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A r o n i k.

Deutschland.

Nach einem Schreiben imHamb.Korresp." soll ein neuer Plan zu einer handelspolitischen Gestaltung Deutschlands vorgelegt seyn. Nach demselben sollen drei bandelspolitsche Gruppen in Deutschland bestehen, Oestreich mit seinen 36 Millionen, der Zollverein mit 32 Millionen, und die norddeutschen Staaten und Städte mit 3 Millionen, so daß die Handelspolitik keine Bundesangelegenheit würde. Jede Gruppe, als ein Ganzes, sey in der innern Zoll- und Han­delsverwaltung selbstständig, mit eigener Ver- theilung der Zollrevenuen und eigenen Tarifen. Ein legislativer Körper von 9 Stimmen, drei aus seder Gruppe, soll unter Zuziehung von Sachverständigen jährlich zusammentreten, um die nationale Handelspolitik s Vertretung von Handel und Gewerbe im Ausland, Handels­und Schiffahrlsverträge) zu ordnen, so zwar, daß bei sehr wichtigen Fragen die Majorität jeder Gruppe nothwendig wird, indeß bei min­der erheblichen Punkten einfache Majorität ent­scheiden soll.

Württemberg.

Der Staatsanzeigcr enthält die K. Verord­nung in Betreff der Einführung von Pfarr- Gemein de rät hen in der evangelischen Landes­kirche.

Auch die erste badische Kammer hat den mit unserer Negierung abgeschlossenen Eisenbahn- Vertrag mit allen gegen 3 Stimmen ange­nommen.

Das Gerücht, daß in der nächsten Zeit die ständischen Wahlen ausgeschrieben werden wür­den, wiederholt sich.

Dlaubeuren, 30. Januar. Wie wir hören, ist der Nellinger StundenhalterBuckle" heute vor das Oberamt eiiirt. Er, der sich für den Gesandten Gottes erklärt, den eine verblendete Menge fast anbetet, wird heute in das hiesige Krankenhaus gebracht, um von einer dyskrasischen, eckelhaftcn und ansteckenden Krank­heit geheilt zu werden. (Blaum.)

Ulm, 3l. Januar. Die für die einzelnen Sektionen der von Augsburg nach Ulm zu er­bauenden Eisenbahn bestimmten Ingenieure sind bereits auf ihren Stationen eingetroffen. Der für Neu-Ulm bestimmte Sektionsingenieur Hr. Spandau traf am 30- Januar in Neu-Ulm ein.

Baden.

Karlsruhe, 3l. Januar. Das großh. Kriegsministerium hat unterm 27. an sa'mmttiche Truppeutheile und Kommandantschaften eine Be­kanntmachung erlassen, wonach es an Werktagen den Soldaten verboten ist, beim Auogehen ein Seitengewehr zu tragen.

Die Regierung hat alle Aemter angewiesen, dem Auswanderungswesen die größte Aufmerk­samkeit zu widmen. Der Zug nach Amerika wird im Frühling sehr stark werden.

Hessen-Kasse t.

Kassel, 29. Januar. Einem Gerüchte zufol.,e, bas in t gioß-r Bestimmtheit in allen Kressen wiederholt wird, soll die Lstreichische Negierung auf dem Punkte stehen, mit der kur- hessischen einen Vertrag abzuschließen, oderauch, wie behauptet wird, abgeschlossen haben, wonach ein großer Theil des kurhessischen Armeekorps nach Böhmen und ein östreichisches Armeekorps nach Kurheffen verlegt werden soll. Diese Be­stimmung soll auf längere Zeit Geltung haben. Bei dem dermaligen Aufschwung der östrei'chl- schcn Politik, die ohne Widerstand im fortwäh­renden Vorschreiken begriffen ist, ist die Sache nicht ohne Wahrscheinlichkeit. Oestreich würde dadurch eine Truppenkette von der Tiber bis zur Eider erlangen.

Die Deutschen auf St. Thomas haben unter dem 24. Dezember 1850 für die verab­schiedeten kurhessischen Offiziere als jährlichen Beitrag (für 4 Jahre sich wiederholend, wenn uöthig) 551 Dollars und als momentanen Bei­trag 2l7 Dollars, zusammen 768 Dollars ein- gesandt.

Ausland.

Frankreich.

Der Präsident der Republik hat 24 seiner Lnruspferde verkaufen und etwa 30 seiner Die­ner verabschieden lassen. Man folgert daraus, daß er entschlossen sey, auf das Projekt einer neuen Dotation zu verzichten.

Ml iszelien.

Das Haus des Kobolds.

(Fortsezung.)

Zwei Jahre waren vergangen und Andreas wohnte immer noch in dem Hause des Kobolds. Es zeigte sich jezt, daß er Vermögen aus Deutschland mit herüber gebracht hatte, denn seine häusliche Einrichtung war nicht allein wohlhabig, sondern sogar reich zu nennen. Er schien das Handwerk, das er erwählt, mehr zu sei­nem Vergnügen zu treiben. Niemand im Städtchen war mit dieser Wendung der Dinge zufriedener, als der alte Arf Arfsohn. Er betrachtete den Jüngling gleichsam als seinen Sohn und dessen Glücksstand zum Theil als sein Werk; denn war nicht er es gewesen, der den Jüngling zuerst herzlich willkommen geheißen, der ihm gcrathen, seine Wohnung hier aufzuschlagen? Und was die Vaterschaft betraf, so war Hoffnung da, daß sie nicht lange blos als schöne Redensart gelten werde, denn die hübsche Tochter Arfs schien durchaus nicht abgeneigt, und ein engeres Band zwischen ihrem Vater und dem jungen Deutschen zu knüpfen. Allge­mach verlor sich auch der böse Leumund, der am ein­samen Hause haftete, und obgleich eS noch immer die Residenz des Kobolds hieß, so dachte doch Niemand mehr an die wirkliche Existenz eines solchen-

Ein Umstand jedoch konnte seltsame Bedenken er­wecken. Des jungen Mannes Frohsinn und gute Laune -waren nämlich dahin, seit er der ständige Bewohner