Zeitungen A. Kreisnachrichten und Vorgänger

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LAUFZEIT

1826-1945

BESTANDSHALTENDE INSTITUTION

Kreisarchiv Calw

GESCHICHTE

Adam Friedrich Rivinius, Besitzer der Papierfabrik Hirsau, Antiquar, Kommissionsbuchhändler und Buchdruckereibesitzer in Calw, hatte am 19. Dezember 1825 an König Wilhelm I. von Württemberg ein Gesuch gerichtet, in dem er um die Konzession für ein Wochenblatt bat. Am 22. Februar 1826 wurde die Genehmigung erteilt mit der Auflage, dass in das neue Blatt „keinerlei politische oder räsonnirende Artikel aufgenommen“ werden dürfen und dass von jeder Ausgabe ein Exemplar dem Königlichen Oberamt in Calw bzw. der Königlichen Zensurkommission in Stuttgart vorzulegen sei. Am 1. April 1826 konnte die erste Ausgabe unter dem Titel „Wöchentliche Nachrichten für die Oberamts-Bezirke Calw und Neuenbürg“ erscheinen. Das an jedem Mittwoch erscheinende Blatt bestand vor allem aus obrigkeitlichen Verordnungen und Bekanntmachungen, amtlichen und privaten Anzeigen, Bekanntgaben aus dem Kirchenbuch (Geburt, Heirat, Tod), den Preisen für Brot, Fleisch, Früchte und sonstige Lebensmittel sowie unterhaltenden Beiträgen.

1832 übergab der Verlagsgründer den Betrieb an seinen Sohn Gustav F. Rivinius, der seine Buchdrucker-Ausbildung in Nürnberg gemacht hatte. Nachdem der Druckereibesitzer Christian Friedrich Meeh in Neuenbürg seit 1843 ein eigenes „Amts- und Intelligenzblatt für den Oberamtsbezirk Neuenbürg“ herausgegeben hatte, wurde das Organ ab dem 21. November 1849 in „Calwer Wochenblatt. Amts- und Intelligenzblatt für den Bezirk“ umbenannt. Nachdem Gustav F. Rivinius im November 1856 starb, übernahm sein Schwiegersohn Adolf Oelschläger den Verlag am 18. März 1857.

Anfang 1862 wurde das Zeitungsformat vergrößert auf Viertelbogen zugunsten einer ausführlicheren politischen Berichterstattung und mehr Unterhaltung. Nach dem Tod von Oelschläger 1875 übernahm seine Witwe Sophie den Verlag bis zu ihrem Tod am 25. Oktober 1881. Zwei Tage später teilte der Schwiegersohn Paul Otto Adolff in einer Anzeige mit, dass er die „Buch- & Steindruckerei von A. Oelschläger – Verlag des Calwer Wochenblatts“ übernommen habe. Ab dem 2. Januar 1912 erschienen dem gestiegenen Lese- und Informationsbedarf entsprechend sechs Zeitungsausgaben wöchentlich statt bisher drei, nunmehr den neuen Titel führend „Calwer Tagblatt. Amts- und Anzeigenblatt für den Oberamtsbezirk Calw“. Für die Redaktion wurde die Stelle eines Redakteurs geschaffen, die von 1912 bis 1914 Paul Kirchner einnahm. Nach dem Tod von Paul Otto Adolff am 3. Mai 1929 übernahm sein Sohn Paul Gustav Friedrich Adolff den Zeitungsverlag, zusätzlich zur Buchdruckerei, die er seit 1912 geleitet hatte.

1933 musste sich auch das Calwer Tagblatt dem Druck der nationalsozialistischen Gleichschaltung beugen. Nachdem bereits seit dem 9. Juli 1932 die NSDAP die „Schwarzwaldwacht“ als Tageszeitung für die Oberämter Calw und Neuenbürg herausgebracht hatte, wurden zum 1. November 1933 beide Zeitungen zur „Schwarzwald-Wacht. Calwer Tagblatt“ als Parteiorgan der NSDAP verschmolzen. An der neu gegründeten „Schwarzwald-Wacht GmbH“ war Adolff mit 45 Prozent beteiligt, während 55 Prozent bei der „NS-Presse Württemberg GmbH“ lagen, die damit das Sagen hatte. Als Mitgesellschafter war Adolff auch an der Gewinnausschüttung beteiligt, hatte aber keinerlei Einfluss auf Inhalt und Gestaltung des Blattes mehr. Zum 1. April 1943 wurde der „Gesellschafter“ Nagold in die „Schwarzwald-Wacht“ integriert mit Verweis auf die Erfordernisse des Krieges, der „mit seinen harten Gesetzen … die äußerste Kraftanstrengung und die Zusammenfassung aller Energien“ verlange. Die „Schwarzwald-Wacht“ firmierte fortan mit dem Untertitel „Calwer Tagblatt/Nagolder Tagblatt ‚Der Gesellschafter‘ – Amtsblatt für den Kreis Calw“. Ab Februar 1945 musste der Umfang der „Schwarzwald-Wacht“ statt bisher vier auf nur noch zwei Seiten reduziert werden. Die letzte Ausgabe erschien am 3. April 1945.

BESCHREIBUNG VERFASST VON

Martin Frieß (2021), Kreisarchiv Calw

LITERATUR