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Wien Verhandlungen über einen Waffenstillstand und die Frie- weil der Kaiser von Oesterreich ihn zum Kriege gcnöthigt habe.

denspräliminarien unter der Betheiligung Baierns stattfinden. Freiherr von der Psorrten geht zum Zweck der Theilnahme in eini­gen Tagen nach Wien. i5. Juli, Nachmittags. Hier geht das Gerücht, daß zwischen Baiern und Preußen faktisch Waffenruhe eingetreten sei. 16. Juli. Die Waffenstillstandsverhandlung in Wien wird erst nach Eintreffen der französischen Propositionen beginnen. Neust ist gestern hier eingetroffen und wird heute noch nach Wien Weiterreisen.

Eine Münchener Korrespondenz der Allg. Ztg. vom 14. Juli meldet:Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, find die Friedenspräliminarien zwischen Oesterreich, Preußen und Baiern festgestellt. Oesterreich macht darin die weitestgehenden Zugeständnisse (Gebietsabtretungen in Böhmen und Schlesien u. s. w.), und räumt in Deutschland dem siegreichen Preußen entschieden den Platz. Europa wird diese Abdikation Oesterreichs unbegreiflich finden, und vielleicht zum Unheilder Völker für das gestörte Gleichgewicht einlretend cen europäischen Krieg heraujbe- schwören; was für das übrige Deutschland gegenüber dem sieges trunkenen Preußen zu gewärtigen ist, läßt sich nur zu leicht er-

Er führe keinen Krieg mit friedlichen Unterthanen. sondern mit der Armee des Kaisers.

Berlin, 12. Juli. Die Hoffnungen auf eine Systemsän­derung im Innern werden immer wieder getäuscht. Die Regie­rung hat den zuletzt von den Stadtverordneten gewählten Stadt- räthen abermals die Bestätigung versagt und von der ihr durch das Gesetz gegebenen Befugniß Gebrauch gemacht und statt der gewählten 6 von ihr ernannte königl. Kommissäre in , den Magi­strat geschickt, um die Funktionen von Stadträthen auszuüben. Sie hat Dazu ferner Miinec ernannt, vie vielleicht den entschie­denen Kreuzzeitungsmännecn angehöcen, ohne aber dar b beso'n- dere geistige Begabung sich hervorzuthun. Die Sache macht in den Kreisen der städtischen Verwaltung ungeheures Aufsehen man hatte dkß nicht für möglich gehalten, man hatte nicht ge! glaubt, daß die großen Ereignisse, deren Zeugen wir sind, ohne Einfluß auf das bisher befolgte System der inneren Politik Mei­den könnten.

Hameln (Hannover), 14. Juli. Die nachstehende, in Nr. 3l5 derN.H. Z." enthaltene Todesanzeige:Hildesheim 8. Juli

ralhen. Ein fauler Friede wird unser Loos besiegeln, und uns 1866. Nachdem am 27. Juni im Gefecht bei Langensalza mein ^ ^ - .- jüngster Sohn, Hermann Henrichen. Hauptmann im 3

die Gelegenheit rauben, durch ein energisches Eintreten für un­sere Sache gut zu machen, was bis jetzt in unglückseliger Säum- niß verloren gegangen ist. Die öffentliche Meinung hat gewiß unter den obwaltenven Umständen nicht nach Frieden gerufen und die herrschende Mißstimmung richtete sich nicht gegen den Krieg, sondern gegen die bisherige unveranlwortliche Führung desselben. Jetzt sind wir gezwungen, Alles über uns ergehen zu lassen. Be­geistert folgte das Volk dem Ruf zu den Waffen, um sie nun. Besiegten gleich, vor dem Gegner und unter dem Hohne des Auslandes niederzulegen."

Wien. l5 Juli Ein französischer Gesandtschaitssekretär, Welchem Anerbietungen einer dreitägigen Waffenruhe behufs Fest­stellung der Bedingungen eines eventuellen Waffenstillstandes aus dem preußischen Hauptquartier überbrachte, ist mit dem österrei-

hanno-

ver'schen Infanterieregiment den Heldentod gefunden, fiel am 3 d. M. mein zweiter Sohn, Karl Heimchen, preußischer Oberst­lieutenant und Kommandeur des brandenburgischen Dragonerregi­ments Nr. 2 An der Spitze seines Regiments im kühnen Rei­terangriff hat ihn die feindliche Kugel auf der Stelle tödtlich ge­troffen. Im Namen der Familie die Mutter A Heimchen, geb. Klöpper" ist so beredt, daß sie auch in weiteren Kreisen be­kannt zu werden verdient. Wie oft mögen sich zwei Brüser in ähnlicher Weise in diesem Bruderkrieg gegenüberstehen, ohne daß es öffentlich bekannt wird!

Schwerin, 12. Juli. Der Großherzog von Mecklenburg- Schwerin übernimmt auf Wunsch des Königs von Preußen den l Oberb fehl über ein zwischen Halle und Torgau zu bildendes ! Hilfskorps der norddeutschen mit Preußen Verbündeten Staaten.

chischen Gegenvorschlag zurückgereist.

Wien, 13. Juli. DiePresse" schreibt: Im Laufe des j Mn Telegramm aus Brescia berichtet, daß die österrei- gestrigen Tages ist das ganze Armeekorps des FML Hartung! chjsche Statthalterei in Verona eine offizielle Bekanntmachung aus dem Süden hier eingetrvffen. Der Brückenkopf bei Florids^sgegeben habe, aus der hervorgeht, daß die Ueberlassuug der dorf soll erreichen, was man ursprünglich durch einen Waffenstill-^xnetianischen Provinzen an Frankreich von der Annahme des stand bezwecken wollte; er soll die Preußen zu einem Umwege Waffenstillstandes von Seiten Italiens abhänge, welche Oester

zwingen und unserer Südarmee dadurch Zeit geben, vollends her­anzukommen. 14 Juli. Nach offizieller Mittheilung^haben die Preußen heute Morgen bei Jtzeldors die Grenzen des Erz­herzogthums Oesterreich überschritten.

Wien, 16. Juli. Die Berliner Nachricht von einer an­geblichen ProklamationKossuths, zunehmender Agitation in-Ungarn, dem Auftauchen bewaffneter Insurgenten werden offiziell als ein fache lügnerische Erfindungen erklärt Der beste Beweis für die Gesinnung Ungarns sei der Aufenthalt der Mehrzahl der Mit­glieder der Kaiserfamilie in Ofen, das Zuströmen ungarischer Freiwilligen unter die kaiserlichen Fahnen und das wiederholte Anerbieten ehemaliger Honved-Stabsoffiziere. gegen den gemein­samen Feind zu kämpfen. Es sei gewiß, baß eine ungarische Mas­senerhebung gegen eine eventuelle preußische Invasion vorbereitet werde; die Verbreitung falscher Berliner Nachrichten zeige wenig Vertrauen auf preußischen Erfolg.

Wien, 13. Juli. Die Kaiserin, erst gestern von Pesth hier «ingetroffen, ist heute Nachmittags 1 Uhr mit den unterdessen mit der Westbahn angelangten kaiserlichen Kindern nach Pesth zurück­gekehrt Der Abschied derselben vom Kaiser am Bahnhof war ein rührender. Die Kaiserin und der Kronprinz weinten bitterlich.

Brünn, 13. Juli (über Paris.) 45,000 Preußen find bei den Einwohnern einquartiert, welche dieselben freundschaftlich ausnehmen Die österreichischen Behörden sind fortgezogen nnd haben die Kaffen mitgenommen Man versichert, daß die Preußen, nachdem sie Jgiau besetzt haben, auf Znaim marschiren. Der König von Preußen ist in Brünn angekommen, und wurde von einer Deputation um Schonung für die Stadt gebeten. Er er­

reich die freie Verfügung über seine südlichen Stceitkräfte gewährt haben würde.

Italien Florenz (über Paris), 14. Juli. Die Kriegs­operationen werden mit gro:er Lebhaftigkeit betrieben. Cialdini hat Padua besetzt. Die Oesterreicher ziehen sich zusammen, um sich in Tyrol und Istrien zu vectheibigen. Der König ist vom Hauptquartier abgereist, um das Corps Cialdini's zu erreichen.

Frankreich. Paris, 14. Juli. DieFrance" glaubt, das Einvernehmen Frankreichs, Italiens und Preußens, in Bezug auf die Friedensgrundlagen, fei auf' gutem Wege. Es bleibe noch die Antwort Oesterreichs m wissen übrig, das in der Jsolirung nur die Wahl habe, zwischen der einfachen Annahme der gestell­ten Bedingungen und der Fortsetzung des Krieges. 15. Juli. DerMoniteur" sagt:DieFrance" diskutirt bereits die all­gemein- Richtung der von dem Prinzen Reuß überbrachten Frie­denspräliminarien. Der Prinz von Reuß hat allerdings einen eigenhändigen Brief des Königs von Preußen an den Kaiser überbracht; aber wir können das Publikum nicht genug in Schutz nehmen gegen dergleichen Nachrichten von Journalen, welche sich für gut unterrichtet halten und wir erinnern die letzteren von Neuem an die Verantwortlichkeit, welche sie damit auf sied nehmen.^

Türkei. Ko nsta ntin ope l, 14, Juli (über Paris ) In heuriger Konferenz der Gesandten der europäischen Mächte und des türkischen Ministers wurde der Prinz von Hohenzollern als Fürst der Donaufürstenthümer anerkannt und mit dem Rechte der Erblichkeit in direkter Linie bekleidet. Bukarest, 12. Juli. Nach der Annahme der Verfassung durch die Kammer leistete

widerte, raß er nicht aus eigenem Willen gekommen sei, sondern heute der Prinz von Hohenzollern den Verfas sizn gseid.

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