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„Ja, recht gern; ich danke Euch, Mutter, daß Ihr mir so liebreich zu Hilfe kommt."
„Den Rest des Geldes liefere ich an die Sparkasse unserer Klara als ein Geschenk der . . . Gräfin de Almata?"
Die Sennora ersebrack sichtbar bei dieser Frage und schlug beschämt die Augen nieder.
„Soll ich angeben, eine Unbekannte habe mir diesen Schatz znkommen lassen?" fragte die Mutter mit eigenthümlicher Betonung.
„Ja, nennt lieber eine Unbekannte," antwortete die Sennora; „eine Person, die verschwunden ist und von der man nichts mehr- weiß. So wird es besser sein."
Je länger das Gespräch dauerte, um so fester wurde die Ucberzeugung der Mutter, daß sie sich über die wahre Beziehung, in welcher die Gräfin zu Clara stand, nicht getäuscht hatte; zugleich bemerkte sie, daß die Sennora eine Last aus ihrer Brust fühlte, deren sie sich gern entledigt hätte; die geringe Sorgfalt, welche die Gräfin anwendete, um ihr Geheimniß zu verbergen, sprach sür diese Ansicht. Die Mutier wollte daher der Sennora den Weg zu einer Erklärung — sofern sie diese wünschte —kürzer und bequemer machen. Tie Gelegenheit dazu bot sich von selbst.
„Nicht wahr," sagte die Sennora, „Clara wird einen spanischen Lehrer haben und in Allem unterrichtet werden, was ein Mädchen braucht, um in der Gesellschaft zu glänzen?"
„Nein, gnädige Frau, das kann nicht sein; zu viel Wissen gereicht einer Person von niederem Stande fast immer zum Unglück."
„Ihr seid unerbittlich, liebe Mutter. Clara ist von edler Abkunft, sage ich Euch."
„Das wußte ich, ehe ich die Ehre hatte, Euch zu kennen, Frau Gräfin," antwortete die Mutter gelassen.
„Bon wem habt Ihr es erfahren?" rief die Sennora unwillig.
„Bon Clara selbst: sie spricht im Halbwachen Zustand öfters mit Bewußtsein von ihrer Kindheit; sie ist eine Nachtwandlerin!"
„O die Arme!"
„Es ist dabei nichts zu fürchten, liebe Gräfin; sie scheint nicht zu leiden, und es wird vorübergehen, wenn sie älter wird. Auw hat sie das Uebel nicht das ganze Jahr; es befällt sie im Mai, wenn alle Knospen sich öffnen und auch das Blut in den Adern sich wilder regt. Es dauert 3 bis 4 Wochen."
„Und was geschieht ihr dann? beruhigt mich um Gotteswillen, ich bin auf der Folter!"
„Ihr dürft mir glauben, gnädige Frau, daß keine Ursache zu irgend einer Beforgniß vorhanden ist. Als ich als Vorsteherin in das Waisenhaus kam, schlief Clara im Schlafsaal. Ihre Anfälle von Nachtwandeln während des Frühjahrs jagten den andern Mädchen, die damit doch bekannt waren, zuweilen einen derartigen Schrecken ein, daß das ganze Haus in Aufruhr gerieth. Dazu befürchtete ich, daß sich das Kind verwunden würde und ließ deßhalb ihr Bettchen in die kleine Kammer im Vordergebäude über der Treppe bringen. Zuerst schloß ich das Kämmerchen jeden Abend; doch ohne Zweifel ängstete das die kleine Clara, denn wenn sie des Nachts aufstand, schlug sie sich die Händchen am Schloß roth und blau. Einmal zerschnitt sie sich an den Fensterscheiben. Meister Tyselynk, der Doktor des Waisenhauses, befahl mir dann, die Thüre des Kämmerchens offen zu lassen. Jbr müßt wissen, gnädige Frau, daß unter dem Vordergebäude zwei Thore stehen, von denen das eine, auf die Straße, Las andere auf den Hof führt. Clara kann daher, wenn sie nachtwandelt, nur die Treppe herunterkommen und in dem abgeschlossenen Raume zwischen den zwei Thoren herumgehen, der nichts enthält, das sie verwunden könnte
„Mutter, beeilt Euch, um Gotteswillen, ich bebe bei Eurer Erzählung
Die Mutter heftete einen forschenden Blick auf die Sennora und fuhr fort: „In der Jahreszeit, wo die arme Clara nachtwandelt, verläßt sie gegen Mitternacht das Bett, geht vorsichtig die Treppe herunter und setzt sich auf die unterste Stufe. Dort bleibt sie ungefähr eine halbe Stunde sitzen und steigt dann in ihr Kämmerchen zurück, wo sie bis zum Morgen ruhig sortschläst. Das Merkwürdige Labei ist, daß sie die Augen weit offen hat, mit und ohne Licht sieht und in ihren Fragen und Antworten mehr Klarheit und Gefühl zeigt als im gewöhnlichen Gespräche. Auch scheint dann ihr Gedächtniß viel schärfer zu sein als sonst, denn sie spricht
wachenden Zustande völlig vergessen hat. Eine Frau muß ihr damals zuweilen gesagt haben, daß ihre Mutter reich und von Adel sei; Ließ habe ich aus Clara's abgebrochenen Reden mehr als einmal entnommen. Bei Tage darf man ihr nicht davon reden, denn sie weiß dann nichts mehr von Allem, was sie im Nachtwandeln gesagt oder gethan hat. Ja, wahrs peinlich würde sie sich nicht einmal erinnern, ihr Bett je verlassen zu haben, wenn man sie nicht zuweilen geweckt hätte, indem man sie bei ihrem Namen rief; Ließ bringt sie augenblicklich zur Besinnung."
„Ihr sagt mir nicht, Mutter, ob Ihr etwas gethan habt, um das arme Kind von dem gefährlichen Uebel zu befreien. Diese Gleichgiltigkeit nimmt mich Wunder. Wie ist es möglich, daß Ihr dem Leiden des lieben Engels zuschaut, ohne zu seiner Genesung Alles in Bewegung zu setzen? O, wenn ich an Eurer Stelle wäre!"
„Ich weiß wohl, Gräfin, daß Ihr dann hundert Doktoren von nah und fern würdet zu Rathe gezogen haben. Doch wer sagt Euch, daß ich, eine unbemittelte Frau, nicht aus Liebe zu dem Kinde das gethan, was eine Gräfin mit all' ihrem Gelde nicht hätte bewerkstelligen können?"
„Verzeiht meiner Heftigkeit, liebe Mutter, ich leide so sehr!"
„Doch muß ich noch forstahren, gnädig« Frau, das Wunderbarste bleibt zu erzählen übrig. Wenn Clara unten an der Treppe sitzt und man sie anredet, antwortet sie, als stünde ihre wirkliche Mutter vor ihr. Wenn man dieser Sehnsucht ihres Herzens nicht widerspricht, so wird in ihr die kindliche Liebe zur Hellen Flamme; sie liebkost, küßt und lacht, setzt sich auf Euren Schooß, streichelt Euch die Wangen, blickt Euch mit so seelenvollen Augen an und flüstert Euch dabei so bezaubernde Worte in's Dhr, daß eine geheime unerklärliche Macht Euch mit fick fortreißt."
Hier brach die Mutter ihre Erzählung ab, um eine Bemerkung der Gräfin zu erwarten; Mein Liese saß unbeweglich da und harrte auf eine weitere Erklärung. Tie Frau fuhr demnach fort: „Mir scheint, gnädige Frau, daß Clara's Mutter das Mädchen, als es in der ersten Kindheit war, öfters und zuweilen stundenlang herzte und küßte und dabei viel Thränen vergoß; denn zuweilen beginnt Clara in ihrem Scheinschlaf zu weinen, weil sie meint, daß ihre Mutter weine. In solchen Augenblicken, gnädige Frau, erscheint das Kind so rührend und reizend. Laß selbst ein steinernes Herz dem Eindruck ihrer Worte und Mienen nicht entgehen könnte. O, wenn ihre Mutter es Hörtel Gewiß würde sie alle Gefahr vergessen, um durch die Liebe zum Trost und Glück des Mädchens beizutrage», dessen unschuldige Seele so leidet unter dem Einfluß eines geheimen Uebels. Ihr weint..Gräfin? hat meine Erzählung Euch so angegriffen? Verzeiht mir!"
Die Sennora saß wie vernichtet da, die Augen voll Thränen. Sie antwortete nicht auf die Anrede der Mutter und schien selbst ihre Gegenwart vergessen zu haben; sie rührte sich nicht, als ihre Freundin sie bei der Hand nahm, um sie zu trösten.
(Forts, folgt.)
Notizen über Preis u. Gewicht der verschiedenen Getreidegat- tungen nach dem Schrannen-Ergebniß vom 4. Juli 1863.
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5
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5
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5
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Linsen
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Stadtschultheißen-Amt.
Gottesdienste.
Sonntag, den 12. Jull. Vorm. i Predigt): Herr Dekan Heberte. — ^ ^ .. .. > . .ssmderlehre mit den Söhnen 2. Claffe. — Nachm. (Predigt): Herr Diakonatövrr-
vvn gewissen Umstanden aus ihrer erst en K indhert, welche sie lMweftr Schmidt._-
Nrdigin, gedruckt und verlegt von A. Delschtäger.