länder sei die Sache höchst unangenehm, deutsch sei eine schwie­rige Sprache, und ein künftiger Minister des Auswärtigen müßte vor allem Sprach­kenner sein u. dgl.

Württemberg.

Stuttgart, 23. Dez. Das Finanz­ministerium hat die Staatshauptkasse und sämmtliche Kassen des Finanzdepartements ermächtigt, die Noten der württembergischen Notenbank anzunehmen. Die Kassen der Verkehrsanstalten sind gleichfalls dazu ermächtigt worden.

Stuttgart, 27. Dez. Heute Vor­mittag zwischen 10 und 11 Uhr fand in der Zuckerfabrik hier bei einem der acht Dampfkessel eine Explosion statt. Der Kessel blieb an seiner Stelle liegen und zeigte, nachdem die Dampsausströmung aufgehört hatte, einen 7' langen, von vorne nach hinten gehenden Riß. Durch die Gewalt des Dampfes wurde das losge­rissene Blech gegen die Feuerung aufge­bogen und warf diese sammt dem vor dem Kessel stehenden Mauerwerk um. Leider mußten vier Arbeiter, darunter der erste Heizer schwerverletzt, ins Hospital gebracht werden, zwei davon sind heute Mittag ihren Wunden erlegen, die drei ruderen Heizer kamen mit leichten Brandwunden da­von. Mehrere Umstände deuten mit Bestimmt­heit darauf hin, daß Wassermangel, also Unachtsamkeit der Heizer das Unglück her­beiführte. (S. M.)

Das Regierungsblatt vom 28. Dez. enthält eine K. Verordnung, betr. die Be­kanntmachung eines NeichSgesetzes, und ein Gesetz, betr. Aenderungen des Landes­strafrechts und Ver Strafprozessordnung bei Einführung des Strafgesetzbuchs für das D. R.

Mit dem 1. Januar 1872 tritt ein 10. Nachtrag zum südd. Verbands-Güter­tarife vom 1. Juli 1870, enthalt, neue j Tarifsätze für den Güterverkehr zwischen

der östr. Südbahn einer- und der K. württ., großh. bad:, pfälz., Hess. Ludwigs-, Main- Neckar- und Frankfurt-Hanauer Bahn an­dererseits in Wirksamkeit.

Das Regierungsblatt vom 27. Dez. enthält ein Gesetz, betr. die Fortcrhebung der Seeuern! ferner eine Verfügung, betr. die Kontrolegebühr der Müller für das auf öffentl. Mühlen zur Schrotung kom­mende Malz, und eine Bekvnntmachung, betreffend die Ausgabe von weiterem Pa­piergeld.

Kirch h eim, 25. Dez. So lockend und reizend zur Somnierszeit eine Tour auf den sonnigen Höhen der Alb ist, so gefähr­lich ist» im Winter, selbst für den des Weges Kundigen, von der gebahnten Straße adzugehen und auf Vicinalmegeu oder gar Fußpfaden zu wandeln. Das sollte vorige Woche ein schon bejahrter Uhrenhändlec vom Schwarzwald bitter empfinden, der Nachmittags 3 Uhr von Wiescnstcig auf­brach, um noch nach dem zwei Stunden entfernten Schopfloch zu gelangen, das er wahrscheinlich noch vor Einbruch der Nacht zu erreichen gedachte. In dem liefen Schnee ging es langsam vorwärts und ehe er sich dessen versah, war er von der Nacht über­rascht. Zwar war es schnee- und sternhell, aber trotz dem trügerischen Licht verlor er den rechten Pfad, irrte kreuz und quer herum, sank oft bis an die Lenden in den Schnee, arbeitete sich wieder heraus und konnte den rechten Weg nicht mehr finden. Es war die kälteste Dezembernacht, Mitter­nacht längst vorüber und der Arme rang mit allen Kräften, das Dorf zu erreichen. 'Umsonst war fein Bemühen. Von Hunger und Frost gepeinigt, fühlte er wohl, daß seine Kräfte allmälig schwanden, und er konnte mit Geibcl's fahrendem Zecher sprechen:Weiß nicht, wohin ich lege in dieser Nacht mein Haupt." Vor Erschöpfung sank er endlich nieder und mußte sich seinem Schicksal ergeben. Da horch! tönt ganz nahe eine Morgenglocke an sein Ohr, er rafft sich noch einmal auf, nimmt alle seine Kräfte zusammen, folgt dem lieblichen Glockenton und erreicht nach einigen hundert Schritten eine Herberge. Dort angekom­men, brach er zusammen. Er hatte un­säglich gelitten und dis Wirthsleute, sowie er selbst, glaubten nicht, daß er noch den Tag überlebe. Er bat dieselben noch stammelnd, von seiner Baarschaft, die er bei sich habe, die Leichenkosten zu bestreiten, das Uebrige sollen sie für Pflege und Wart behalten. Gegen alles Erwarten aber erholte sich der Schwergeprüfte in einigen Tagen der Art, daß er abzureisen vermochte. Man führte ihn per Schlitten nach Guten­berg, dort bestieg er die Post, in Kirchheim die Eisenbahn, die ihn in die Heimath führte, wo er nun im Kreis der Seinigen Weihnachten feiern kann und vielleicht oft an die überstandenen Leiden in der grimmig kalten Dezembernacht denken wird.

(St. Ztg.)

Z Zum neuen Jahre.

I.

Das erste Jahr, das unser engeres Vaterland im Anschlüsse an das deutsche Reich verlebt, ist abgelaufen; die Gaben,