77. Ja h rgang.

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und

Schwad. Landwirt.

»/U 841

Amtliches.

Die K. Pfarrämter

werden ersucht, etwaige Mttgltederbetträge für 1SVL zu Gunsten des Vereins zur Fürsorge für entlassene Strafgefangene an den Bezirkskassier, Verw.-Aktuar Schwarzmaier hier, (eventl. auch in Briefmarken) gefl. ein­senden zu wollen.

Wenn wir einerseits mit Freuden konstatieren dürfen, daß die Sammlung in der Oberamtsstadt bei 86 Mit­gliedern im Vorjahr 83 50 ergeben hat, können wir

andererseits den Ausdruck unseres Bedauerns darüber nicht unterlassen, daß in den Bezirksgemeinden das Interesse für die edlen Bestrebungen des Hilfsvereins beinahe zu er­lahmen scheint, indem nur noch 9 ^ Jahresbeiträge aus 3 Gemeinden eingehen.

Möge nun diese Mitteilung eine neue Anregung zu weiterer Ausdehnung unseres Bezirks-Hilfsvereins werden!

Nagold, den 7. Dez. 1903.

Für den Ausschuß des Bezirks-Hilfsvereins:

Oberamtmann Dekan

Ritter. Römer.

Bekanntmachung,

betr. Gesuche um Erteilung des Berechtigungsscheins zum einjährig-freiwilligen Militärdienst.

Diejenigen im Jahre 1884 geborenen jungen Leute, welche im Besitze giltiger (Schul-)Zeugniffe über die wissen­schaftliche Befähigung für Sen einjährig-freiwilligen Dienst sich befinden und die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst erwerben wollen, werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Gesuche um Erteilung des Berechtigungs­scheins zum einjährigen-freiwilligm Dienst spätestens bis zum 1. Februar 1SV4 unter Beifügung der in § 89 Z. 4 11b. ne bezw. Ziffer 5 lit. g der deutschen Wthr- ordnung in der neuen Fassung vom 22. Juli 1901 (Reg.- Bl. Nr. 23 von 1901 S. 275) vorgeschriebenen Papiere bei der Kgl. Württ. Prüfungskommission für Ein­jahrig-Freiwillige in Ludwigsburg (Adresse: Kanzlei ver K. Kreisregterung) einzureicheu sind.

Die Ortsbehörden werden hiebei darauf aufmerksam gemacht, daß für die nach § 89 lit. d der Wehroidnung verlangte Einwilligungs-Erklärung durch Muster 17 n zu diesem Z 89 das nachstehende Formular vorgeschrieben ist: Erklärung des gesetzlichen Vertreters zu dem

Diensteintritt als Einjährig-Freiwilliger.

Ich erteile hierdurch meinem Sohne Mündet

(Vor- und Familiennamen:).

(Datum und Ort der Geburt:) geboren am.

zu.

(Beruf:).

meine Einwilligung zu seinem Diensteintritt als Einjährig- Freiwilliger und erkläre gleichzeitig a. daß für die Dauer des einjährigen Dienstes die Kosten des Unterhalts mit Einschluß der Kosten der Aus­rüstung, Bekleidung, und Wohnung von dem Bewerber getragen werden sollen;

Hlm KHrr' und KoLd.

Roman von E. von Linden.

6) Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Er warf ihr den Brief hin und erwiderte zornig: Ich verbitte mir diese Vorwürfe ein für allemal, da nicht ich, sondern Du die Schuldige bist. Wenn Du, wie sich's zwischen Eheleuten gehört, mit mir an einem Strange ge­zogen hättest, dann würden die Geldgier und der Hochmut nicht in ihm großgezogen worden sein, aber immer hoch hinaus, also mußte er viel Geld haben und Großkaufmann werden. Na, Du hast ja gar keine Ursache zum Jammern, denn nun wird er ja, wie er schreibt, in's richtige Fahr­wasser kommen."

Die Frau hatte den Brief genommen und wohl kaum auf die zornigen Worte des Gatten gehört, da des Sohnes Schreiben ihr ganzes Denken und Fühlen in Anspruch nahm. Seltsamerweise wurde sie in der Tat jetzt viel ruhiger als der Meister, der zornig hin- und herschritt und halblaute Verwünschungen ausstteß. Traugott hatte das Schreiben hauptsächlich für die Mutter bestimmt u. in überströmender Zärtlichkeit nm ihre Verzeihung gefleht. Er hätte ja nicht anders handeln können, als sich ihm diese Gelegenheit ge­boten, seine einzige u. höchste Lebenshoffnung, seinen eigent­lichen Beruf zu erreichen, weil er lieber gestorben als Schlosser geworden wäre. Und rinn tröstete er die Mutter und gelobte ihr, brav und unermüdlich fleißig zu sein, um etw as Tüchtiges zu werden u. zu erreichen, bat, sich keinen

Nagold, Donnerstag den 10. Dezember

5. daß ich mich dem Bewerber gegenüber zur Tragung der Kosten des Unterhalts, mit Einschluß der Kosten der Ausrüstung, Bekleidung und Wohnung für die Dauer des einjährigen Dienstes verpflichte und daß, soweit!die Kosten von der Militärverwaltung be­stritten werden, ich mich dieser gegenüber für die Ersatzpflicht des Bewerbers als Selbstschuldner ver­bürge.

.den.19 . . .

Vorstehende Unterschrift de.

und zugleich, daß der Bewerber . . . d . . . Aussteller . . . der obigen Erklärung nach . . . . en Vermögensverhältniffen zur Bestreitung der Kosten fähig ist, wird hiemit obrigkeit­lich bescheinigt.

.den.19 . . .

O. 8. .

Anmerkung. 1) Je nachdem die Erklärung unter a. oder unter 5 abgegeben wird, ist der Text unter b oder unter n zu durchstreichen.

Nagold, den 8. Dez. 1903.

K. Oberamt. Ritter.

Die K. Regierung des Schwarzwaldkreises hat am 7. Dezbr. d.J. die Wahl des Verwaltungskandidaten Ernst Ri eg er in Haiter- bach zum Schulrheißen der Gemeinde Egenhausen, OA. Nagold be­stätigt.

Eine' " ' de» Meilen wlMÜ.

In seiner an den Kongreß gerichteten Botschaft beglückwünschte Präsident Roosevelt zunächst das Land zu allem dem, waS im vergangenen Jahr auf dem Gebiete der auswärtigen wie auch der inneren Politik erreicht wurde, besonders auch hinsichtlich einer Beaufsichtigung der großen Vereinigungen und Verschmelzung von Gesellschaften, die an dem Handel der einzelnen amerikanischen Staaten unter­einander beteiligt sind. Der Präsident erwähnt dann die Bildung eines Departements für Handel und Arbcitsverhält- niffe und des diesem unterstellten Bureaus für Verhältnisse der Vereinigungen. Dieses Departement, heißt es in der Botschaft Wetter, ist nicht dazu bestimmt, die vollste Frei­heit aus dem Gebiet der gesetzmäßigen Geschäftstätigkeit irgend einzuschränken oder zu kontrollieren, sondern es soll authentische Informationen beschaffen, welche die Exekutive bei der Durchführung der bestehenden Gesetze unterstützen und den Kongreß in den Stand setzen sollen, weitere Gesetze zu schaffen, welche nötig sind, um zu verhindern, daß einige wenige Vereinigungen Vorrechte erlangen. Die Konkurrenz und das Publikum hätten von einer solchen Ueberwachung nichts zu fürchten, der Zweck des Bureaus sei, die Regierung zu unterstützen. Andauernde Wachsamkeit sei notwendig, um den Amerikanern Gelegenheit zu bieten, teilzunehmen an den besten Vorteilen im Welthandel. Die Politik der Regierung sei darauf gerichtet, skrupellose Leute, Arbeitgeber wie Arbeitnehmer im Schache zu halten, aber eine Schädi­gung der Initiative des Einzelnen zurückzuwcisen. Die Regierung erkenne das wohltätige Wirken sowohl der Trusts wie der Arbeiterverbände an und werde beide gleichmäßig

Kummer um ihn zu machen, sondern sich der Hoffnung auf ein frohes Wiedersehen zu gelrösten.

Ja, er wird brav bleiben und sein Ziel erreichen," sprach sie ruhig, als sie den Brief zu Ende gelesen hatte und ihn wieder zusammenfaltete.Ich verzeihe ihm, weil er nicht anders handeln konnte, als er getan, u. will täg­lich zu Gott beten, daß er semeVaterhand über ihm halten möge."

Na, dann ist ja alles gut und wohlgetan," rief Meister Weber, vor ihr stehen bleibend, mit bitterem Hohne. Er mußte für sein Ausreißen eigentlich eine Prämie haben. Mich wundert nur, wer ihm einen Paß ausgestellt hat, da ihn kein Schiff ohne die nötigen Ausweis-Papiere mit hm- übernimmt und es auch in Amerika nicht mehr so glatt ab­geht mit den Auswanderern. Darüber schreibt er wohl­weislich kein Wort, denn ich will meinen Kopf verwetten, daß der Schuft von Günther irgend etwas Ungesetzliches dabei fabriziert u. der Polizei eine Nase gedreht hat, weil unser Junge döch keinen Paß ohne meine Bewilligung be­kommen hatte. Na, freu' Dich nur nicht io früh auf den reichen Großkaufmann," setzte Weber spöttisch hinzu,hoffent­lich schwimmt sein Kamerad allein hinüber nach New-Aork und unser hoffnungsvoller Junge sitzt in Hamburg ohne Geld, weil ihm die Papiere fehlen. Das demütige Bitt­schreiben ist vielleicht schon unterwegs."

Die Frau erwiderte kein Wort, und Meister Weber wandte sich seufzend ad, weil er den schwarzen Schatten des Unfriedens durch sein Häuschen gleiten u. den Sonnen­schein stiller Zufriedenheit daraus verschwinden sah.

Die Tage entflohen, doch von Traugott kam weder ein

1903.

behandeln. Ausschließlich des Postwesens haben die Ein­nahmen im vergangenen Finanzjahre 560,396,670 Dollars betragen. Da die Ausgaben sich auf 506,099,007 Dollars beliefen, sei ein Ueberschuß von 54,297,607 Dollars vor­handen. Die Unantastbarkeit der Währung stehe außer Frage.

Der Präsident beantragt die Bewilligung genügender Mittel für die Kommisstonsarbetten der auf Veranlassung Chinas und Mexikos in Aussicht genommenen Konferenz der Goldwährungs- und Silderwährungsländer. Er em­pfiehlt die Bildung einer aus dem Marinesekretär, dem Generalpostmeister und dem Handelssekretär bestehenden Kommission zu Gesetzvorschlägen für die Entwicklung der amerikanischen Handelsmarine und des amerikanischen Han­dels und des nationalen Ozeanpostdampferdicnstesund für die damit in Verbindung stehende Schaffung von Hilfskreuzern für die Flotte. Der Postdampferdienst müsse dem besten solcher Dienste gleichkommcn. Wenn er daS nicht tue, werde die Handelswelt sich von ihm abwenden. Auf die Ein- wanderungsfrage übergehend, dringt Roosevelt darauf, daß Mittel ausfindig gemacht werden, um unerwünschte Elemente gänzlich auszuschließen und eine geeignete Verteilung er­wünschter Elemente über das ganze Land zu sichern. Er empfiehlt dem Kongreß, seine Aufmerksamkeit auf die Frage der Naturalisation von Verbrechern zu richten, und weist aus die schamlosen Fälschungen hin, die jetzt im ganzen Reiche ins Werk gesetzt würden, so u. a. die Unterschlag­ungen im Postdienst. Bezüglich des Schiedsspruches in der Alaskafrage erklärt der Präsident, das Ergebnis sei in jeder Weise zufriedenstellend, da es einen bemerkenswerten Beweis für das Entgegenkommen und das Einvernehmen gegeben habe, mit dem zwei befreundete Nationen an die Entschei­dung von Streitfragen gehen können, bei denen ihre natio­nale Souveränität interessiert ist. Die Botschaft führt die Ereignisse auf, die zur Unterbreitmig der Venezuelastreitfrage an das Haager Schiedsgericht geführt haben und weist auf das imposante Zusammenwirken der bei dem Haager Schiedsgericht vertretenen Nationen hin. Das jetzt gegebene Beispiel werde es den Völkern leichter machen, sich ein zweites Mal an das Schiedsgericht zu wenden. Dieser Triumph des Grundsatzes des schiedsgerichtlichen Verfahrens biete günstige Aussichten für den Weltfrieden. Das Beispiel des Haager Schiedsgerichts, das gezeigt habe, was bezüglich der Beilegung von Streitigkeiten durch andere Mittel als durch Kriege gemacht werden könne, sollte in jeder Weise Nachahmung finden. Die Botschaft weist ferner auf die Entsendung des amerikanischen Geschaders nach Beiruth hin, das die glücklichsten Resultate erzielt habe und fügt hinzu: Die Beziehungen zur Türket seien anerkannt freundliche. Die Reklamationen bezüglich der Schulen und Missionen schienen einer freundschaftlichen Regelung entgegenzugehen. Sie gibt ferner der Befriedigung über den Abschluß des Handelsvertrags mit China Ausdruck. Die Botschaft kommt dann auf die Stelle der Botschaft des Präsidenten Monroe vom Jahre 1824 zu sprechen, wo es heißt, die Flotte sei die Waffe, welche der Regierung die größte Unterstützung bei der Verteidigung amerikanischer Rechte biete. Präsident

Btttschreiben aus Hamburg, noch ein sonstiges Lebenszeichen,

u.derschwarzeSchattennahmBesttz vondem friedlichenHäuschen.

3.

Der stattliche Dampfer, der soeben im Hafen von New-Dork Anker geworfen, hatte eine große Anzahl Aus­wanderer, die hier selbstverständlich zu Einwanderern wurden, gebracht. Die Schiffsliste, die der Kapitän der Hafenbe- hörde präsentierte, wies auch die Namen Leo Günther und Traugott Weber auf, und da ersterer sich durch den Brief seines Onkels, dessen Namen hier einen guten Klang besaß, hinreichend ausweisen konnte, und er Traugott als zu ihm gehörend bezeichnete. so befanden sie sich bald im Straßen- Gewühl der Metropole und auf dem Wege zu dem Bank­hause Lawrence.

Woher aber hatte Traugott Weber, zumal als un­mündiger Knabe, die nötigen Papiere erhalten, um das Vaterland unbehelligt verlassen zu können? Wie sein Vater richtig vorausgesetzt, hatte wirklich Leo Günther mit Hilfe seines Geldes und eines sogenannten gutenFreundes", den er auf der Eisenbahnfahrt nach Hamburg kennen ge­lernt und auch bald zu seinem Vertrauten gemacht hatte, die nötigen Papiere für ihn erhalten.

In Hamburg kann man für Geld und gute Worte alles bekommen," hatte dieser Freund ihm gesagt,da gibtS kluge Winkel-Advokaten, die das leicht Herstellen. Sie können ja für Brüder oder Vettern gelten. Wie stehts aber mit den Militärvcrhältnissen? Wenn dieser Sechszehnjährige drüben bleibt, dann braucht er hier in Deutschland kein Soldat zu werden." (Fortsetzung folgt.)