Koffer haben sich 670 Mk. und die Mehrzahl der geraubten Wertpapiere vorgefunden.
Breslau, 30. Okt. Das Auftreten der Influenza in der gesammten Provinz ist besorgniserregend. Das Steinauer Lehrerseminar wurde geschloffen.
Potsdam, 29. Okt. Der König von Rumänien ist um 3 Uhr Nachmittags über Berlin nach Budapest abgereist. Der Kaiser schüttelte bei dem Abschied beim Bahnhofe dem König herzlich die Hände. In Breslau wird der rumänische Thronfolger mit dem König Zusammentreffen.
Berlin, 26. Okt. Wißmann hat infolge von Differenzen mit dem kaiserlichen Gouverneur in Ost-- afrlka, v. Goden, seine Entlassung aus dem Loloni- aldienst nachgesucht.
Berlin, 26. Okt. Die „Times" meldet aus Konstantinvpel: Der deutsche Botschafter überreichte dem Sultan'das lebensgroße Porträt des Kaisers; auch der österreichische Kaiser sandte sein Bildnis.
Berlin, 28. Okt. Zum Abschiedsgesuch des Hrn. v. Wißmann mrs dem Colonialdienst hören wir,' daß derselbe ein solches Gesuch zweimal eingereichd hat, einmal von Ostäfrika, das andcremal von Suez; aus. Das Gesuch ist mit andauerndem Gallenfieber begründet und es soll wenig Aussicht sein, den verdienten Mann dem Colvnialdiettst zu erhalten.
B e rlin , 29. Okt. Der König von Rumänien verlieh dem Reichskanzler v. Caprivi und dem Staatssekretär v. Marschall das Großkreuz des Sterns von Rumänien.
Berlin, 30. Okt. Die „Polit. Nachr." be-, richtigen ihre neuliche Meldung über die Erhöhung des Reichszuschusses für Invalidität-- und Alters-. Versorgung dahin, daß die Erhöhung nicht dreizehn/ sondern nur dre i Millionen betragen «erde.
Die Vertheidiger im Hcinzeprozeß. Dr. Coßmann und Dr. Ballien sind vor die Amtskammer geladen. Dem Vernehmen nach sind es im Wesentlichen vier Pmikte, welche zur Erörterung gelangen werden: das Sekttrinken während der Ver- hanolnng im Schwurgerichtssaale, die Erteilung des Rathes an die Angeklagten, ihre AnSsage zu verweigern, und das Abholer» der Akten aus der Wohnung des Präsidenten seitens des Bertheidigers der Frau Heinze ohne spezielle Erlaubnis des Präsidenten. Dem Vertheidiger der Frau Heinze, Dr. Coßmann, wird außerdem zur Last gelegt» versucht zu haben, durch unrichtige Darstellung des Gesundheitszustandes seiner Klientin den Fortgang der Verhandlung zu erschweren. Wegen bemerkten Rechtswidrig- ketten wurden Coßmann und Bällien mit einem Verweis, Coßmann außerdem mit einer Geldstrafe von 500 viL belegt.
Schwei).
Bern, 30. Okt. In Rsbstein (Kanton St. Gallen) sind heute morgen vier Uhr bei starkem Winde 54 Firsten niedergebrannt. Ein Taubstummer ist dabei umgekommen. Es wird Brandstiftung vermutet. Eine Person wurde verhaftet.
Oesterreich -> Rm-g a ic n.
Wien, 29. Okt. Die „Reue Freie Presse" bezeichnet die Zusammenkunft 'des Kaisers Wilhelm und des Zaren als unmittelbar bevorstehend. Der Ort der Zusammenkunft sei -noch unbekannt. Unterstützt wird die Meldung durch 'den Aufschub der Abreise des Herzogs Albrächt von Württemberg nach Petersburg, angeblich weil es noch nicht bestaunt sei, ob er dort oder in Livadia vom Zaren empfangen werde.
Spanien.
Von furchtbaren Uederschwemmnngen ist Aude-Departement heimgesucht worden. Es liegen darüber aus Careassonne'jetzt folgende ausführlichere Mitteilungen vor: Der Regen chatte sich seit 24 Stunden in Strömen ergossen. Am 24. Oktober gegen l Uhr Nachts überschwemmte die plötzlich um 6—7 Meier gestiegene Aude alle untern Stadtteile, drang ur die Häuser und überraschte die Bewohner selbst in ihren Betten. Das Wass-r steht höher als lest 'Menschengedenken. Eine ungeheure, mit Gärten bedecke Flache bildet nur noch einen See. Dreivier- re: des Iustizpalastes, der ^Atten Brücke" und der „Digue" sind überschwemmt; alle Fabriken stehen inner Wasser; im Krankenhause mußte man die kran-, kcn Kinder und Frauen mitten in der Nacht fortschaffen. Beim Anbruch des Tages erblickte man den Intendanten von Ärblade mit seiner ganzen Faminc, um Hilfe rufend, aus dem Dache seines
Hauses. Das Rettungswerk wurde mit großen Schwierigkeiten vollbracht. In der Rue de la Digue hatte sich ein Offizier mit seiner Frau auf's Dach geflüchtet und gab Notzeichen. Zwei Dragoner warfen sich ins Wasser, um ihnen Hilfe zu bringen, aber der Strom riß sie mit sich und sic verschwanden schnell. Zwei von dem Wasser in ihren Betten überraschte Frauen ertranken. Eine junge Bettlerin, die ihren ins Wasser gefallenen Säugling erfassen wollte, wurde ebenfalls fortgerissen. Endlich am Mittag fing der Fluß an zu sinken. Von den verschiedenen Punkten des Departements laufen Nachrichten über ähnliche Unglücksfälle ein. In Limoux wurden zwei Brücken sortgerissen; 7 Häuser stürzten ein, 8 Personen wurden getötet, 7 schwer verwundet. Die Bücher der Stcuerkaffe und der Sparkasse wurden vom Wasser fortgeschwemmt, der Eisenbahn- dämm ist auf eine Strecke von einem Klilometer weggeriffen. Nach Lczignan hin gleicht das Land einem ungeheuren See; neun Brücken wurden dort zerstört. Die Dörfer St. Conat und Plucherie sind verwüstet. Während der Katastrophe wütete ein vom Meer ko»«nend«r Sturm im ganzen Departement mit furchtbarer Heftigkeit. In Perpignau weckten Trompeter der Feuerwehr die Bevölkerung. Das Viertel Pont Rouge war überschwemmt und die ganze Ebene stand unter Wasser. Auch dort sind mehrere Personen umgekommen. In Ceret vernichtete der Tech fast alle Weinberge. Auf der Linie von Prades stürzten zwei Brücken ein. Jetzt hat das Fallen-deS Wassers in diesen Gegenden begon- nm«. Der angcrichtete Schaden beläuft sich auf viele Millionen. In den Rhonegegenden dauern die Ueber- schwemmungen fort, stad aber nicht so verheerend wie im Südwesten Frankreichs.
I t alten.
R o m , 30. Okt. Im Vatikan herrscht thatsächlich die größte Ratlosigkeit über den einzuschlagenden neuen Kurs. Man schreckt vor einem offenen Bruche mit Frankreich zurück. Der Papst selbst soll das völlige Fiasko der bisherigen Politik erkannt haben.
Papst Leo XIII. soll gegen die deutschen und österreichischen Katholiken in einer Unterredung mit einem Berichterstatter der dänischen Zeitung Rational Tidende bittere Beschwerde geführt haben. Die Voss. Ztg. giebt folgenden Auszug aus dem Berichte des genannten Blattes: „In einer Audienz, die der Papst dem Korrespondenten der Kopenhager National Tidende gewährte, streifte erst^rer auch die Tripel-Allianz. Er sprach seine Befriedigung über den Fortschritt der katholischen Kirche im Norden aus, besonders in Norwegen, wo deren Sendlinge großen Erfolg gehabt hätten. Die Kirche könne indessen kein Ausbreitung nach Außen und Festigkeit im In- nern gewinnen, so lange das Oberhaupt in seiner Residenz ein Gefangener und in der Hauptstadt der Christenheit ein Fremder sei. Als Rom eine weltliche Hauptstadt wurde, habe die ganze katholische Christenheit dagegen protestiert; die deutschen und österreichischen Katholiken haben aber jetzt schon diesen Protest vergessen und machten mit den Feinden der Kirche gemeinschaftliche Sache. Es sei ganz natürlich, daß > sich der >h. Muhl denjenigen gegenüber, die so weit gegangen, kühl verhalte. Der h. Vater liebe alle Kinder der Kirche ohne Rücksicht auf ihre Nationalität mit gleicher Leebe; am meisten liebe er aber die Kirche, die er beschirmen und verteidigen müsse, und da diese von dem deutschen, österreichischen und italienischen Volke bedroh! werde, müsse er für sich und die Kirche anderweit eine Stütze suchen. Diese.habe er denn auch gefunden, und weniger denn je beabsichtigte er» von seinen Forderungen abzustehen. Rom müsse wieder die Hauptstadt der Kirche werden und jeder rechtgläubige Katholik darnach streben, diesen Plan zu verwirklichen. Diejenigen, die sich dem widersetzten, wären Feinde der Kirche urtd würden als solche behandelt werden".
De 1 gi en.
Brüssel. Ueber Bo ulanger kommen neue Enthüllungen, welche 'ihn als einen ganz gemeinen Betrüger hiristellen. Es ist nämlich anscheinend erwiesen, daß die Erbschaft der Frau Bonnemain, der Geliebten Boulangers, mit Schulden überlastet ist, und daß der General nach deren Tode eine falsche Erbschaftsdeklaration gemacht hat, um die Gläubiger der Bonnemain zu hintergehen. Bon- langer griff znm Revolver und erschoß sich, um
seinem vollständigen Ruin und einer Anklage wegen Betruges zu entgehen.
Mons, 27. Okt. Die dicht an der Eisenbahn von Quevy nach Ohain gelegene, der Muttergottes von Lourdes gewidmete Capelle wurde vorgestern Abend von verbrecherischer Hand mittels Dynamit in die Luft gesprengt. Von dem vielen Reisenden bekannten hübschen Gebäude sind nur einige Reste stehen geblieben. Die Thäter sind noch nicht ermittelt.
England.
London, 31. Okt. Infolge einer neuen Meuterei in der hiesigen Grenadier-Kaserne wurden 40 Soldaten verhafte.. Die Meuterei erfolgte wegen schlechter Kost.
Die rumänische Gesandschaft in London erklärt die Nachrichten von einer Verlobung des Kronprinzen von Rumänien mit einer Tochter des Herzogs von Edinburg für erfunden.
Rußland.
Der in Rußland in einem großen Gebiet herrschende Nothaud wird durch die eingetreteue Kälte noch verschärft. Zur Bekämpfung der Not in durchgreifender Weise würden nach dem Urteil von russichen Zeitungen Hunderte von Millionen gehören, und cs steht also ein recht böser Winter zu erwarten.
Judenverfolgungen haben sich auch in der russischen Stadt Pogar abgespielt, dabei wurden acht Juden erschlagen, mehrere Hundert mißhandelt und 15 Häuser eingeäschert. Die Juden wurden während der Anwesenheit in d er Synagoge überfallen.
Kleinere Mittrilsuzeir.
VomLande, 29. Okt. Aus Z., einem Dorfe Württembergs, schreibt man den „M. N. N.": Bei einer in hiesiger Gegend abgehaltenen größeren Treibjagd, an der sich neben einem Troß von Treibern etwa 20 Schützen beteiligt haben sollen, kamen zur Strecke: zwei Hunde, eine Rehgels, vier Füchse, etliche Hasen und ein arglos in die Schützenkette gelangter Handwerksbnrsche. Doch letzterer „streckte" sich freiwillig, indem er sich aus Angst vor den schrecklichen Nimroden platt auf den Boden legte und um Schonung flchte, die ihm denn auch großmütig gewährt wurde.
Plieningen, 28. Okt. Der Filderb. meldet: Am Sonntag abend 6 Uhr trafen ein Forstwächter, sowie zwei Landjäger im Aichthal auf 4 Wilderer. Beim Verfolgen machte einer der Wilderer kehrt und feuerte aus seinem Gewehr auf einen der Landjäger auf kurze Entfernung zwei Schüsse ab, ohne zu treffen. Hierauf gaben auch die Beamten mehrere Schüsse ab. Den Wilderern ist man auf der Spur. Als mutmaßliche Thäter wurden am Donnerstag früh in Stuttgart 3 ledige, dort beschäftigte Maurer von Plattenhardt verhaftet.
Arnstdorf, 25. Oktbr. Der „Rotth. Anz." berichtet: Soeben erfahre ich aus sicherer Quelle, daß die schon längere Zeit an Geistesstörung leidende Ehefrau des L. Förster in Gründen ihr dreiviertel Jahre altes Kmd in der Bratpfanne gebraten und mittags den Leuten zum Schrecken Aller zum Essen vorsetzte.__
Ha»-el «r»d Verkehr.
Stuttgart, 28. Olt. Zur Lcdermcsse am 20. Okt. .waren zugeführt 1280 Zentner (gegen SSO Zentner im Vorjahr). Die Ware wurde größtenteils zu den seitherigen Preisen rasch verkauft Einige Posten in Wildschmalleder wurden zurückgezogen. Gesamtumsatz rund 152 400
Stuttgart, 29. Okt. Mostobstmarkt: Güterbahnhof. Zufuhr SO Waggons — 12 000 Ztr. (41 österr., 3 daher.,
1 Hess., 15 schweizer) Mostobst. Preis per Waggon 830 bis 860 (schwerer. 79) bis 8l0 ^), pr. Ztr. 4,40 bis 4,70 (schweiz. 4,20 bis 4,50 «6).
Eßlingen, 28. Okt. Mellingen Lese beendigt, vorhanden stnd noch einige kleine Reste. Preis 185—2o0 ^
Wangen, 30. Ott. Lese beendigt. Käufe zu 1l5 und 125 X. Feil noch ca. 200 KI. Käufer erwünscht-
Rothenberg, 30. Okt. Käufe von. 160—165 Pr.
3 kl. Lese noch nicht beendigt.
Besigheim, 29. Okt. Käufe von 150—175 ^ pro 3 kl. Vorrat 300 kl.
Horrheim. Einige Käufe zu 150 und 155 pro 3 kl. Vorrat noch 400 kl. Verkauf langsam. Käufer erwünscht.
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Seid. Kahr»««-u. Gteppt>«>k««st»sfe, 128 em. br.
Verantwortlicher Redakteur S t e i n w a n d e l in Nagoid. — Druck und Verlag der G. W. Zaiser'scheu Buchdrucksrei.