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Zeit durch italienische Arbeiter das untere Mauerwerk aufgeführt wird. Die Kirche kommt aus eine kleine Geländeerhöhung mit schöner! Aussicht auf den See zu stehen. Die Kosten^ im Betrage von etwa 40 000 Mark werden' hauptsächlich durch namhafte Beiträge von Privaten aufgebracht, darunter 12 000 Mark von einer hier wohnenden Dame aus Würt­temberg.

Berlin, 34. Aug. Den Abendblättern nach soll bei zwei Töchtern eines Schiffers Pinnow, welcher mit seinem Fahrzeug im hie­sigen Nordhafen lag, im Moabiter Kranken­hause die asiatische Cholera festgestelll worden sein. Sichere Nachrichten fehlen.

Berlin, 25. Aug. Aus Ersparnißrück- sichten soll vom 1. Oktober ab bei den preuß­ischen Staatsbahnen die erste Wagenklaffe fort­fallen, soweit berechtigte allgemeine Interessen' dadurch nicht beschädigt werden. §

Berlin, 36 Äug. DerNat.-Ztg " f zufolge wurde gestern der dritte Cholerafall i im Krankenhause Moobit festgesteüt. Der' Mechaniker Baumgart hatte in der infic rten j Spree gebadet, Die Badanstalten wurden ge­schlossen.

Gotha, 35. Aug. Der Landtag trat um 10 Uhr heute Vormittag zusammen. Staatsminister Strenge gab Kenntnis von dem Ableb n des Herzogs, überreichte die Slerbeurkunde und sodann die Urkunde der Eidesleistung des Herzogs Alfred, wobei er erklärte: In Gemäßheit der gesetzlichen Be­stimmungen übernahm Herzog Alfred die Re­gierung. Unter den Wünschen, die Regier­ung möge dem Land und dem Reichs zum Segen gereichen, nahm der Landtag davon Kenntnis. Darauf erfolgte der Schluß der Sitzung.

Schloß Reinhardsbrunn, wo Herzog Ernst von Sachsen-Koburg-Goiha ge­storben ist, war ursprünglich ein Kloster und enthielt die Begräbnisstätte der thüringischen Landgrafen. Im Bauernkrieg ging 1525 das Kloster in Flammen auf und die Güter wurden Kammergut. Den jetzigen Schloßbau ließ 18371835 Herzog Ernst I. durch die Architekten Heideloff (geb. 1788 zu Stutt­gart) und Eberhardt aussühren. Von Her­zog Ernst II. stammen noch einige Nebenge­bäude und die Kirche. Berühmt ist die Ge- weihsammlung im Schlosse.

Köln, 22. Aug. Gestern Nachmittag starb in Rhöndorf der Buchdruckereibesißer und Verleger derKölnische» Volkszeitung" Herr I. P. Bachem im Alter von 71 Jahren.

Posen, 24. Aug. 2 höhere Regie­rungs- und Sanitätsbeamte sind behufs Er- ! kundigungen über den Stand der Cholera an die russische Grenze abgereist. Bis jetzt wurde! ermittelt, daß bis zum 20. Aug. in Colo' 134 Personen an der Cholera erkrankten und 61 Personen starben.

Innsbruck, 23. Aug. Nach dem Inns­brucker Tagblatt ist Walther Hänel, der Sohn eines Dresdener Justizrats, am Schrankogel

Lyon, 35. Aug. An der Schweizer­grenze ist ein bedeutender Schmuggel entdeckt worden. lieber 20,000 Schweizer Uhren sind in Blechdosen als condensirt« Milch eingeführt worden.

Rom, 24. Aug. Vergangene Nacht sollte eine Versammlung von Anarchisten statt­finden, welche Ausschreitungen begehen wollten. Mehr als 30 Anarchisten würben auf dem Wege zur Versammlung verhaftet.

Mailand, 24. Aug Eine hauptsäch­lich aus Anarchisten bestehende Volksmenge zertrümmerte gestern Laterne» und die Schau­fenster mehrerer Gebäude. Gendarmerie zer­streute die Menge und nahm 23 Verhaf­tungen vor.

Neapel, 35. Aug Bis heute Mittag ist kein weiterer Zwischenfall vorgekommen; der Straßenverkehr ist der alltägliche, die Läden sind noch geschloffen, der Tiamway- verkehr ist noch eingestellt Der Kutscherstreik dauert fort, die Truppen wurden verstärkt; nachts erfolgten über 200 Verhaftungen.

im Oetzthal adgestü er den Schrankoge' Leiche infolge des Hänel bei sich hatte ausharrte. Der S Verstorbenen, sowie

Führer wollte k Man fand die fes Pudels, den bei der Leiche und die Uhr des

.. ,- tOO fl. wurden eine

Viertelstunde unterhalb der Absturzstelle ge­funden. ^

Trieft, 25. Ang. ^Der Ungarische Ab­geordnete Critoawe hat sich gestern hier er­schossen.

A n t w e r p e n, 26. Aug. Offiziell wird bekannt gegeben, daß bis jetzt 28 Erkrankungen und 16 Todesfälle an Cholera hier vorkamen.

Das Wrandrrngtück in SoCmbnch.

Salm b ach, 25. Aug. Eine Schreckens nacht liegt hint-r uns. Gestern Abend nach S Uhr wurde unser Dorf durch eine verhee- r nde Feuersbrunst heimgesucht In dem Gast­haus z.Löwen" entstand Feuer, welches be. günstigt durch die Trockenheit und den Wasser­mangel, mit rasender Schnelligkeit um sich griff, so daß in kurzer Zeit das Löwenwirts­haus, das Rat- und Schulhaus, sowie noch

3 weitere Wohnhäuser in Aiche gelegt wur­den. In dem Löwenwirtshaus waren auch die vom Pforzheimer städtischen H lfsverein zur Erholung dorthin geschickten armen Kin­der untergebracht. Dieselben waren gerettet bis auf eines (s. u.) Ein hiesiger Bürger wollte dasselbe aufsuchen und retten, mußte aber wegen dem starken beißenden Rauch sich wieder zurückz'ehe». Da unternahm es der Gold­arbeiter Jakob Schrot h von hier noch ein­mal, drang in das brennende Gebäude ein, durchsuchte mit eigener Lebensgefahr die Bett­stellen der Kinder und fand das fehlende in Decken ganz eingewickelte Kind vor und brachte es auch glücklich in Sicherheit ohne selbst Schaden zu nehmen. Die Kinder wurden zum größten Teil in das nahe gelegene Dorf Engelsbrand verbracht. Es sind zusammen 8 Familien obdachlos geworden. Der Ge­bäudebrandversicherungswert der abgebrannten

5 Gebäude beträgt 59 320 Mk., die Mobi­liarversicherung zusammen ca. 40000 Mark.

6 Stück Rindvieh, 4 Schweine, l Hund und eine Anzahl Hühner sind mitverbrannt und leider muß als feststehend angenommen wer­den, daß das ganze Brandunglück durch böse Hand verursacht ist.

DemSchw. Merk." wird über das Brandunglück in Salmbach geschrieben: Gestern Nacht wütete in dem 1Us St von hier entfernten Salmbach eine fürchterliche Feuersbrunst. Das bei Luftkurgästen und Ausflügler«, weithin rühmlichst bekannte Gast­haus z. Löwen, das Schul- und Rathaus, 2 Doppelwohnhäuser, ein einfaches Wohnhaus und 4 Scheunen, sowie verschiedene Neben­gebäude sind bis auf den Grund niederge­brannt. Leider sind aller Wahrscheinlichkeit nach auch Menschenleben zu beklagen, indem von den 47 Pforzheimer Ferienkolonisten, die im Löwen seit einiger Zeit einquartiert waren,

4 Mädchen vermißt werden, welche allein in einer Mansarde untergebracht waren. Zwei da­von sollen von ihren Unglücksgenossinnen noch

gesehen worden sein, und es besteht Hoffnung, daß sie sich vielleicht noch finden; bei einem 8*/, jährigen Mädchen scheint eS jedoch Ge­wißheit zu sein, daß es den Tod gefunden hat. Der Löwenwirt Walz, einige seiner Kurgäste und einige Lehrer der Umgegend hatten sich bis 9 Uhr in der am Hof liegen­den Kegelbahn vergnügt und waren kaum in die Wirtschaft zurückgekehrt, als der Ruf Feuer! ertönte und binnen weniger Minuten das ganze langgestreckte Gebäude, das Schul- haus unv 2 andere Gebäude in Flammen standen; da ein heftiger Westwind wehte, gab es Flugfeuer, das bei den durch die Hitze ausgedörrteu Schindeldächern sofort zündete. Da alles mit der Rettung der Fe- nenkolonisten, die weinend durcheinander sprang­en, beschäftigt war und das Feuer sich mit rasende« Geschwindigkeit verbreitete, >o war es zu spät zur Rettung des Viehes und der .vahrnis. So verbrannten dem Löwenwirt Walz 7 Stück schönes Vieh, sowie die Habe sämtlicher Kurgäste. Auch der Lehrer Uhl und die übrigen Abgebrannten konnten nur das Leben retten. Es herrschte infolge der anhaltenden Trock nheit vollständiger Wasser­mangel und war die Feuerwehr zur Unthäligkeit verdammt; das gefährliche Flugfeu r verhin­derte auch zum großen Teil die Nettuugs- arbeiten. Wie sehr das Feuer gewütet hat, kann inan daran ersehen, daß das blühende Anwesen des Gasthauses z. Löwen dem Erd­boden gleich gemacht ist Der Zulaus aus den umliegenden Ortschaften, namentlich aus Pforzheim, unv der Jammer der Abgebrannten und der bedauernswerien Eltern, die ihre Kinder unter den Trümmern suchen, ist ein ungeheurer.

S a l m b a ch, 26 Aug. Es ist nun als sicher anzunshmen, daß die 4 vermißten Mädchen mit Namen Bogner, Bührer, Frick und Schneider, im Alter von 13, 9 und 8'/z Jahren, elend in den Flammen umge­kommen sind. Diese traurige Thatsache erhöht das an und für sich schon große Unglück in höchst betrübender Weise. Heute Mittag hat sich die Gerichtsbehörde auf dem Brandplatz eingefunden, um die gerichtliche Untersuchung auf dem Brandplatz vorzunehmen. Wie ver­lautet ist eine der Brandstiftung verdächtige Person bereits verhaftet worden.

Unttrhalkkndks.

An den Unrechten gekommen.

Hmnoreskevo» Th. Müller-Pl atteusteiner.

(Fortsetzung.)

(Nachdruck verboten.)

Der Lieutenant hat mittlerweile das Buch aufgeklappt und fuhr mit dem Finger an den alphapetischen Namen herunter:M, murmelte er hierl Mo . . . Mo- dan . . . Moffer . . . Morgwald . . . Mokart . . . Molluer . . . Momming . . . Mopper ... ah hier ... sieh da .. . Moser, Julius . . . Seite 114, 116, 124, 126, 130, 131, 132 . .

Herr Julius Moser wollte etwas sagen, er verstummte aber, als der Lieutenant aus Zufall oder Absicht war nicht zu bestim­men das ominöse Buch so hielt, daß ihm vo» dem ovalen Schilde desselben die schön und deutlich geschriebene Aufschrift eut- gegeuleuchtete:

Strafbuch für 1867.

Daß diesem zähen Lieutenant doch das Donnerwetter! Dem kleinen Rentier wurde