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vffnung deö Testaments Seines Oheims hat Ihm die Her­zen alter damals Anwesenden gewonnen und ist Ursacke geworden, daß ick Ihn bei der Gräfin Koblenz in Tief­gau empfohlen habe, welche für ihren 11jährigen Enkel einen Hofmeister sucht. Hochdieselbe ist zwar als ein Teu­fel verschrieen; allein ist Jemand geeignet, es mit ihr auf­zunehmen, so ist Ers oder Keiner! Die Gräfin zahlt jähr­lich 40 Tbaler Gehalt, gibt Ihm freie Wohnung, Wä­sche und den Kammerdiencr-Tisck, will auch» falls Er cin- schlüge, zum Neujahr sich nicht lumpen lassen. Ist Ihm dieser Antrag genehm, so hat Er nichts weiter zu rhun, als des Eheste» nach Tiefgau abzureise», wo sich das Weitere finden wird. Berlin, den 4. August 1766. Sein wohlaffektionirter HanS von Dcttwitz, königl. preuß.

Kammergerichts-Prasident.

Wie Gott will! sprach nach dem Lesen diese» Brie­fes Olearius, das ist sein Finger! er packte ein. Was er an Geld von Lieschen zur Reise nach Berlin erhalten hatte, berichtigte er von dem Uebcrreste seines kleinen Schatzes und händigte es Agathen ein, welche sich untröst­lich bezeugte und das Geld nicht annehmen wollte. Noch ermahnte er das Kind, treu der Tugend und in Versu­chungen standhaft zu bleiben, dann ging er. Unten im Hause blieb er vor Lieschens Thüre eine Minute lang un­entschlossen stehen, dann klopfte er an, das letzte Lebewohl ihr zu sagen. Es war von Innen zugericgelt, als er, keine Antwort erhallend, die Klinge bewegte.

Wie Gott will! sprach er vor Schmerz vergehend und eilte davon. So schwer war ihm noch kein wie Gott will geworden wie dieses!

(Die Fortsetzung folgt.) ,

Rezept zu einer guten Tinte für Stahlfedern.

Bekanntlich wirk die gewöbnlichö Tinte sebr zerstö­rend auf die Stahlfedern ein. Hier die Vorschrift einer Tinte, welche keine Säuren enthält, und auf folgende Art bereitet wird: Eine beliebige Menge, etwa Pfund Ei­senvitriol, wird in einem irdenen Topf auf starkem Feuer- geglüht, bis eine roihe Masse entstanden ist, wodurch das Eisenorydul in rothcs Oryd umgewandclt und die Schwe­felsäure bis auf einen geringen unschädlichen Antheil aus- getrieben wird. Dieses Oryd wird sein gepulvert und zum Gebrauche aufbewghrt. Um nun die Tinte zu verferti­gen, seht man 1 Loth gröblich gestoßene Gallapfel, >/-z Loth

arabisches Gummi, 10 Loth Rcgenwasscr in einer Flasche 24 Stunden lang an, wahrend welcher Zeit einigemal ge­schüttelt wird. Hierauf fügt man von obigem Eisenoryd Vs Quentchen bei. Diese Tinte wird sogleich schwarz und graift die Federn nicht an. Trocknet sie ein, verdünnt man sie mit Wasser.

König Friedrich von Preußen

Friedrich von Preußen hielt nicht viel von seiner Akademie der Wissenschaften, und fand Vergnügen daran, ihr zuweilen seltsame Fragen vorzulcgcn. Einst verlangte er Antwort und Erklärung auf folgende Anfrage: Woher kommt cs, daß zwei an einander gestoßene Champagner­gläser keinen so Hellen Klang geben, als zwei mit jedwe­dem andern Wein gefüllt? Die Akademiker gaben zur Antwort: Da sie nicht Gelegenheit hatten, Champagner zu trinken, könnten sie die Aufgabe nicht lösen. " Der Kö­nig schickte der physikalischen Klasse zwölf Flaschen Cham­pagner; sie wurden auf seine Gesundheit getrunken, aber die Auflösung blieb aus. *

Briefwechsel zwischen demKüst e'r, derDomkir- cke zu Berlin und Friedrich dem Großen.

Sire, ich melde Jhro Majestät 1) daß Gesangbücher für die königliche Familie mangeln; ich m^lte Jhro Maje­stät 2) daß es an Holz gebricht, um den königlichen Stuhl gehörig zu Heizen; ick melde Jhro Majestät 3) daß das Geländer hinter der Kirche gegen den Fluß hin Einsturz drohet. Schmidt, Küster an der Domkirche.

Antwort des Königs.

Ich melde Herrn Küster Schmidt 1) daß die, welche singen wollen, Bücher kaufen könne»; ich melde Herrn Küster Schmidt 2) daß diejenigen, welche sich wärmen wollen, für Holz sorgen mögen; ick melde Herrn Küster' Schmidt 3) daß das Geländer gegen den Fluß hin ihn nichts angcht; ich melde Herrn Küster Schmidt 4) daß ich keinen Briefwechsel mehr mit ihm führen will.

Punktum!

Kurs für Goldmünzen, den 15. Dezember 1845.

Württemberg. Dukaten 5 fl. 45 kr. Andere Dukaten . . 5 fl. 35 kr. Neue Louisd'or . . .Itfl. kr.

Friedrichsd'or . . Holl. lOGulden-Stücke Zwanzigfranken-Stücke

9 fl. 4L kr. 9 fl. 52 kr. 9 fl. 24 k,.

FrnchtpreLse.

Frucht­

gattung.

den

Altenflaig,

17. Dczbr. 1845, per Scheffel.

den

Freudenstadt,

13. Dezbr. 1845, per Scheffel.

Tübingen, den 12. Dezbr. 1845, per Scheffel.

Calw,

den 9. Dezbr. 1845, per Sckwffel.

fl.

kr.

fl. kr.

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kr.

fl.

kr.

fl. kr.

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kr.

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kr.

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Dinkel, alt.

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Kernen .

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Roggen .

16

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28 15

15

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14

56

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Gernen .

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13

12 15

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32

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5

30

5 8

4

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5

24

4

57

4

Mühlfrucht

13

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Bohnen .

16

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14

40

14

24

12

Wicken .

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5

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4

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Erbsen .

24

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20

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20

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Linsen

16

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20

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17

36

16

Brvd- 85 Fleischprcife.

in Altenstaig: 4P.Kernenbr.14kr. Weck 6 L. 2 Q. 1 Ochsenfleisch

(Kalbfleisch ., «fl.abgez., unabgez.,

In Freudenstadt: 4P.Kernenbr.16kr. Meck5L.Q. 1 Ochsenfleisch 9 Rindfleisch . 7 Kalbfleisch . 5 Schwfl. abgez. 9 unabgez. 10

In Tübingen: 4P.Kernenbr.16kr,

Weck5L.2Q. Ochsenflcisch Rindfleisch . Kalbfleisch. . Schwfl.abgez.

1 .

8 .,

6 .

6 .

8 ,.

unabgez,, 9,

In Calw: 4P.Kerncnbr.1kkr. Weck 49. 3Q. 1. Ochsenfleisch 8 Rindfleisch . . 7 Kalbfleisch. . 6» Schwfl.abgez. 8^ unabgez. S»

Redakteur F. W. Bischer. Druck und Verlag der Btscher'schen Buchdruckerei.