Frs. überschreiten sollen, in strasgerichtliche Untersuchung qezoaen worden. Von einer Verhaftung wurde mit Rück­sicht auf das hohe Alter des Angeklagten, 74 Jahre, Abstand genommen.

In Verviers wurde der Bankbeamte August Johnen, der im letzten Mal in Bonn 100000 Mark entwendet hatte, verhaftet.

Aröeitervewegung.

Berlin, 17. Juli. In der Zentrale für Milch- verweriung ist heute Morgen ein Streik der Mtlchkutfcher ausgebrochen, weil die Direktoren einen Vertrag zur Unter­schrift vorlegten, der für die Kutscher wesentlich ungünstigere Lohnbedingungen enthält.

Hamburg, 17. Juli. Der Streik der Kesselreiniger ist nach Vereinbarung des neuen Lohntarifs beendigt. Die Heuerbureaus des Hamburger ReedervereinZ begannen heute mit der Wiedereinstellung der am Streik beteiligt ge­wesenen Seeleute.

Aus ISürtterrrSerg.

Dienstuachrichte«. Verletzt: Den LandgerichtSrat Güntter in Stuttgart an das Landgericht Ravensburg und den Laudgerichts- rat Beutele von Ellwangen an das Landgericht Rollweil, je ihrem Ansuchen gemäß. ^ .

Ernannt: Den Landrichter tit. Laudgerichtsrat Dr. Kobel in Stuttgart zum LandgerichtSrat in Stuttgart und den Landrichter Mandry in Stuttgart zum LandgerichtSrat in Ellwangen.

Uebertragen: Die Stelle des Oberlehrers au der Ackerbau- schulc in Hohenheim dem Schullehrer Heiter in Meimsheim, OA. Brackcnheim. _

Vom Landtag. Die Kommission für Gegen­stände der inneren Verwaltung hat heute den zweiten Nachtrag zum Etat und die Denkschrift über die Einführung von Wanderarbeitsstätten in Württemberg be­raten. Von Seiten der Regierung wohnte Staatsminister des Innern, Dr. v. Pischek, mit Regierungsrat Rau an. Der Berichterstatter Jmmendörfer befürwortete die Einrichtung von solchen Arbeitsstätten, legte deren wesent­lichen Unterschied gegenüber den früher in Württemberg bestandenen Naturalverpflegungsstationen dar und estllte im Hinblick auf die günstigen Erfahrungen, die man mit den Pastor von Bodelwingh'schen Anstalten in Preußen gemacht habe, den Antrag, die Etatsposition zu genehmi­gen. Gegen die Art der Einrichtung, namentlich die Art der Beschäftigung, die Forderung der Arbeitsnachweise, die Vorschrift der Wanderstraßen, wegen der Schwierigkeit, Ar­beitsgelegenheit zu beschaffen, werden verschiedene Beden­ken geltend gemacht, und Verbesserungen gewünscht. Von anderer Seite wird geltend gemacht, die Position sei nur zu bewilligen, wenn es gelingt, ein lückenloses Netz von Arbeitsstätten durch das ganze Land zu schaffen. An der Debatte beteiligte sich Mattutat, Sommer, Schick, Röder. Schließlich wurde die Exigenz mit 20 OM Mk. für jedes Jahr einstimmig genehmigt.

Stuttgart, 17. Juli. Bet der gestrigen Ziehung der Tailfinger Kirchenbaulotterie wurden folgende Hauptgewinne gezogen: Es fielen 15 000 Mk. auf Nr. 20636, 5000 Mk. auf Nr. 66lK3, 2000 Mk. auf Nr. 79515. je 1000 Mk. auf Nr. 44960 und 50490. Den ersten Treffer mit 15 000 Mk. haben 10 Berufsfeuerwehrmänner der Cannstatter Be­rufsfeuerwehr gewonnen. (Ohne Gewähr).

Stuttgart, 18. Juli. Tie heurige Hauptver­sammlung des Verbands Deutscher Touri­stenvereine, dem aus Württemberg der Schwäbische Albverein, der Württ. Schwarzwald-Verein, der Verein für Fremdenverkehr in Stuttgart und zahlreiche Einzelper­sonen als Mitglieder angehörew, findet am 31. August! und den folgenden Tagen in An nab erg in Sachsen statt. Die schmucke Stadt Annaberg, 600 Meter über dem Meer und überragt von dem 832 Meter hohen Pöhlberg, ist die geschichtliche Und wirtschaftliche Zentrale des säch­sischeil Erzgebirges. Auf der Tagesordnung steht ein reich­haltiges Programm. Anfragen Und Anmeldungen sind vor 1. August an Bürgerschuldirektor Dr. Wünschmann in Augsburg zu richten. _

In Alten st adt OA. Geislingen wurde am Mon­tag ein etwa 20jähriger Zementarbeiter verhaftet. Er hatte bin ebenso altes Spinnereimädchen aus Eifersucht mit Idem Revolver bedroht und auf offener Straße 2mal auf das Mädchen geschossen, ohne zu treffen, sodann war er in die Wohnung des Mädchens eingedrungen und hatte dem Mädchen den Revelver auf die Brust gesetzt; doch versagte die Waffe. Das Mädchen hat im Schrecken über diesen Vorfall die Gegend verlassen.

Der Mordprozetz Ha«.

Karlsruhe, 7. Juli

Heute hat hier vor dem Schwurgericht die Verhand­lung gegen den Rechtsanwalt Dr. Karl Hau begonnen, der beschuldigt ist, am 6. November 1906 seine Schwieger­mutter, Frau Molitor, Witwe eines Medizinalrats in Baden-Baden, niedergeschossen zu haben. Der Prozeß hat folgende Vorgeschichte: Der Angeklagte Dr. Hau, der Sohn des früheren Zentrumsabgeordneten Hau in Bern­kastel, ein jetzt 26jähriger Mann, hatte während seines Studiums in Zürich dort die älteste Tochter Lina des Medizinalrats Dr. Molitor geheiratet, nachdem er das damals 26jährige Mädchen, das zu einer Zeit mit einem Offizier verlobt war, seinen Eltern entführt hatte. Er ging mit seiner Frau nach Amerika, studierte dort noch sechs Semester und wurde dann an der Washington-Uni­versität außerordentlicher Professor für römisches Recht, sowie in der Folge Vertreter einiger deutscher und öster­reichischer Anwälte beim Bundesgericht in Washington. Auch betrauten ihn mehrere amerikanische Großindustrielle mit ihrer Vertretung bei der Durchführung einiger Rie­senprojekte, zu deren Vorbereitung Hau verschiedene Rei­sen nach der alten Welt machen mußte. Auf einer die­ser Reisen begleitete ihn seine Gattin mit ihrem drei­jährigen Töchterchen, die er nach inzwischen erfolgter Aussöhnung mit seiner Schwiegermutter bei dieser in Baden-Baden ließ, während er selbst sich im Juli v. I. auf mehrere Monate nach der Türkei begab, um dort mit der Pforte in Unterhandlungen einzutreten. Nach

der Rückkehr von Konstantinopel soll er in Wien einen Scheckschwindel verübt und später in Baden-Baden seine Schwiegermutter aus bisher noch nicht festgestellten Grün­den ermordet haben. Zu einer Zeit, als er nach den Berechnungen seiner Verwandten von Baden-Baden aus über London bereits die Rückreise nach Newyork ange­treten haben mußte, soll er feine Gattin allein nach Lon­don vorausgeschickt haben und am Morgen des 6. No­vember von Frankfurt a. M. nach Baden-Baden herüber­gefahren sein, wo er gegen 5 Uhr nachmittags vom dor­tigen Postamt aus die Frau Geh. Rat Molitor unter falschen Vorspiegelungen nach dem Postamt lockte und dann die auf dem Wege dahin befindliche Dame mit ei­nem Revolevr niedergeschossen haben soll. Er ist dann einige Minuten später mit dem Schnellzug über Frank­furt nach London abgereist, wo er am Abend des nächsten Tages festgenommen und in der Folge an die Karls­ruher Staatsanwaltschaft ausgeliefert wurde. Seine Frau begab sich vor kurzer Zeit nach der Schweiz und ertränkte sich dort im Pfäffikoner See, nachdem sie kurz vorher einen Abschiedsbrief geschrieben hatte, der in der gegen­wärtigen Verhandlung eine Rolle spielen dürfte.

Den Vorsitz im Gerichtshöfe führt der großherzog­liche Landgerichtsdirektor Dr. Eller. Die Anklage ver- Ltritt Staatsanwalt Dr. Bleicher, während Landge­richtsrat a. D. Rechtsanwalt Dr. D i e tz - Karlsruhe die Verteidigung des Angeklagten übernommen hat. Es find 60 Zeugen geladen.

Unter großem Andrang des Publikums beginnt die Verhandlung. Der Angeklagte Hau erscheint in schwar­zem Gehrock. Bei seiner Vernehmung leugnet er den Mord am 6. November verübt zu haben. Aus Befragen des Vor­sitzenden gibt er zu, sich viel und wahllos mit Frauenzim­mern abgegeben zu haben. In Konstantinopel, wo er für die Oil Company mit der türkischen Regierung über verschiedene Projekte verhandelte, ferner auch wegen des Baus eines Kreuzers, soll er verschwenderisch gelebt haben. Schließlich war das Geld Hau's in Konstantinopel zu Ende gegangen Und er fuhr über Wien nach Baden, nachdem! er in Wien zirka 9000 Kronen aus einen Kreditbrief erho­ben hatte- Er kam am 18. Oktober 1906 nach Baden Und verblisb bis am 25. Oktober 1906 in der Villa Molitor. Von hier reiste er mit Olga Molitor nach Paris. Auf die Frage, ob er zu Olga in einem näheren Verhält­nis gestanden' habe, verweigert Hau die Antwort. Von Paris traf ein Telegramm in Baden ein folgenden In­halts:Erwarte Dich mit dem nächsten Zug, Olga krauk. Lina." Der Angeklagte, der in der Voruntersuchung be­stritt, die Depesche geschrieben zu haben, verweigert heute die Auskunft darüber. Die .Schwiegermutter ist mit dem gewünschten Zug nicht abgereist, sondern schon früher und bereits am folgenden Morgen zur größten Ueberraschung ihrer TochtSr Lina eingetroffen. Am 31. Oktober reiste Frau Molitor mit ihren Töchtern Fanny und Olga wie­der nach Baden, während Hau nach London reiste. Doch gab Hau für sich selbst ein Telegramm auf, das ihn wie­der auf den Kontinent berief. Vorsitzender: Was haben Sie mit diesem gefälschten Telegramm bezweckt? Angeklagter: Darüber verweigere ich die Auskunft. Vorsitzender: Sie haben sich in London einen falschen Bart angelegt, warum? Angekl.: Ich wollte bei meiner Ab­reise nicht erkannt werden. Vorsitzender: Von wem? Angekl.: Darüber sage ich nichts aus. Ich hatte Be­sprechungen, mit Personen in Frankfurt, doch lehne ich es ab, die Namen zu nennen. Der Angeklagte gibt wei­ter an, daß er am 4. November in Franffurt angekommen Und imEnglischen Hof" abgestiegen sei. Dort habe er sich am 6. November einen Bart anfertigen lassen und sei sodann mit Perrücke und falschem Bart nachBaden gefah­ren. Auf die Frage, warum er dies getan, verweigert er die Auskunft, auch darüber, ob Irl. Olga Molitor von seiner Reise Kenntnis gehabt habe. Vorsitzender: Was haben Sie in Baden-Baden gemacht? Angeklag­ter: Ich bin entschlossen, keine Auskunft zu geben über meine Tätigkeit in Baden-Baden. Vorsitzender: Sie sind in Baden-Baden wiederholt gesehen worden. Sie ha­ben au!ch in die Villa Molitor telephoniert und mitge­teilt, Frau Molitor möge auf das Postamt kommen, um Mitteilungen über das Pariser Telegramm zu erhalten. (Frau Molitor ging darauf mit Olga zur Post, ans welchem Wege die Tat geschah.) Vorsitzende^: Ihr ganzes Ver­halten zeigt in Ihrer Verteidigung Mangel an Gefühl für das Recht, für die eigene Verantwortung und für jede Reue. Der Angeklagte verweigert ans wiederholtes Befragen, warum er den Bart weggeworfen habe, jede Auskunft. Sodann wird ein Brief der Frau Hau aus London verlesen, in welchem sie ihren Angehörigen in Ba­den mitteilt, daß ihr Mann nochmals geheime Ordre er­halten habe, auf den Kontinent zu gehen. Sie selbst müsse offiziell krank sein.

Vorsitzender: In London sind Sie sofort ver­haftet worden und haben auf Befragen zugegeben, daß Sie von Baden gekommen seien. Wer soll nun der­jenige sein, der Ihre Schwiegermutter er­schossenhat? Angeklagter: Darüber kann ich keine Auskunft geben. Vorsitzender: Ihre Mittel waren knapp geworden. Resultate hatten Sie mit Ihren Angelegenheiten nicht erzielt. Die Vermutung liegt nahe, daß Sie den Mord begangen haben, um Ihre Schwie­germutter zu beerben. Auf wiederholtes eindring­liches Befragen, warum er in Baden gewesen sei, und was er dort getan habe, gibt der Angeklagte keine Aus­kunft. Vors.: Ihre Frau ist in den Tod gegangen. In ihrem letzten Willen schreibt sie, das Kind solle einen an­deren Namen erhalten. Aus dem ganzen Brief ist er­sichtlich, daß Ihre Frau Sie nicht für unschul­dig hielt. In einem weiteren Brief an den Staats­anwalt schreibt die Frau, daß sie ihren Mann für geistes­krank halte. Der Verteidiger beantragt, einen Brief der Frau Hau an die Verteidigung zu verlesen ,in dem sie mitteilt, daß der Staatsanwalt an sie das Verlangen ge­richtet habe, Material gegen ihren Mann beizubringen. Vorsitzender: Hatten Sie einen Revolver in Baden? Angeklagter, nach langem Besinnen: Darüber verweigert ich die Antwort. Vorsitzender: Man hat aber den Revol­ver in Ihrem Koffer gefunden. Angekl.: Der Koffer war aber in Karlsruhe. Einen zweiten Revolver habe ich nicht besessen. Vors.: Haben Sie in Baden einen Schuß

! gehört? Angekl.: Darüber verweigere ich die Auskunft.

§ Der Vorsitzende fragt sodann ans Wunsch der Verteidigung: Hat vielleicht die Tochter Olga anstatt der Mutter ge­troffen werden sollen? Angekl.: Darüber verwei­gere ich gleichfalls die Antwort.

Durch Zeugenaussagen aus Wien wjrd festgestellt, daß Hau persönlich die 400 Pfund bei der Bank in Wien in österreichischem Gelbe erhalten habe, sodaß die An­gabe Haus, daß ein anderer die Summe erhoben hat, falsch ist. Nach 1 Uhr tritt eine Pause bis 4 Uhr ein.

Am Nachmittag beginnt die Vernehmung der Zeugen. Nachdem das Personal des Karlsruher Bahnhofes seine Beobachtungen über den Mann mit dem falschen Bart mitgeteilt, wird Fräulein Olga Molitor, eine große, schlanke, hübsche, hellblonde Dame, als Zeugin in den Saal gerufen. Sie würdigt den Angeklagten keines Blik- kes. Der Angeklagte schlägt die Augen nieder. Sie be­kundete : Am 6. November 1906, nachmittags gegen 6 Uhr, klingelte es am Telephon. Das Mädchen fragte, wer da sei. Es wurde gesagt: Postinspektor Gras, er möchte Frau Medizinalrätin sprechen. Mama trat ans Tele­phon, ha wurde ihr gesagt, sie solle sofort aufs Postamt kommen, das Aufgabeformular der gefälschten Depesche sei aus Paris gekommen. Mama sagte, sie werde am folgenden Tage kommen, da sie sehr erkältet sei. Es wurde ihr aber erwidert, die Sache sei so dringend, daß sie sofort selbst zum Postamt kommen müsse. Mama zog sich infolgedessen sofort an, sie wollte zunächst allein zum Postamt gehen; ich erbot mich jedoch sogleich, sie zu be­gleiten. Als wir aus der Bismarckstraße kamen, sah ich eine Männergestalt, die uns auf Schritt und Tritt nachkam. Dies kam mir unheimlich vor. Plötzlich in der Nähe der Lindenstaffel krachte ein Schuß. Mama war getroffen, sie fiel sofort lautlos tot zu Boden. (Die Zeu­gin schluchzt bei diesen Worten heftig). Nach dem Schuß sah ich einen Mann mit langem Mantel nach dem Bahn­hof zu laufen. Vors.: Haben Sie den Mann genau gesehen? Zeugin: Nein. Vors.: IchHin genötigt. Ihnen die Frage vorzulegen, hatten Sie irgendwelche nähere Beziehungen zu dem Angeklagten? Zeugin: Niemals. Vors.: Hat der Angeklagte Ihnen einmal die Kur gemacht? Zeugin: Nein. Vors.: Ist Ihnen bäannt, daß der Angeklagte be­züglich Ihrer Person einmal irgendwelche Ab­sichten hatte? Zeugin: Nein. Auf weiteres Befra­gen bemerkt die Zeugin: Sie halte es für ausgeschlossen, daß vom Dienstpersonal ein Racheakt ausgeübt worden sei. Sie könne bestimmt versichern, daß nur ein Schuß gefallen. Vors.: Angeklagter, was haben Sie auf die Aussage des Frl. Molitor zu sagen? Angekl.: Nichts.

Vors.: Sie haben nichts auf dre Aussage zu bemerken?

Angekl.: Nein. Vors.: Angeklagter, Sie haben heute vormittag Andeutungen gemacht, als ob zwischen Ihnen und der Zeugin nähere Beziehungen bestanden haben. Geben Sie jetzt zu, daß die Aussagen des Frl. Molitor wahr sind? Angekl.: Ich habe,nichts dagegen einzu­wenden. Auf weiteres Befragen des Vorsitzenden be­merkt die Zeugin: Sie habe den Hau für einen abnorm klugen, geistig sehr hoch stehenden Mann gehalten. Der Angeklagte habe sehr große Ausgaben gemacht. Er habe

> allerdings stets von großartigen Plänen, durch die er Un- ' summen verdienen werde, gesprochen. Vors.: Haben Sie ihm das geglaubt? Zeugin: Jawohl. Vors.: Wenn Sie gewußt hätten, daß seine Pläne nur Flunkerei seien, würden Sie alsdann sein luxuriöses Leben gebilligt ha­ben? Zeugin: Dann keineswegs. Auf Antrag des Verteidigers wird ein Brief der verstorbenen Gattin des Angeklagten verlesen. In diesem klagte sie ihrer Mutter ihre Not. Sie müsse sich sogar selbst die Wäsche wa­schen. Sie sei mit ihrem Schicksal trotzdem ganz zufrieden, es wäre eine Grausamkeit, ihr Familienglück stören zu wollen. Ihr Mann hatte trotz seiner Jugend eine her­vorragende Stellung bei der Univsrsität erlangt. Der Gerichtshof beschließt danach, die Zeugin zu ver­eidigen. < ^

Der folgende Zeuge ist Geh. Medizinalrat und Haus- ürzt Dr. Naumann-Baden. Er sei viele Jahre Hausarzt bei Molitor gewesen. Die ermordete Frau Molitor habe ihm oftmals gesagt, Sie ahnen nicht, wie viel ich nach Amerika schicken muß, mehr, als meine anderen Kinder wissen dürfen. Frau Molitor sei eine kerngesunde Frau gewesen, die gut noch 15 bis 20 Jahre leben konnte, zu­mal in ihrer Familie mehrere Leute sehr alt geworden seien. Der Täter müsse in knieender Stellung geschossen haben, um das Herz zu treffen. Die Kugel sei in den Rücken durch die Rippen mitten durch das Herz gegangen. Der Sachverständige zeigt den Geschworenen das in Spi­ritus ausbewahrte Herz. Der linke untere Lungenlappen war ebenfalls durchbohrt. Das Geschoß sei nicht gefun­den worden. Daß, der Tod durch Zerreißen des Herzens und der Lunge innerhalb einer Sekunde eingetreten, sei selbstverständlich. Auf Befragen des Vorsitzenden be­merkt der Sachverständige noch, daß nur ein Schuß ge­fallen sei. Die Verhandlung wird danach gegen 8 Uhr abends auf Donnerstag vormittags 9 Uhr vertagt.

Kandel und AolSsrvirLkHaft.

Stuttgart, 17. Juli Die bekannte Weinwirtschast Weber in der Eßlingerstraße kaufte Restaurateur Ko pp in der Bahnboistraße um »02000 Mark.

Feuerbach O A. Stuttgart, 17. Juli Die Weinberge stehen hier zur Zeit sehr schön, der Beerenansatz ist ein guter, die Trauben entwickeln sich schön, so daß dt- Aussichten nicht schlecht find.

Schramberg, 18- Juli. In der vorgestern stattgehabten AuffichlsratSsitzung der Vereinigten Uhrenfabriken von Gebrüder Junghans und Thomas Haller A.-G. wurde beschlossen, der am 8. August 1927 stattfindenden ordentlichen Generalversammlung vorzuschlagea, aus dem Reingewinn von 663.376M- 9< Psg., nach Dotierung der gesetzlichen Reserve und erhöhten ordent­lichen Abschreibungen nack Zuweisung von 60 000 Mk. an die Ex.ra- Reserve und nach Berücksichtigung der Tantiemen, Remunerationen und eines Beitrag« zur Venfionskasse, eine Dividende an die Aktio­näre von 7 Prozent zu verteilen und 72.516 M. 86 Psg. auf neue Rechnung vorzutrageu.

Schwarrwalb, 15. Juli. Das mit Schnee begleitete Frost­wetter Ende letzter Woche hat an Kartoffeln und Gartengewächsen großen Schaden angertchtet. In St. Blasien herrschte 1 Grad Kälte. Die beim Heuen beschäftigen Landleute zündeten auf den Feldern Feuer an, um sich zu wärmen. In der Bonndorfer Gegend froren Brunnen zu. Die ganze Ernte ist vier Wochen rückständig. Die Kur­orte klagen fast ausnahmslos über geringen Fremdenbesuch. Auch der Touristenverkehr ist recht gering.