Der Gesellschafter.

Amts- und Intelligenz-Blatt für den Oberamts-Bezirk Nagold.

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Erscheint wöchentlich 3mal: Dienstag, Donnerstag und Samstag, und kostet vierteljährlich hier (ohne Trägerlobn) 80 ^, in dem Bezirk 1 «I,

außerhalb des Bezirks 1 20 Monats­

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Dienstag den 23. September.

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1884.

MM- KinLadung^dR,

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desHeseüHafters"

auf^das IV. Ouartal,

Preis am Ort der Expedition 80 L, in dem Bezirk 1 außerhalb des Bezirks rM. 1.20 einschließlich Postzuschlags.

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die Expedition L Redaktion.

Tages-Neuigkeiterr.

Deutsches Reich.

* Nagold, 22. Sept. Wieder liegt ein Fest hinter uns, das nach allen Richtungen tun als ein schönes, gelungenes bezeichnet werden mutz: Es ist das am letzten Samstag abgehaltene II. landwirtsch. Gaufest der Bezirke Nagold, Calw, Freudenstadt u. Neuenbürg. Auch der Himmel batte sein Einsehen und schenkte dem Tage den herrlichsten Sonnenschein. Schon den Tag vorher brachte die Bahn von den entfernteren Orten vieles Vieh, das zur Preisbewer­bung angemeldet war; am Morgen des Festtages selbst aber strömte cs mit Menschen und Vieh von allen Richtungen in die Stadt, fast als ob ein Vieh­markt statt hätte. Die Calwer Stadtmusik (die Se- minarstadt Nagold besitzt leider eine solche nichts zog halb 6 Uhr durch die Stratzen und weckte die Schlä­fer mit heitern Weisen aus ihrer Ruhe, und schon gegen 7 Uhr sah man die ganze Stadt in Flaggen­schmuck. Um Vsl.0 Uhr war sämtliches Vieh auf dem Stadtgarten (Festplatz) aufgestellt und die Schaukom­mission konnte an ihr schwieriges Geschäft gehen, denn es war so viel schönes Vieh zu schauen, daß es dem Nichtkenner schwer schien, diesem oder jenem Tier vor dem andern den Vorzug zu geben, und doch wußte die Kommission ihre Aufgabe gewissenhaft und zu allgemeiner Befriedigung zu lösen. Zog man sich von dem Beschauen des schönen Viehes ab und be­trat die Turnhalle mit ihren Ausstellungen landwirtsch. Produkte aller Art, so konnte man fast zu der Ansicht gedrängt werden, daß der Gau Nagold-Calw-Freu- denstadt-Neuenbürg nicht im Schwarzwald gelegen, sondern eine Provinz des Landes fei, wo Milch und Honig fließt. Wir sagen dies nicht mit Uebertrei-' bung, denn nicht nur Kartoffeln, Kraut, Rüben re. waren etwa in edlerer Pflanzung zu sehen, noch mehr zog die Bewunderung auf sich die Ausstellung von Obst aller Art in edlen und prächtigen Sorten, Trau­ben, als ob sie am Rhein gezogen, und vollends die herrlichen Erzeugnisse der Bienenzucht; wem wurde der Mund nicht lüstern bei den vielen Gläsern mit Honig verschiedener Art und Gewinnung. Machen wir die Runde durch die Halle selbst, so finden wir beim Eingang von Schmidmstr. Rob. Theurer hier ausgestellt Hufeisen und Ackerwerkzeuge, von Feuer­bacher u. Sohn in Ebhausen Hau- und Schneid­werkzeuge. Chr. Seeg er in Rohrdorf und Schul­lehrer Gärtner in Altbulach zeigen, daß auch der Flachsbau bei uns möglich ist. Kaufm. Fr. Schmid hier legt Muster verschiedener konservierter Holzarten vor. Uhrmacher Günther hier dient der Witterungskunde durch Aneroidbarometer. Adolf Fr au er in Wild­berg scheint auch dem Kartoffelbau seine besondere Aufmerksamkeit zu schenken. An letztere Ausstellung

i reihen sich prächtige Obstsorten aus dem Bezirk Calw. Gartengewächse in aller möglichsten Art hat Gärtner Mayer in Calw zur Anschauung gebracht. Von Günther zur Schwane liegen 2 Krauthäupte vor, die zu einer gut besuchten Metzelsuppe fast ausreichen dürften; in ebenfalls kolossaler Größe liegen daneben ein paar Gurkenkürbisse. Der nächste Tisch repräsen­tiert ein prächtiges Sortiment Obst von Vinzenz Weiß in Ottenhausen. Die Mitte der Turnhalle ist mit zwei Tischen eingenommen und zum größeren Teil belegt mit Obstarten aller Art und prächtigen edlen Sorten, erkennen lassend, daß die Aussteller wirk­lichen Fleiß und Kenntnis besitzen, um die Obst­kultur auch auf dem Schwarzwalde auf eine Höhe zu bringen, die den besseren Gegenden jetzt schon ebenbürtig an die Seite gestellt werden kann. Die Zahl der Aussteller der letzteren ist aber auch so groß, daß der Raum unseres Blattes es uns nicht gestattet, die Produkte der einzelnen Aussteller noch besonders hervorzuheben u. nennen wir daher blos deren Namen: Gem.-Baumwärter Proß in Egenhausen, Gem.-Baumwärter Hauser in Spielberg, Hände in Ebhausen, Helber in Haiterbach, Lutz in Altensteig, Gänßle, Bihler und Walz in Walddorf, Gärtner Lutz in Rohrdorf, Sattler von Effringen, Rau von Ebershardt, Knüller von Sulz, Bühler von Nothfelden, Wurster von Schönbronn, Schimpf u. Müller von Gültlingen, Hörmann von Wildberg, Kfm. Walz von da, Louis Reichert (1 Kollektion von 8 Sorten Trauben am Rahmenberg gezogen) von da, W. Geigle hier (besonders große Kamerz- Trauben), Karl Seeger in Rohrdorf, Fr. Bühler in Gültlingen (ebenfalls schönes Kraut, auch Hopfen), Link auf Tröllenshof, Schultheiß Oechsle in Lof­fenau (auch edle Kastanien, Welschkorn), Gg. Thu- dium von Calw (Gurkenkürbis von bes. Größe, Sonnenblumen, Welschkorn, Mais), Gärtner Raaf von hier (Riesenkürbis, sehr mannigfaltige Ausstellung in sonstigen Gartengewächsen), Jpser Schüler von hier (2 Riesenrettige), Schullehrer Völker von hier (Kartoffeln), Klostermüller Reichert in Wildberg (großes Sortiment Kartoffeln). Gärtner Raaf von hier zierte die Ausstellung weiter durch ein Blumen­beet und kleiner Baumschule um dasselbe. Die Baum­schule zeigt sich weiter vertreten durch Gänßle und Bihler in Walddorf, Hände in Ebhausen und Vin­zenz Weiß in Ottenhausen; die Weidenkultur durch Gänßle u. Bihler in Walddorf, Werkmeister Benz hier, Gutekunst z. Pflug hier und Karl Seeger in Rohrdorf. An der Seite dem Seminar zu sehen wir die Bie­nenwirtschaft vertreten durch vier Bienenwoh­nungen (außerhalb der Ausstellungshalle 4 bevölkerte Bienen-Kästen von Karl Seeger in Rohrdorf), durch Erzeugnisse von Honig, Wachs, Waben, Schleu­dermaschine durch den landw. Bezirksverein von Calw, Flaschner Kehle, Bierbrauer Burkhardt, Schrei­ner Lutz, Hirschwirt Klein, je von hier, Gottl. Wei­mer von Pfrondorf, Link von Tröllenshof, Schul­lehrer Schlack in Altensteig und Hirzel in Schönbronn. Günther von Gaildorf machte die Ausstellung durch Vorlegung von Bienenwirtschaftsgeräten aller Art empfehlend sich zu Nutzen. Auch einige hiesige Satt­ler, wie Braun, Hartmann, Rinderknecht haben durch Ausstellung recht sauberer Pferdsgeschirre ihrem Ge­schäfte alle Ehre gemacht, ebenso Sattler Rinderknecht, Wagner Hirth u. Schmied Brezing durch eine ele­gante Chaise, die gewiß ihren Abnehmer finden wird. In bescheidener Weise macht auch Seiler Mosapp auf sein Fabrikat aufmerksam. Treten wir wieder hinaus auf den Festplatz, so ziehen das Auge an

die vielen Ackerbauwerkzeuge, Strohschneidmaschienen, Mostpressen, Obstmahlmühlen, Dreschmaschinen, Gül­lenpumpen re. als deren Aussteller wir nennen Schmid Brezing hier (1 Wagen), Feuerbacher in Ebhausen, Robert Theurer, Wagner Börstecher, Schmid Bre­zing (auch eine mit Carbolineum konservirte Egge), Mechaniker Brezing, Mechaniker Hermann, je von hier, Mich. Kübler in Nothfelden, Schmid Sinner in Mötzingen, Mechaniker Dengler in Ebhausen und C. P. Rau in Stammheim. Mit besonderer Lust be­trachtete manche Hausfrau die Kochherde von Schlosser Zimmermann. Nachdem wir so die ganze Ausstellung gemustert, verlangte es uns, auch nach den Bieraus­schänken zu sehen, wo durchschnittlich ein noch recht guter Stoff zu haben war. Unterdeß nahte die Zeit, wo die Preisrichter mit ihrer Arbeit zu Ende und zu dem Festzug man sich rüsten mußte, der genau 2 Stunden später, als das Programm sestsetzte, sich ausführen ließ. Die Ordnung desselben war die im Programm festgesetzte und zogen besonders die 6 Paare ländlicher Trachten von Sulz, lauter kräfüge, gesunde Gestalten mit noch deutlichen Spuren der durch die Erntearbeit verursachten Gesichtsfarbe, die Aufmerksamkeit auf sich. Vor dem Eintritt auf den Festplatz begrüßte die Gäste folgende, an der Ehren­pforte angebrachte Inschrift:

Willkommen Nagold, Du Gauverband von Enz- und Nagold- und Kinzigstrand,

Tausch aus die Produkte, sei eifrig im Rat, und strebe nach Fortschritt für Gemeinde und Staat!

Nach Ankunft auf dem Festplatze betrat der Vorstand des hies. landwirtsch. Bezirksvereins, Hr. Oberamtmann Güntner, die Tribüne zur Festrede, welche den Fortschritt auf dem Gebiete der Land­wirtschaft erörterte und den Segen der Arbeit her­vorhob. Die Rede schloß mit einem dreimaligen Hoch auf die Landwirtschaft. Hierauf folgte die Preisver­teilung, welcher mit aller Spannung gefolgt wurde. Die Glücklichen sind:

Kür 2-kschauselige Karre«»

I. Balthas Dongus, Deckenpfronn . . . .

II. Höhn, Jakob, Efsringen.

III. Rapp, Daniel Fr., Walddorf.

IV. Rinderknecht, Ehr., Gültlingen.

V. Keppler, Mich., Zwerenberg.

VI. Gutekunst, Chr., Ebhausen.

VII. Stadt Nagold.

VIII. Braun, Gg., Oberhaugstett.

Jtt«ge Karre«»

I. Niethammer, Johs., Holzbronn.

II. Schaible, I. G-, Obcrkollwangen ....

III. Renz, I. G., Pfrondorf.

IV. Rau, Hugo, Calw.

V. Großmann, I. G., Aichhalden.

Kühe»

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40 40

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so

40 ., 30 25 ,. 25

I. Fischer, Chr., Conweiler.40

II. Fischer, C., vom Hof Dicke.35

III. Walz, Konr., Walddorf.35

IV. Scknveikhardt, Christophsthal.30

V. Rau, Hugo, Calw.20

VI. Schneider, Fr., Georgenau.20

Rachpreise, vom Bezirksverein Nagold gegeben:

VII. Schill, Johs., Ebhausen.15

VIII. Rauser, Müller von Nagold.10

Kalbet«:

I. Johannes Wörner, Simmozheim.60

II. Johann Andreas Walz, Walddorf.SO

III. Christian Widmayer, Kapfenhardt.40

IV. Philipp Mayer, Altensteig.35

V. Friedr. Bühler, Gültlingen.35

VI. Jakob Blaich, Stammheim.30

VII. Konrad Walz, Walddorf.30

VIII. Schmid Mörk, Stammheim.30

IX. Johs. Rcgelmann, Engelsbrand.20

X. Jakob Holzinger, Gültlingen.20

Nachpreise, vom Bezirksverein Nagold gegeben:

XI. Lammwirt Dingler in Sulz.15

XII. Christian Merkle in Nagold.15