Zeitungen C. Enztäler und Vorgänger

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LAUFZEIT

1843-1945

BESTANDSHALTENDE INSTITUTIONEN

Kreisarchiv Calw (1843-1930), Stadtarchiv Neuenbürg (1931-1932, 1934-1936, 1937 2. Halbjahr bis 1943, 1944 2. Halbjahr), Stadtarchiv Bad Wildbad (1933, 1937 1. Halbjahr, 1944 1. Halbjahr, 1945)

GESCHICHTE

Schon seit 1826 existierte für das Oberamt Neuenbürg eine frühe Form der Zeitung. Am 1. April jenen Jahres wurde von Adam Friedrich Rivinius, Besitzer der Papierfabrik Hirsau, Antiquar, Kommissionsbuchhändler und Buchdruckereibesitzer in Calw, die erste Ausgabe mit dem Titel „Wöchentliche Nachrichten für die Oberamts-Bezirke Calw und Neuenbürg“ herausgegeben. Die Oberämter Calw und Neuenbürg hatten also ein gemeinsames Nachrichtenblatt. 1832 übergab der Verlagsgründer den Betrieb an seinen Sohn Gustav F. Rivinius, der seine Buchdrucker-Ausbildung in Nürnberg gemacht hatte.

Ein eigenes Publikationsorgan bekam Neuenbürg 1843. Am 1. Januar erschien das „Amts- und Intelligenz-Blatt für den Oberamtsbezirk Neuenbürg“, redigiert, gedruckt und verlegt von Christian Friedrich Meeh in Neuenbürg. Das Druckereigebäude befand sich mitten in Neuenbürg am Marktplatz. Das im Quartformat gedruckte Blatt umfasste vier Seiten und wurde zweimal wöchentlich, mittwochs und samstags, herausgegeben. Es bestand vor allem aus obrigkeitlichen Verordnungen und Bekanntmachungen, amtlichen und im Lauf der Jahre zunehmend privaten Anzeigen sowie Rätseln und anderen unterhaltenden Beiträgen. Der Bezugspreis lag bei zwei Gulden jährlich, eine Anzeigenzeile kostete zwei Kreuzer. Ebenso ab 1843 verlegte Meeh in der Sommersaison das „Badblatt für Wildbad, Teinach, Liebenzell“ (später auch für Herrenalb), für das er in seinem „Amts- und Intelligenz-Blatt“ fleißig inserierte. Von Anfang an hatte Meeh zwei Mitarbeiter zur Seite, die sich im Unterhaltungsteil durch die Veröffentlichung von eigenen Gedichten und Rätseln hervortaten: Dekan Gottlieb Ludwig Eisenbach und Wilhelm Ganzhorn, zunächst „Gerichtsaktuar“ und später Oberamtsrichter, dessen bekanntes Gedicht „Im schönsten Wiesengrunde“ neben vielen anderen seiner Gedichte erstmals im „Enzthäler“ abgedruckt wurde.

Schon im zweiten Jahr konnte das Zeitungsformat vergrößert und die Auflage langsam, aber stetig gesteigert werden. Aufgenommen wurden nun auch die Erörterung öffentlicher Streitfragen, wie zum Beispiel die mögliche Verwendung von Brennöl-Lampen für eine moderne Straßenbeleuchtung. Im Vorfeld der 1848er-Revolution wurde in Württemberg als Folge anhaltender Beschwerden und Proteste am 1. März 1848 die Presse-Zensur aufgehoben, unter der auch Christian Friedrich Meeh zu leiden hatte. Er konnte sein Blatt nun nicht nur inhaltlich erweitern und einen „Hauch der Freiheit“ wehen lassen, sondern er gab ihm prompt (ab 25. März) einen neuen Titel: „Der Enzthäler. Anzeiger und Unterhaltungs-Blatt für das ganze Enzthal und dessen Umgegend“.

Tatkräftige Unterstützung bekam Meeh ab 1848 von seinem Sohn Jakob, der in Frankfurt das Buchdruckerhandwerk erlernt hatte. Dieser schrieb nicht nur mit geschliffener Feder, sondern er veröffentlichte auch eigene Gedichte, und nach dem Tod seines Vaters 1851 folgte er ihm nach als Redakteur und Verleger. Jakob Meeh lag die Förderung des Gewerbes sehr am Herzen, was kaum verwundert, war er doch selber als Verleger nicht nur von Zeitungen, sondern von Druckwaren jeder Art Gewerbetreibender. Als Folge der wachsenden Kurgast- und Einwohnerzahlen in Wildbad errichtete er dort eine Filiale und gab ein eigenes Wildbader Badblatt heraus. Seit 1867 erschien der „Enzthäler“ dreimal wöchentlich, 1870 erfolgte wieder eine Vergrößerung des Formats, und ab 1882 wurden vier Ausgaben pro Woche gedruckt. Redakteur war inzwischen Meehs Sohn Christian, der 1890 nach dem Tod seines Vaters der Inhaber wurde. Der 50. Jahrgang 1893 brachte ein erneut größeres Format und einen neuen Zeitungskopf. Die Aufgeschlossenheit Meehs für den technischen Fortschritt zeigte sich unter anderem bei der Einführung des Telefons in Neuenbürg 1893, als der „Enzthäler“ als erstes angeschlossen wurde und die Telefonnummer 1 erhielt. Auch bei der Einführung der Elektrizität wenige Jahre später war der Verlag einer der ersten Betriebe mit Stromanschluss. Mitten im Ersten Weltkrieg wurden ab Jahresanfang 1916 sechs Ausgaben wöchentlich produziert. Ende 1918 übergab Christian Meeh den Betrieb an David Strom aus Ulm. Auch in den kommenden Jahrzehnten blieb es bei der Bezeichnung „Druck und Verlag der C. Meeh’schen Buchdruckerei des Enztälers“.

Strom schaffte 1919 eine moderne Setzmaschine anstelle des seitherigen aufwändigen Handsatzes an. Der entstandene Zeitvorteil verschaffte Strom öfter die Möglichkeit, um die Mittagszeit herum eine zweite Tagesausgabe mit aktuellen Meldungen herauszubringen. Nachdem das Zeitungsformat noch einmal vergrößert wurde, entstanden zwischen 1923 und 1927 die Nebenausgaben „Calmbacher Tagblatt“, „Birkenfelder Tagblatt“ und „Herrenalber Tagblatt“. Bald danach wurde der gesamte Maschinenpark der Druckerei erneuert. Strom war im Verbreitungsgebiet stets präsent, ein hervorragender Lokalberichterstatter und dazu noch in verschiedenen Vereinen engagiert. 1930 übergab er die Firma an Fridolin Biesinger, seinen Schwiegersohn, der schon vorher im Betrieb mitgearbeitet hatte, und er zog sich in den Ruhestand nach Rottenburg/N. zurück.

In den Folgejahren wurde die traditionelle Heimatverbundenheit des Blattes noch vertieft und der Lokalteil ausgebaut. Freie Mitarbeiter wie der Dichter Richard Zoozmann aus Herrenalb oder Rudolf Müller aus Herrenalb-Gaistal brachten sich verstärkt ein. Die Gleichschaltung der Presse in der Zeit des Nationalsozialismus machte auch vor dem „Enztäler“ nicht Halt. Fortan nannte er sich „Der Enztäler. Parteiamtliche nationalsozialistische Tageszeitung. Wildbader NS-Presse, Birkenfelder, Calmbacher und Herrenalber Tagblatt. Amtsblatt für das Oberamt Neuenbürg.“ Den neuen Kurs gewährleistete eine „enge Zusammenarbeit“ mit dem Neuenbürger Kreisleiter Hugo Böpple. Kleinere Blätter mussten ihr Erscheinen zugunsten des „Enztäler“ einstellen, so im Herbst 1933 der „Wildbader Lokalanzeiger“ und 1936 das „Wildbader Tagblatt“, nach dem erzwungenen Rücktritt seines Herausgebers Theodor Gack. Das „Wildbader Tagblatt“ wurde in den Untertitel aufgenommen. 1937 übernahm der „Enztäler“ die Wildbader Kurzeitung und setzte seine „längst nötig gewordene“ Neugestaltung um.

Die politische Ausrichtung des Blattes ist unter anderem an den Beilagen zu erkennen, so erscheinen ab 1934 „Die deutsche Glocke“ (hrsg. von dem NS-Schriftsteller Hans Reyhing) und „Schwabenland – Heimatland. Sonderbeilage der NS-Presse“, mit vielen Beiträgen ebenfalls von Hans Reyhing und von August Lämmle. 1938 kam die Beilage „Reisen und Wandern. Beilage für den Fremdenverkehr im nördlichen Schwarzwald“ dazu. Die Heimatbezogenheit der Zeitung als zentrales Merkmal wurde 1936 auch in dem neuen Zeitungskopf mit Schwarzwaldhaus und zwei dunklen Tannen deutlich. In der Rückschau auf das 100jährige Jubiläum des „Enztäler“ Ende 1942 glaubte man noch fest an die „Überwindung aller Widersacher deutschen Wesens“ und an einen „baldigen und siegreichen Frieden“. Der Umfang der Zeitungen musste in den folgenden Jahren kriegsbedingt immer mehr beschränkt werden. Die letzte Ausgabe des „Enztäler“ am 5. April 1945 umfasste nur noch zwei Blätter. Erst 1949 konnte der „Enztäler“ wieder seine Leser erfreuen.

BESCHREIBUNG VERFASST VON

Martin Frieß (2021), Kreisarchiv Calw

LITERATUR UND REGISTER