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Samstag den 11. Mär)

1893.

Tccges-Weurgke r ten.

Deutsches Weich.

>V. Nagol d. Es ist erfreulich , daß viele unserer Landwirte bestrebt sind, Tiere zu züchten, welche den gestellten Anforderungen der Neuzeit ent­sprechen, nämlich Fleisch, Arbeitsleistung und Milch in möglichst ergiebiger Quantität und Qualität, welche Vorzüge in der Simmenthaler Rasse am meisten vereinigt sind. Um so befremdender muß es erschei­nen, daß diesem Fortschritt von Seiten noch vieler Gemeindevertretungen so wenig gehuldigt wird und daß die Farrenhaltungen immer noch im Abstrcich verpachtet werden. Jene Bezirke und Länder. in welchen dieser alte Zopf aufgehoben ist, erfreuen sich einer viel lohnenderen Viehzucht und würden die alten Zustände, wie sie bei uns allenthalben noch vorhanden sind, um keinen Preis mehr zurückwün­schen. Erfahrungssache ist es, daß Tiere der Sim­menthaler Rasse die besten Futtcrverwerter sind und bei richtiger Zucht die den Kälbern verabreichte Milch wie in den Molkereien sich pro Liter zu 14 --s bezahlt. Aus den angeführten Gründen sollten die einzelnen Landwirte alles daran setzen, um es in ihren Ge­meinden zu erreichen, daß endlich einmal mit der Verpachtung der Facrcnh ilmageu ein Ende gemacht wird und daß diejenigen Gemeinden, welche hiezu wohl in der Lage sind, sich zu den Opfern der Ein­richtung einer Gemeindefarrcnhaltung entschließen. Es ergeht hiemit an die Obmänner der Ortsvereine unserer Zuchtgenvsscnschaft die Bitte, eine Versamm­lung ihrer Mitglieder anzuberaumen, um in dieser wichtigen Sache Beratung zu pflegen. Die Erwer­bung eines Original-Simmenthaler-Farren ist überall anzustreben und die allmähliche llebcrnah ne der Farrenhaltung in Regie der Gemeinde zu vollziehen. Der Odcramlstierarzt ist bereit, solchen Versamm­lungen auf Wunsch anzuwohncn.

* N a g o l d, 10. März. Mit dem 1. Juli d. Js. geht die hiesige Apotheke in andere Hände über.

Stuttgart, 6. März. Wie derNeckar-Ztg." aus Innsbruck von befreundeter Seite geschrieben wird, hat der dortige Theaterdirektor Kiedaisch jr., Sohn des früheren hiesigen Hostheater-Jntendantcn Geh.-Hofrats Kiedaisch, das Weite gesucht und 20000 ,46 mitgenommen.

Stuttgart, 6. März. Nachdem bereits im Aka­demiegebäude an den Leibstoll gegen den Hof zu ein großer Hundezwinger für die königl. Jagdhunde erstellt worden ist, wird, wie man hört, demnächst auch auf der Meierei Rosenstein ein weiterer großer Zwinger zur Züchtung reiner Hunderassen erbaut werden.

Stuttgart, 7. März. Das Gerücht von einer Heirat zwischen zwei Mitgliedern der K. Familie tritt mit solcher Bestimmtheit auf, daß daran wohl nicht mehr zu zweifeln ist. Verschiedener Umstände halber soll von der Veröffentlichung vorläufig noch abgesehen werden.

Stuttgart, 8. März. Das Kultusministerium ordnete an, daß der häufige nicht genügend begrün­dete Wechsel der Schulbücher wegen der Belastung der Eltern unterbleiben solle. Die neuen Auflagen der Schulbücher seien technisch so einzurichten, daß die alten nebenher verwendet werden können.

Stuttgart, 9. März. Nach längerem, äußerst schmerzlichem Leiden ist heute früh Kommerzienrat W. Kohlhammer gestorben. Der Verewigte war geboren am 26. August 1839 zu Meimsheim, OA. Brackenheim, und somit nicht ganz 54 Lebensjahre vollendet. In seiner Eigenschaft als langjähriges Ausschuß- und Vorstandsmitglied des Wnrttcmber- gischen Obstbauoereins hat er sth bleibende Ver­dienste um die Hebung des Obstbaues in unserem Vaterlande erworben. Kohlhammer gehörte auch dem engeren und weiteren Landeskomite der deutschen Partei an. Die in seinem Verlage erscheinende Krie­

gerzeitung brachte ihn auch in nähere Beziehungen zu dem württembergischen Kriegerbunde, der sich mancher Förderung von seiten Kohlhammers erfreuen durfte. Der Hingang des unermüdlich thättgen Mannes wird in weiten Kreisen lebhafte Teilnahme Hervorrufen.

Tettnang, 6. März. Ein hier aufgegriffener Landstreicher, an dessen Kleidern Blutspurcn ersicht­lich waren, wurde heute wegen möglichen Verdachts des Mords an Frl. Selma Reuß nach Ulm abge­liefert. Näheres bleibt übrigens abzuwarten.

Deutscher Reichstag. Montagssitznng. Die Be­ratung des Postetats wird fortgesetzt und beendet. Der Post­etat wird nach den Kommissiousüeschlüsseu genehmigt. Dienstag: Marincetat. Abg. Bebet (Soz.) kritisiert das Verhalten der oberen Postbehörden zu ihren Beamten abfällig und meint, wenn keine Abhilfe der vorliegenden Klagen eintrete, müsse der Reichstag dem Leiter der Reichspost einmal ein Mißtrauensvotum geben. Direktor im Reichspostamt Fischer erwidert, die Postverwaltung sorge möglichst für ihre Beam­ten, sie müsse aber im Hinblick auf die großen, durch die Post beförderten Werte dafür sorgen, daß die Beamten nicht in ungeregelte Verhältnisse kämen. Abg. Adt (natlib.) be­fürwortet Verbesserungen im Telephonwesen. Abg. v. d. Schulen bürg (kons.) dankt den Letztem der Reichsvost für ihre Ausführungen und wünicht aufs Neue Reform der Post­zeitungsgebühren. Beim Vertriebe der Mosseschrn Berliner Morgcnzeitung setze die Post jährlich noosoo zu. Abg. Bollrath (frs.) wünscht Vernehmung von Interessenten bei dieser Reform. Nach einigen weiteren unwesentlichen Bemer­kungen werden die laufenden und die außerordentlichen Aus­gaben genehmigt. Bei den letzteren werden einige Postneu­bauten gestrichen.

Deutscher Reichstag Am Dienstag wurde der Marineetat verhandelt und eine Anzahl von Kapiteln geneh­migt. Zum Schluß der Sitzung stellte sich wieder einmal Beschlußunfähigkeit des Hauses heraus. Mitt noch: Marine- elat. Abg. Fritzen teilt als Berichterstatter mit, daß der Staatssekretär des Reichsmarineamtes die Einführung der zweijährigen Dienstzeit auch in der Marine als unthunlich bezeichnet habe. Abg. Henk (freikons) meint, der Reichstag lasse es an seinem früheren Wohlwollen für die Flotte jetzt fehlen. Im Interesse der Sicherheit unserer Küsten sei eine starke Flotte unabweisbar. Bei den Matroscn-Artillerie-Lb- tcilungen hatte die Budgetkommission eine Anzahl Mann­schaften gestrichen, die jetzt bewilligt werden. Beim Betrieb der Flotte hatte die Kommission 535000 gestrichen. Hie­bei wird die Frage des Bezugs ausländischer Kohlen durch die Marineverwaltung zur Sprache gebracht, die erfolgl, weil die westfälischen Zechen zu hohe Preise forderten. Abg. Ham mach er (natlib.) bestreitet das, der Unterschied zwischen der westfälischen und englischen Gesamtsorderung habe nur 5000 betragen. Staatssekretär Hollmann erwidert, der Unterschied habe 300 000 betragen. Die Marincvcrwat- tung habe keine Lust, sich als melkende Kuh der Zechen be­handeln zu lassen. Redner bittet um Bewilligung der von der Kommission gestrichenen Summen, doch bleibt es bei der Ablehnung. DaS Verhalten der Marineverwaltung in der Kohlcnfrage wird ausdrücklich gutgeheißcn. Noch einige wei­tere Kapitel werden nach unbedeutenden Bemerkungen geneh­migt. Die Weiterberatung wird vertagt. Abg. Graf Bal­lestrem (Ctr.) beantragt, morgen Anträge zu verhandeln, damit der Jesnitenantrag noch vor Ostern beraten werde. Bei der Abstimmung über diesen Antrag stellt sich die Be­schlußunfähigkeit des Hauses heraus.

Besterreich-Angarn.

Wien, 8. März. Nach einer Meldung der Pol. Korr." aus Konstantinopel verlieh der Sultan dem deutschen Reichskanzler Caprivi den Stern des Osmannie-Ordens in Brillanten.

Ein Verkaufs-Automat für Arzneien ist soeben für Oesterreich-Ungarn patentiert worden. Man wirft seinen Obolus hinein und bekommt' ein Medikament, das gegen die landesüblichen Krankhei­ten gebraucht wird. Derartige automatische Doktoren sind in Amerika schon längere Zeit vorhanden.

Pest, 7. März. Die Herbstmanöver finden in Anwesenheit des deutschen Kaisers in der Umgebung von Stein am Anger statt. Zwei Armeecorps werden sich gegenüberstehen.

Frankreich.

Paris. In einem längeren Artikel über den Besuch der russischen Flotte in Frankreich versichert derFigaro." er könne den Besuch unter Führung dcs Großfürsten Konstantin für den August oder September d. Js. in Aussicht stellen.

Ob es nun besser wird? Die französische Re-' gierung hat in der Deputiertenkammer den von ihr eingebrachten Gesetzentwurf zur Annahme gebracht,

welcher die Beleidigung von Souveränen und aus­wärtigen Gesandten unter besondere Strafbestimm­ungen stellt. Den Anlaß zu dieser Vorlage hat die bekannte Behauptung gegeben, auch der russische Botschafter von Mohrenheim habe von der Panama- kaualkompagnie sich ein umfangreiches Trinkgeld ge­ben lassen. Die ungestrafte Wiederholung von der­artigen, unerwiesenen Behauptungen wird also fortan unmöglich sein. Nun wird es sich aber darum han­deln, ob das neue Gesetz allgemein in dem Sinne ausgeführt wird, in welchem es erlassen worden ist. Gegen den deutschen Kaiser und den deutschen Bot­schafter in Paris werden alle Augenblicke von dor­tigen Journalen hämische Verdächtigungen verbrei­tet, über die sich niemand so entrüstet gezeigt hat, wie über die den Vertreter des Zaren strafenden 1 Bemerkungen. Wird das neue Gesetz streng ausge­führt, so müssen also fortan alle Verleumdungen über das Oberhaupt des deutschen Reiches und sei­nen Botschafter streng geahndet werden. Ob das der Fall wirklich sein wird, und die bisherigen so wenig erfreulichen Verhältnisse sich bessern werden?

Italien.

Rom, 6. März. Der preuß. Gesandte beim päpstlichen Stuhle, v. Bülow, beglückwünschte heute den Papst zu seinem Bischofsjubiläum und überreichte ihm hierbei ein künstlerisch ausgestattetes Album.

Rom, 8. März. Italic sagt bezüglich der Reise des deutschen Kaiserpaares nach Rom, die Reise sei ein neues Zeugnis der Sympathie und herzlichen Zuneigung des Hauses Hohenzollern für das italie­nische Königspaar. Ganz offenkundig sei dadurch erwiesen, daß in den Beziehungen zwischen Deutsch­land und Italien nichts sich geändert habe.

Rom, 9. März. Der deutsche Kaiser meldete beim Papste für den 20. April seinen offiziellen Be­such an.

Rußland.

Riga, 7. März. Wegen ungesetzlicher Trauung eines Lutheraners mit einer Rechtgläubigen wurde der betreffende lutherische Pastor zu Monatlicher Gesängnishaft vom hiesigen Bezirksgerichte verurteilt.

Serbien. ^

DieKreuzztg." meldet aus Belgrad: Die I Synode hob die Ehescheidung Milans auf.

Amerika.

Die Antworten aller der Mächte, welche einge­laden waren, sich an der aus Anlaß der Meltaus- ! stellung in Chicago im Hafen von New Jork zu ' veranstaltenden Flottenschau zu beteiligen, liegen jetzt, wie aus New-Aork gemeldet wird, vor. Oesterreich- llngarn, Griechenland, die Türkei, Rumänien, Serbien und Uruguay haben die Einladung abgelehnt, weil ihnen für den Zweck keine Schiffe zur Verfügung stehen. Alle anderen Seemächte werden also ver­treten sein.

Wie eben bemerkt, wird die Weltausstellung in Chicago auch durch einen Besuch von Kriegs­schiffen der verschiedenen Staaten ausgezeichnet wer­den. Deutschland schickt die Kreuzer KorvetteKai­serin Augusta" und den KreuzerSeeadler". Die Kaiserin Augusta" mit ihren 12 000 indizierten Pserdekcästen ist nicht nur das schnellste Fahrzeug unserer Kriegsmarine, sondern zur Zeit wohl über­haupt das schnellste Schiff seiner Art. Jedenfalls ist also D.'utschland bei dieser Gelegenheit gut ver­treten. Zum Kommandeur der Kreuzer-Korvette Kaiserin Augusta" ist Kapitän zur See Büchsel er­nannt worden.

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