Lokales.

Sicherem Vernehmen nach beabsichtigt die Sprachheil-Lehrerin Frl. Pracejus, die be­reits an verschiedenen Orten Kurse für Stot­ternde und Stammelnde mit gutem Erfolge geleitet hat, in Wildbad gleichfalls einen Heilkursus für Leidende abzuhalten. Leider nur zu bekannt ist die Störung, die dergl. Leiden, den damit Behafteten verursachen. Eine körperliche und selische Marke peinigt sie durch die ganze Schulzeit und verfolgt sie bis ins späteste Alter, macht sie zu man­chem Beruf, den sie gewählt hätten, unbrauch­bar und hält sie gar vom Besuch mancher Gesellschaft, die sie gern besuchen würden, mit Beschämung zurück. Es liegt daher in ihrem eigensten Interesse, die dargebolenc Gelegenheit zu ihrer Heilung um so ver­trauensvoller wahrzunehmcn, als ihnen die Zeugnisse, die Frl. Pr. aufweist, eine hin- gebcnde und gründliche Behandlung, sowie dauernden Erfolg verbürgen. (Näheres stehe Inserat.) _

N « u v s ch a «.

Stuttgart, 29. April. Im Jahr 1901 können sich um Verleihung der vom König gestifteten Erinnerungsmedaille diejenigen Mi- litärvereine bewerben, welche als Gründungs­jahr das Jahr 1876 führen und mindestens seit dem 1. Januar 1889 dem Bunde an­gehören. Der Nachweis über das Gründ» ungajahr wird von allen in Betracht kom­menden Vereinen verlangt. In der Regel dürfte genügen, wenn vom Bezirksobmann oder auch vom Schullheißenamt auf Grund denselben vorgelegter Protokollbücher, Kassen­bücher, Statuten rc. das GiündungSjahr 1876 beglaubigt wird. Der Termin zur Vorlage wird spätestens auf 1. Oktober d. I. fest­gesetzt.

Stuttgart, 29. April. Die Abgeordneten­kammer begann heute die Beraturq des Ju- stiz-ElatS. Der Berichterstatter Haußmanr- Gerabronn machte einleitende Bemerkungen und brachte verschiedene Wünsche zum Aus­druck. Er nahm namentlich die Krimina­listen gegenüber den Zivilisten in Schutz Die Landjäger sollten als HilfS.eamte der Staatsanwalt möglichst wenig verwendet wer­den. Bei Auswahl der Schöffen sollten po­litische Rücksichten nicht maßgebend sein. Ge­gen Strafkammerurtetle muß Berufung ge­stattet sein. Die Zuziehung von Laien zu den Strafkammern ist erwünscht. Die Vor­lage einer Statistik der Begnadigungen wäre von Interesse. Der Justizministcr v. Breit­ling erwiderte in der gewohnten geschickten Weise ausführlich auf die Ausführungen HaußmannS. Vizepräsident Dr. v. Kiene hielt eine längere R-de, in welcher er na- mentlich auf die Vorbildung der Juristen zu sprechen kam. v. Geß schloß sich in der Hauptsache dem Vorredner an und ersuchte um Auskunft über die Erfahrungen bezüglich der bedingten Begnadigung. Schließlich brachte Rembold-Aalen noch den Wunsch nach einer Linderung bzw. Erweiterung der Haftpflicht der Eisenbahnverwaltung und nach einer mög­lichsten Einschränkung der Einzelhaft bei Untersuchungsgefangenen zum Ausdruck.

Der erste Treffer der RennverrlnS- Lotterie siel auf ein von einem Wetnwirt in Bövlingen gekauftes Los. Gewinner sind einige Herrn, die das Geld wohl gebrauchen können.

LudwigSbnrg, SS. April. In Anwesen»

heit des KönigSpaareS und des CultuSministerS erfolgte geOern die Grundsteinlegung der neuen Garnisonc-kirche. Der König begleitete den Hammerschlag mit den Worten:Gott dem Vater den Sohne und dem heiligen Geiste sei Leb und Preis in Ewigkeit."

Heilbroun, 30. April. (Unfall.) In einem Garten waren mehre Knaben im Alter von 11 und 12 Jahren mit dem AuSgraben eines Stumpens beschäftigt. Hiebei wollte ein 11 jähriger Knabe mit einer Haue aus den Swmpen einhauen, traf aber einen der anwesenden Knaben so unglücklich auf den Kopf, daß diesem die Hirnschale eingeschlagen wurde. Der Verletzte Knabe wurde dem Spi­tal übergebe».

Calmbach, 28. April. Gestern mittag spielte das 2'/« Jahre alte Kind der Wnw- Regina K ck von hier ohne Aussicht a,r Wasser. Gegen -t Uhr suchte tue Muit-r nach d-mi lben, jedoch ohne Erioia. Wabr- jcheiriitch «st dos Kind m die Enz ijkfolle«- und ertrunken.

Backnang, 29. April. Auf der Station Oppenweiler kam ein aus dem benachbarlen Zell gebürtiger Ankuppler zwischen die Puff-r zweier Wagen. Der Brustkasten wurde ihm vollständig eingedrückt. Eine Aussicht aus Erhaltung des Lebens ist nicht vorhanden. Der Veruuglückie ist um so mehr zu be­dauern, als er durch das Ankuppeln einem Kollegen einen Freundschaftsdienst erweisen wollte und so aus diese Weise ins Unglück kam.

Karlsruhe, 29. April. Am Samstag nachmittag ging über Mittelbaden ein schweres Hagelwetter nieder, das an Bäumen und Feldfrüchten großen Schaden anrichtete. Es fielen Hagelstückc in Größe von Hühnereiern, welche die in reicher Blüte - stehenden Birn- und Zwelichgcnbäume ihrer Blüten beraubte und das tereitS mittelhoch gewachsene Korn- graS gänzl ch in den Ackerboden hineinschlugen. In Mannheim schlug der Blitz in das Holzlager der Firma Johann G<org Lutz, das bald in Hellen Flammen stand; anch ver nebenan befindliche Lagerplatz der Firma Lächerte riurde stark tn Mitleidenschaft ge­zogen , dl auf demselben 3 Schuppen voll, -räudig zerstört wurden. Der Schaden be­trägt ca. 40 000

Lndwigshasen, 29. April. (Verhaftet). In den l'Klen Wochen hat der Unhold, der hier Frauen und Mädchen mit Messerstichen anfiel, der »Aufschlitzer", wieder mehrmals sein Wesen gelrteben. Kriminalbeamte in weiblicher Kleidung haben den gefährliche« Kerl gestern abend auf der That ertappt. Es ist rin lediger Arbeiter, der verlobt ist und tn acht Tagen Hochzeit halten wollt-. Der früher verhaftete Viehireiber Damian wird nun wohl entlasten werden.

Frankfurt, 29. April. Wie die Franks. Ztg. aus Griesheim meldet, hat der AusfichtS- rab und die Direktion der Gesellschaft »Elek­tron" in weitgehendster Weise ihre Fürsorge für die Verunglückten bethätigt, indem ste aus eigenen Mitteln lOO OOO^l bewilligten. Auch soll tn der am 1. Mai stallfindende» Generalv rs-immlung ver Antrag aus Bewillig­ung von 200 000 gestellt werden. Es yai sich ein Httsskomite gebitdet, welchem der Minister des Innern aus staatlichen Mitteln 10 000 überwieS.

Wiesbaden, 29. April. Wie der »Rhein. Kurier" meldet, trat unmittelbar nach der Beerdigung der verunglückten Arbeiter heute

nachmittag unter dem Vorsitz des Regierungs­präsidenten Dr. Wentzel-Wiesbaden das kon­stituierte HilfSkomite zu einer Sitzung zu­sammen, in welcher dem Ortskomite eine be­trächtliche Summe zur sofortigen Unterstütz­ung überwiesen wurde.

Griesheim, 30. April. Laut amtlicher Mitteilung wurden beute vormittag bei den AufräumungSarbeitcn 3 weitere Leichen ouf- gefunden. Vier Personen werden noch ver­mißt. (Damit würde die Zahl der Toten aus 17 vezw. 21 anwochsen.)

Frankfurt a. M., 30. April. Nach Mit­teilung der Direkuon der chemischen Fabrik .Elektron" wurde heule mittag außer den bereits gemeldeten 3 Toten noch ein vierter unter den Trümmern aufgefunden.

Der Kais-r richtete an den Groß- berzog von Baden ontäßtich des 60jährigen MiliiärdienstsubiiäumS desselben eine längeres Handschreiben, in welchem er namentlich der -r'otftreichen Thätigk-tt des badischen Herr­schers bei der Wiederausrichtung und beim Ausbau des Deutschen Reiches gedenkt.

Glück muß man haben, wenn man reich werden will. Der Baumeister Philipp Uederle in Heidelberg kaufte vor 8 Jabren ein Grundstück an der Krtegsstraße für 6000 Mark und verkaufte eS soeben wieder für 143 000^ Das Gelände fällt wahrschein­lich in das Gebiet des künftigen Bahnhofs.

RhodeS beinahe gesaugen. Die »Ex­change Telegraph Eompagny" in Kapstadt meldet: Es heißt, Rhodes sei beinahe am Samstag auf der Etsenbahnstrecke bei Kim- bkllry von den Buren gefangen worden. Die Buren sprengten die Eisenbahn vor seinem Zuge.

Laudon, 30. April. Dem Bureau Reuter wird aus Peking gemeldet: Nach hier ein- gctroffenen Berichten über die Kämpfe in den Schaust-Pässen war ein Teil der deut­schen Truppen in einer Schlucht beim Ku- kuan-Paß in eine Falle geraten. In einer Abteilung von 80 Mann gab eS 45 Unfälle. Die Chinesen behaupten, ihre Verluste seien nur minimale. Die Wirkung der deutschen Operationen wird im allgemeinen ungünstig beurteilt. Die Chinesen sagen, die Deutschen seien unter schweren Verlusten zurückgetrieben, und die Maste des chinesischen Volkes glaubt dies.

Verschiedenes.

Der herzlichen Bitte zur Winterszeit: ..Füttert die Vögel!" folgt jetzt zur Zeit des Frühlings der gleichfalls warme Appell an alle Gutgesinnten :Schützet die Vögel!" Denn kaum haben unsere gefiederten Sänger sich wohnlich in Feld, Wald und Garten niebergetoffen, so sind auch schon rohe Hände am Werke, die traulichen Tierchen zu ver­folgen und ihre Nester zu zerstören, werden vte bei ihrer Wiederkunft so freudig Be­grüßten durch manche Feinde, die sie natur­gemäß tn der Tierwelt und durch solche, die ste unbegreiflich-rweiie unter den Menschen vaben, mit scvwerem Leid und Ungemach be­droht: Deshalb schützet die Vögel I Be­hütet ste vor ruchlosen Buben, vor Katzen und Vogelstellern und ermahnt insonderheit die Kinder vor solch schändlichem Treiben, führt ihnen den Nutzen der Vögel in Schule und HauS belehrend vor Augen, dann wer­den ste in ehrfurchtsvoller Scheu jedem Neste fern bleiben und unsere Worte werden ihnen und ihren Schützlingen zum Segen gereichen.