Schwarzwälder Tageszeit««- „Aus de« Ta««ea"
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,ck»llsrats und dessen Arbeiten auf den verschiedenen Ge- : §en Leider muß festgestellt werden, daß sich die Lage der i ^ritwirtschaft gegenüber dem Vorjahre nicht wesentlich ge- j Mert hat Oberforstrat Staub-Dischingen, behandelte die i smae der ..Entschädigung bei Durchhieb von Hochspan- > ^lnasleitungen durch Wald". Prof. Graf von der Mate, i -talorüfungsanstalt an der Techn. Hochschule sprach an ; ^<rnd von Lichtbildern über „Neueste Waldsägmeriuche". j Forstmeister Volz-Herrenberg berichtete über „Oedlandauf- s ^rstung in Württemberg", wobei nicht allein die Belange . der Forstwirtschaft, sondern mehr noch die der allgemeinen . m»denkultur in den Kreis der Betrachtungen zu ziehen : -. V. Die Landwirtschaft hat in den letzten Jahrzehnten ;
ihrer schwierigen Lage Grund und, Bodm abge- . »»Len der zum Teil dem Oedlan-d zugefallen ist; nach roher s Ääküm handelt es sich um etwa 12 000 Hektar, die zum nrokeren Teil im Gemeindebesitz, zum kleineren Teil im : Privateigentum sich befinden. Die allgemeinen Wirtschaft- j licken Verhältnisse lassen auf ein Fortschreiten einer sol- ? cken Entwicklung schlichen. Es mutz das Ziel gesetzt werden, - die verlassenen Grundstücke planmäßig und sachkundig wie- ^ der einer zweckmäßigen Verwendung zuzuführen. Forst- j direktm Schmid-Wolfegg sprach noch über „Erunderwerbs- t jstenerfreHeit beim Austausch von Waldgrundstücken". ' ' Zusammenschluß der württ. Gaswerke. ^ Wie wir erfahren, sind zurzeit unter den württ. Gemein- ^ den mit eigenen Gaswerken Bestrebungen für den Zusam- l menschlich zu einer besonderen Organisation im Gange, i Diese Organisation soll der Förderung einer großzügigen, f rationellen und gemeinnützigen Gasversorgung Württem- , bergs dienen. Die Zersplitterung die bei der Verbreitung ? der Elektrizität dadurch entstand, daß die einzelnen Städte k für sich vorgingen, soll vermieden werden. Dazu wollen die ! württ. Gaswerke beim Ausbau der Gasversorgung geschlos- : sin vorgehen und einen einheitlichen Plan mit dem Zweck ! anfstellen. die einzelnen Gemeinden vor unnötigen Kapital- l Investierungen zu bewahren. Die Selbständigkeit der ein- s zelnen Gemeinden, insbesondere die Tarifhoheit, bleibt da- s Lei durchaus aufrecht erhalten. . -
278 Jahre Stadtgarde. Die 273jährige Jubelfeier s der Stuttgarter Stadtgarde zu Pferd nimmt am Samstag s abends 8 Uhr mit einem großen Festbankett im Stadtgar- l ten ihren Anfang. Am Sonntag vormittag 11 Uhr findet ! ein Musikfestreiten der Garde in der städt. Reithalle statt. ! Am l42 Uhr treten die Württ. Bürgerwehren in ihren , traditionellen Uniformen auf dem Hegelplatz zu einem s großen Festzug zum Rathaus an, wo die Weihe der neuen Korpsstandarte vorgenommen wird. Die eigentliche Jubi- ^ läumsfeier im Festsaal der Liederhalle beginnt am Sonntag abend lL7 Uhr.
Regierungs antworten auf Kleine Anfragen. Aus eine Kleine Anfrage des Abg. Zentler (BB) betr. Ausbau der Bahn Forchtenberg-Ohrenberg hat das WrWaftsministerium auf Grund einer Aeußerung der < Reichsbahndirektion Stuttgart geantwortet, daß ein solcher j Ausbau nicht in Bälde in Aussicht genommen werden ! könne. — Auf die Kleine Anfrage eines anderen Abg. betr. ! di: Zulassung fremder Wanderarbeiter in Württemberg s antwortete das Wirtschaftsministerium, daß es allmählich f gelungen sei, die Zahl der zugelassenen ausländischen Ar- s beiter zu senken. Sie beträgt in diesem Jahre nur 401 gegen ! 500 im Jahre 1926 und 550 im Jahre 1925. Die auslän- ! dischen Wanderarbeiter verteilen sich in der Hauptsache auf > die zuckerrübenbautreibenden landwirtschetflichen Betriebe, s zu einem kleineren Teil auf einige größere Güter Ooer- schwabens. 8
Rätselhaftes Doppelleben des Raubmör- t ders Schüler. Der ,?Vayer. Kurier" gibt folgende Schilderung über den Mörder der B. Lochmann. In München, im Anwesen Hirschbergstraße 11, wohnt seit vielen Jahren der heute 40 Jahre alte Montagemonteur Johann Schüler mit seiner Frau und seinem 18 Jahre alten Sohn. Schüller, der in einer Münchner Firma als Monteur tätig war, genoß bei dieser Firma das größte Vertrauen, da er ein fleißiger, zuverlässiger und ruhiger Arbeiter war, weshalb er ständig auf Montagearlbeiten ausgeschickt war. Auch im Viertel, wo er wohnt, war er wegen seines zurück- Wtenden Wesens sehr geschätzt. Niemand ahnte, daß hinter chm ein Verbrecher erster Güte stand. Während er für seine Firma Montagearbeiten bald da und dort ausführte, benützte er die Nachtzeit, verwegene Einbrüche auszuführen, än Stuttgart, wo er zwischen dem 20. und 29. September mit Montagearbeiten täig war, verübte er bei einem seiner Einbrüche in der Kammer des Dienstmädchens Berta Lochmann einen Raubmord. Dann ging er wieder seiner Arbeit ruhig nach und kehrte am 28. September ruhig, als I wäre nichts geschehen, nach München zu seiner Familie zu- r buck, ging wieder an seine Arbeit und wieder auf Montage. ^ Bor einigen Tagen sollte das seltsame Doppelleben- des f ^ . sies seme Klärung finden. Als er wieder in Nürnberg » aus Montags war, machte er erneut in der Nacht einen : lndruch und wurde überrascht und festgenommen. Durch » ZHe tiestnahme und die Erhebungen kam man auf dis L vpur von 12 ungeklärten Einbrüchen und durch Haussu- s Mngen auf den Täter des Raubmordes in Stuttgart. We- i er seine Frau, noch sein 18 Jahre alter Sohn, wußten r on dem Treiben des Mannes und Vaters das Geringste. ! äm Krieg erwarb er das Eiserne Kreuz 1. Klasse. s
Mühlacker, 24. Mai. (Empfindlichkeit.) Aus ganz gering- ? mgiger Ursache machte hier am Samstag abend ein 18jäh- ^ mger Metzgerlehrling einen Selbstmordversuch durch Er- z hangen. Der Grund zur Tat war eine Ohrfeige, die der ? äunge für ungebührliches Benehmen erhalten hatte. k
Pfullingen, 24. Mai. (Einbruchsdiebstahl.) Ein frecher > Enrbruchsdisbstahl wurde in der Nacht zum Sonntag im Konfektionsgeschäft von Paul Bettelei verübt. Der Einbrecher drückte an einem gegen das Staigersche Haus ge- ? Menen Fenster eine Scheibe ein, durch die er ins Haus ein- »
stieg und in den Laden gelangen konnte. Dort stahl er drei Anzüge und einen Mantel.
Tübingen, 24. Mai. (Das Unroersitätsjubiläum.) Das Programm für das Universitätsjubiläum in den Tagen vom 24. bis 27. Juli ist nunmehr festgelegt. Am Vortag, Sonntag, den 24. Juli, finden um 9 Uhr vormittags Festgottesdienste statt, um 9,15 erfolgt die Kranzniederlegung am Gefallenendenkmal auf der Eberhardshöhe, um 4 Uhr nachmittags die Einweihung der Kinderklinik. Um 8.30 abends ist Vegrüßungsabend für die Ehrengäste im Museum. Montag, der 25. Juli, ist der erste Festtag. 9.16 Uhr Fest- gug von der Universität zur Stiftskirche, 10 Uhr akademischer Festakt in der Stiftskirche, 2 Uhr Festessen im Rittersaal auf Schloß Hohentübingen, 6 Uhr Festvorstellung im Schillersaal des Museums, 9.45 Fackelzug der Studentenschaft. Am zweiten Festtag, Dienstag, den 26. Juli, 9—11 Uhr Besichtigung von Hochschulinstituten, 11—1 Uhr Festfrühschoppen auf Schloß Hohentübingen, 2—4 Uhr Besichtigung von Hochschulinstituten, 4 Uhr Einweihung des Turn- und Sportplatzes bei der Lindenallee, 4.30 Uhr Wiederholung der Festvorstellung im Museum, 7 Uhr Sommerfest in der Platanenallee, anschließend Stadtbeleuchtung. Am Mittwoch, den 27. Juli, ist Gelegenheit zu Ausflügen gegeben.
Hall, 24. Mai. (Reserve-Jnfanterie-Regiment 121.) Am Samstag und Sonntag fand hier eine Zusammenkunft des Reserve-Jnfanterie-Regiments 121, verbunden mit der Ee- dächtnistafelweihe für das 3. Bataillon statt. Die Veranstaltung nahm einen würdigen Verlauf.
Truchtelfingen, 24. Mai. (Einweihung.) Am Sonntag wurde die neue Turn- und Festhalle feierlich eingeweiht.
Kirchenkirnberg, 24. Mai. (Tödlicher Unglücksfall.) Der 56 Jahre alte Bauer Karl Höfer von Tiefenmad wurde in seinem Steinbruch durch einen Sprengschuß so schwer verletzt und verstümmelt, daß er sofort tot war.
Blaubeuren, 24. Mai. (Einbrüche.) In jüngster Zeit wurden in hiesigen Wirtschaften, ebenso in Gerhausen und Merklingen, eingebrochen, wobei Lebensmittel Fleisch- und Wurstwaren in erheblichen Mengen gestohlen wurden. Landjäg-erbeamten ist es gelungen, durch einen verlorengegangenen Brief an einem Tatort einen mehrfach steckbrieflich verfolgten Einbrecher namentlich festzustellen.
Laupheim, 24. Mai. (Einweihungsfeier.) Am Sonntag vormittag wurde Hier die neu erstellte Turnhalle in feierlicher Weise eingeweiht. Der Vorsitzende des Turnhalle- Bauvereins, Dipl.-Jng. Scheffold, übergab die Turnhalle in die Hände der Stadtverwaltung. Stadtschultheiß Kon- rad übernahm die Schlüssel zur Turnhalle und sprach Dankesworte gegenüber allen Stiftern. _
Gögglingen» OA. Laupheim, 24. Mai. (Ueberfall.) Vorige Woche wurde ein Angestellter der Baufirma Säger und Wörner-München im Eögglinger Wald in räuberischer Absicht überfallen. Der Angestellte war beauftragt, den am Straßenbau beschäftigten Arbeitern die Löhne zu überbringen und trug aus diesem Grunde einen Betrag von ca. 2500 Mark bei sich. Mit vorgehaltenem Revolver wurde er von dem Räuber bedroht und war genötigt, die Aktentasche samt Inhalt auzuliefern. Die Persönlichkeit des Täters konnte inzwischen festgestellt werden.
Altshausen, OA. Saulgau, 24. Mai. (Tödlicher Unfall.) Am Samstag fuhr der 25 Jahre alte Kaufmann Heim von Ravensburg als Lenker auf seinem Motorrad in Richtung Altshausen und hatte auf seinem Soziussitz den 25 Jahre alten Kaufmann Bäuerle von Schorndorf sitzen. Unweit des Ortes an einer Straßenkreuzung kam ein mit 2 Pferden bespanntes Fuhrwerk quer über die Straße, als das Motorrad dahersauste. Ausweichen oder Stoppen war nicht mehr möglich. Die Pferde stiegen mit den Vorderbeinen in die Höhe, die Wagendeichsel mit hochreißend, das Motorrad drunter weg. Aber vor dem hinten sitzenden Bäuerle senkte sich die Deichsel wieder und Bäuerle rannte sich daran die Schädeldecke ein. Bauer! starb abends im Krankenhaus. Heim erlangte am Sonntag vormittag das Bewußtsein wieder und dürfte am Leben erhalten bleiben.
Kleine Nachrichten aus aller Wett
Das Deutschlandlied im besetzten Gebiet. Am letzten Tage der Dürener Verkehrs- und Werbewoche hatte der französische Vesatzungsbefehlshaber auf Antrag der Stadtverwaltung das Absingen des Deutschlandliedes vor dem Rathause gestattet. Es ist wohl das erste Mal, daß im Bereiche der französischen Vesatzungszone eine derartige Erlaubnis erteilt wurde.
Ein Löwenbändiger von zwei Löwen «»gefallen. In dem deutschen in Straßburg gastierenden Zirkus Gleich wurde der junge Löwenbändiger Bill von zwei mächtigen Berberlöwen angefallen und an Brust, Unterleib und Rücken grauenvoll zerfleischt. Sein Zustand ist bedenklich, jedoch nicht hoffnungslos. Das von einer Panik ergriffene mehrere Tausende zählende Publikum wurde durch das besonnene Personal beruhigt.
Kandel und Verkehr.
Märkte
Stuttgarter Tchlachtvicbmarkt vom 2t. Mai
ZugetrieScn waren 44 Ochsen, 43 Bullen, 280 Jungbullen, 292 Jnng- rinder, 108 Kühe, 1441 Kälber, 2287 Schweine, 8 Schafe 3 Ziegen, j Unverkauft blieben IS Jungbullen,^ 15 Junsrinöer, 800 Schweine, j Es kosteten per 50 "" " ' ^.
Ochsen Bullen Jungrinder Kühe Kälber
Schweine über 300 Pfund 81—03: von 240—300 Pfund 61—03: von 200—240 Pfund 82—HS: von 160—200 Pfund 57—M: Sauen 47-54. Verlauf: Großvieh und Kälber ruhig, Schweine mäßig.
Karlsruher Schlachtviehmarkt vom 24. Mai. Auftrieh: 48 Ochsen. Preis 82—64, 23 Bullen 81—88, 8 Kühe 20-40, 93 Färsen, 82-68.
80 Kälber 64—82, 1300 Schwein«, 60—67, beste Qualität über Notiz. Tendenz: bei Großvieh mittelmäßig, langsam, bei Schweinen und LäMern lLü^rkt. Markt aLrämnt.
1. Güte
2. Güte
3. Güte
4. Güte
60-65
W—59
—
—
53—55
48—82
—
—
63—67
55—64
47-53
—
43—51
W-41
20—30
14-^9
86—90
76-S4
65-75
—
Pforzheimer Schlachtviehmarkt vom 23. Mai. Aufgetrieben i waren 356 Tiere und zwar 14 Ochsen, 7 Kühe, 26 Rinder, 9 i Fairen, 8 Kälber, 292 Schweine. Marttverlauf langsam, Üeber- ^ stand 3 Stück Großvieh, 6 Schweine. Preise für ein Pfund Lebendgewicht: Ochsen 1. 57—60, 2. 52—55, Fairen 1. 52—55, , 2. und 3. 49 und 46, Kühe 2. und 3. 34 und 27, Rinder 1. 6Ü i bis 64, 2. 55—59, Schweine erster 61—64, 2. 61—64, 3. 57—60. Beste Tiere über Notiz.
Getreide
Frachtpreise. Ellwangen: Weizen 18.40, Roggen14—14.60, Gerste 18.60, Haferll.SO—12. Reutlingen: Weizen 16—16.50, Dinkel 11 bis 11,80, Gerste 13-14.50, Haber 11—13.50, Gerste 14, Haber 11.94 bis 12.27. — Ulm: Kernen 15.30, Weizen 14.80—15.20, Roggen 1» bis 13.40, Gerste 13.50, Haber 11.60-12.50, Kartoffeln 5—6.80. -> Urach: Dinkel 11—11.60. Gerste 13,50—14, Hafer 12—12.70, Weizen IS—16, Kernen 18.80, Roggen 13.
Berliner Produktenbörse vom 24. Mai. Weizen, märk. 201—280; Roggen, märk. 269-278: Gerste 230-262: Hafer, märk. 238-244: Mais 191—194: Weizenmehl 37—39: Roggenmebl 36—37.50: Weizen- kleie 15.80: Noggenkleie 18.25: Viktoriaerbsen 42-59: kleine Speise» erbsen 27—30: Futtercrbsen 22—23: Peluschken 20-22: Ackerbobneu i 20—22: Wicken 22-24.50; Lupinen, blaue 14.75-15.75: gelbe 16-17L0: Rapskuchen 15.50-16: Leinkuchen 19.60—19.90: Trockenschnibel 13.40
Lehle Nachrichten.
Lindbergh fliegt nach England Paris» 24. Mai. Nach einer Havasmeldung aus Brüssel kündigt man an, daß Lindbergh Samstag vormittag mit dem Flugzeug dort eintreffen und am Donnerstag nach England weiterfliegen werde.
Heimholung Lindberghs durch einen amerilarrpuien Kreuzer
Paris, 24. Mai. Die Zeitung „Paris Times" meldet aus Newyork: Senator Copeland habe dem Staatssekretär für das Marinewesen Wilbur ein Telegramm gesandt, in dem er fordere, die Regierung der Vereinigten Staaten möge einen Kreuzer nach Frankreich entsenden, um den Flieger Lindbergh nach Amerika zurückzubringen.
Uebermittelung der deutschen Glückwünsche in Newyork Washington, 24. Mai. Der deutsche Botschaftsrat Dr. Kiep übermittelte heute im Aufträge der Reichsregierung der amerikanischen Regierung die wärmsten Glückwünsche zur erfolgreichen Ueberquerung des Atlantischen Ozeans durch Lindbergh.
Die Mississippi-lleberschwemmungen Newyork» 24. Mai. Hoover erklärte, daß die jüngsten weiteren Dammbrüche, die einen großen Teil der Zuckerplantagen Louisianas überfluteten, die Zahl der Obdachlosen auf 600 000 erhöhten.
Zu Tschitscherins Pariser Besprechungen Paris, 24. Mai. Der diplomatische Redakteur der Ha- vas-Agentur glaubt Mitteilen zu können, daß aus den Unterredungen, die Volkskommissar Tschitscherin heute vormittag mit Ministerpräsident Poincars und Außenminister ^ Vriand gehabt hat, denen er heute vormittag Besuche ab-
- stattete, sich ergebe, daß die französische Regierung bis jetzt s' keine Veranlassung habe, eine Aenderung der offiziellen s Beziehungen zwischen Frankreich und Rußland ins Auge ! zu fassen und daß sie eine derartige Initiative nur ergreifen könne, wenn neue Umstände es ihr aufzwängen.
Unterhaus-Erklärung Baldwins London, 24. Mai. In Beantwortung einer Anfrage er- s klärte der Premierminister Baldwin in der heutigen Un- r terhaussitzung, daß während vieler Monate Polizei- und § Militärbehörden die Tätigkeit von Geheimagenten ver- j folgt haben, die sich mit der Beschaffung hochvertraulicher i Dokumente über die britische Militärmacht befaßten. Der f Verdacht, daß die entwendeten Dokumente von der russi- f schen Handelsdelegation in Photographien oder Kopien z nach Moskau befördert wurden, wurde bekräftigt, als zu s Anfang d. I. ein in der Luftstreitmacht beschäftigter briti- k scher Untertan überführt wurde, zwei solcher Dokumente s gestohlen zu haben. Dabei wurde die Eeheimorganisation k und ihre Verbindung mit einer ähnlichen russischen Or- ! ganisation aufgedeckt. Baldwin erklärte, Arcos und die j russische Handelsdelegation seien gewohnheitsmäßig als ! Clearinghouse für umstürzlerische Pressearbeit einschließlich j der Kampagne „Hände weg von China!" benutzt worden, i Bei der kürzlichen Entwendung eines Dokumentes wurde s beweiskräftig festgestellt, daß es zum Sowjethaus gebracht ! worden war. Auf Grund dieser Information wurde die k Ermächtigung zur Durchsuchung des Arcos-Eebäudes er- i teilt, k
Englands Bruch mit Rußland.
Berlin, 25. Mai. Zu den Erklärungen Baldwins im j Unterhause nehmen bisher nur wenige Berliner Blätter > redaktionell Stellung. Die „Tägliche Rundschau", die er- : klärt, daß es sich weniger um einen außenpolitischen Schritt
- der englischen Regierung, als um eine innerpolitische Schutzmaßnahme handelt, sagt über die Haltung Deutschlands: Wir haben mit Rußland einen Neutralitätsvertrag abgeschlossen und werden von diesem Kurse auch in
' Zukunft nicht abweichen. Aehnlich äußert sich das „Berliner Tageblatt", das betont, die Frage der Option könne ^ von Deutschland, das entwaffnet ist, das nur im Frieden : und nur bei voller Ausnutzung aller wirtschaftlichen Mög- ^ lichkeiten zu leben und zu gedeihen vermag, nur negativ be- ! antwortet werden.
! Druck und Verlag der W. Rieker'schen Buchdruckerei, Altenstrii , Für die Schriftleitung verantwortlich: Ludwig Lank.
Die nächste Nummer unseres Blattes erscheint des ! Himmelfahrtssestes wegen am Freitag.