Mannheim, 16. Jan. Den Unglücksfall, 'der im Mannheimer Rangierbahnhof den Strecken­arbeiter Roth traf, schildert ein Augenzeuge imM. G.-A." folgendermaßen: Roth, der erst seit einigen Tagen bei der Eisenbahn beschäftigt ist, hatte Weichen zu putzen. Plötzlich verstellte sich diese und ilemmte den Fuß des unglücklichen Mannes ein. Im gleichen Moment kam ein Wagen auf dem Gleis dahergerollt und drohte Roth zu überfahren. Dieser ließ sich ein Entrinnen war ausgeschlossen zur Erde fallen und mußte zusehen, wie die Räder den Fuß buchstäblich abschnitten. Niemand war im­stande, das Unglück zu vermeiden. Als Leute hin­zukamen, saß der bedauernswerte Mann auf dem Boden und hielt die Wunde zu, um nicht zu verbluten. Er war bei vollem Bewußtsein.

Rieseuburg (Ostpreußen), 18. Januar. Ein großes Feuer brach in dem Stall der in Deutsch- Eylau garnisonierenden 3. Eskadron des 5. Kürassier­regiments aus. Nur mit Mühe konnten die Tiere ins Freie gebracht werden. Die wild gewordenen Tiere rasten durch die Straßen der Stadt, wobei 6 Pferde tätlich verletzt wurden. Bei den Lösch­arbeiten trugen mehrere Kürassiere und Feuerwehr­leute Verletzungen davon. Große Futtervorräte und viel Lederzeug gingen in Flammen auf. (Der Chef des 5. KürassierregimentsHerzog Friedrich Eugen von Württemberg" ist der König von Württemberg; Herzog Albrecht steht ä 1a 8uits desselben. Das Regiment garnisoniert in Riesenburg, Rosenberg und Deutsch'Eplau in Westpreußen.)

Aus Baden, 18. Jan. Ein schlaues Schwarz­wälder Bauernweiblein, dasDöschle-Wieble" in Ewattingen, hat, wie sich lautAlbbote" erst nach ihrem Tode jetzt herausstellte, ein Leben lang die Mitwelt samt der hohen Obrigkeit zum Narren ge­halten. Sie rühmte sich, mit Großherzog Friedrich I. auf einen Tag geboren zu sein und erhielt aus diesem gewiß höchst verdienstlichen Grund manches Geschenk, selbst von fürstlichen Personen. In mehreren Zeit­ungen erschien ihre sehr bewegte Lebensgeschichte. Es wurde für sie gesammelt, und das Domäneamt Bonndorf zahlte ihr eine jährliche Gabe des groß­herzoglichen Hofes aus. Erst anläßlich ihres Todes es ist darüber noch in keinem Blatte berichtet worden erfuhr man, daß die unternehmungslustige Alte alle ihre Gönner und Wohltäter geprellt hatte, denn sie war gar nicht am 9. September ge­boren!! Doch wird das weibliche Original, das bei jedem Großherzogsfest in der Amtsstadt erschien und sich groß tat, einmal sogar vom alten Groß­herzogspaar in Karlsruhe empfangen wurde, trotzdem wohl in Frieden ruhen.

Württemberg.

Stuttgart, 19. Jan. Die Zweite Kammer hat heute die Beratung der Volksschulnooelle ausge­setzt, um zu einigen neuen Reichssteuern Stellung zu nehmen, ehe deren Schicksal im Reichstage endgültig entschieden wird. Begründet wurden die Anfragen betr. die Gas- und Elektrizitätssteuer von den Abgg. Augst (Vp.) und Graf (Ztr.). Sie wiesen übereinstimmend auf die Ungerechtigkeit dieser Steuer, sowie auf ihre schädliche Wirkung für Industrie, Handwerk und Landwirtschaft hin. Die Kammer dürfe über ihre ablehnende Haltung gegenüber dieser besonders für Süddeutschland nachteiligen Steuer keinen Zweifel lassen. Die Anfragen über die Weinsteuer begründeten die Abgg. Schmid-Besig- heim (V.) und Hauser (Ztr.). Namens der Re­gierung verlas Ministerpräsident v. Weizsäcker eine Erklärung, in der es heißt, die Regierung sei von der Notwendigkeit, die Reichfinanzen zu ordnen, überzeugt, sollen nicht das Reich und die Einzel­staaten wirtschaftlich und politisch empfindlichen Schaden leiden. Die Regierung habe selbstverständ­lich die Weinsteuer ernstlich erwogen, da sie aber auf Flaschenweine beschränkt werde, die in Württemberg eine untergeordnete Rolle spielen, so sek eine wesent­liche Benachteiligung württembergischer Interessen, namentlich eine fühlbare Schädigung der württemb. Weingärtner, nicht zu befürchten, während eine all­gemeine Weinsteuer vom württ. Standpunkt aus den größten volkswirtschaftlichen und finanziellen Bedenken unterlegen wäre. Die Gas- und Elektrizitätssteuer werde Württemberg nicht stärker berühren als die anderen Bundesstaaten. Die Gründe, die gegen diese Steuern sprechen, habe die Regierung nicht verkannt. Ihre Ablehnung wäre aber ohne Vor­schlag eines geeigneten Ersatzes nicht möglich ge­wesen. Für den sich ergebenden beträchtlichen Aus­fall einen solchen Vorschlag mit Aussicht auf Erfolg zu machen, wäre die Regierung nicht in der Lage gewesen. Sie habe deshalb den beiden Steuern zugestimmt, nachdem nicht unerhebliche Erleichterungen

zur Annahme gelangt waren und nachdem sie be­züglich der Flaschenweinsteuer insbesondere aus den im Bundesrat abgegebenen Erklärungen die Gewiß­heit gewonnen hatte, daß deren Erweiterung zur all­gemeinen Weinsteuer nicht beabsichtigt sei. Dieser Erklärung fügten der Minister und der Finanzminister noch längere sehr beachtenswerte Ausführungen hinzu, worauf die Weiterberatung auf Mittwoch vertagt wurde.

Stuttgart, 16. Jan. Der König hat dem Kranführer in Swakopmund, Karl Gonser aus Bitz, für die mutvolle, mit eigener Lebensgefahr ausgeführte Rettung zweier Menschenleben vom Tode des Ertrinkens, die Rettungsmedaille in Silber verliehen.

Stuttgart, 17. Jan. (Württemberg hat die niedrigste Eisenbahnrente in ganz Deutschland.) Der Verwaltungsbericht der württembergischen Staats­eisenbahnen für 1907 zieht u. a. einen Vergleich zwischen den Rechnungsergebnissen zwischen den ver­schiedenen deutschen Staatsbahnen, aus dem zu ent­nehmen ist, daß in den Einnahmen Bayern an letzter, Württemberg aber gleich darauf an vorletzter Stelle steht. Die höchsten Einnahmen haben die Reichs­eisenbahnen in Elsaß-Lothringen. Darauf folgt Baden, dann Preußen und Sachsen. Den höchsten Ueberschuß hat Preußen; auf Sachsen und Baden folgen dann die Reichseisenbahnen, schließlich Bayern und an letzter Stelle Württemberg. In Bezug auf die Eisenbahnrente ist Württemberg, da seine Aus­gaben auf den Kilometer die von Bayern noch er­heblich übertreffen, weitaus am schlechtesten gestellt. Die württembergischen Staatseisenbahnen rentierten 1907 nur mit 2,47°/°, 1906 waren es noch 3,54°/°. Mehr als 3mal so hoch rentierten die preußischen Bahnen, nämlich mit 7,61°/«. Dann folgt Sachsen mit 4,50, die Reichslande mit 4,49, Baden mit 4.30, Bayern mit 3,76°/°. Also selbst die am schlechtesten außer Württemberg rentierende Bahn wirft noch 1,3°/° mehr ab als unser Netz.

Stuttgart, 17. Jan. Die deutschen Münz­stätten haben im verflossenen Jahre 1908 an Reichs­münzen ausgeprägt für 65483 640 - Doppelkronen und für 316 650 -XL Kronen auf Privatrechnung; außerdem für 22 327 685 -XL Fünfmarkstücke, für 14 691012 -XL Dreimarkstücke, für 9107122 .XL Zweimarkstücke, für 8 003 979 .XL Einmarkstücke, für 3 996 738-XL Fünfzigpfennigstücke, für 3 756 518 Zehnpfennigstücke.

Stuttgart, 16. Jan. Der bekannte Fall der beiden Wilderer in Warmbronn, deren einer verhaftet wurde, mährend der andere. Kühnle, sich das Leben nahm, nachdem er den Landjäger Lang mit 12 Messerstichen übel zugerichtet hatte, hat auch noch andere als die bereits bekannten Folgen ge­zeitigt. DerSchwäb. Merkur" berichtet, die Be­völkerung sei über den Fall in hochgradige Erregung geraten. Offen wurde für den Wilderer Partei ge­nommen; unter Drohrufen rottete sich eine Menge vor dem Hause zusammen, in dem der schwerverletzte Landjäger lag, so daß ein anderer Landjäger fort­während bei ihm Wache halten mußte, bis der Ver­letzte in das Militärlazarett nach Stuttgart überführt wurde. Die Leiche des Selbstmörders ist nach Tübingen verbracht und die dagegen erhobene Be­schwerde abgewiesen worden. Der Vater Kühnles wurde nun auch verhaftet; es wurde im Hause eine Masse von Geweihen und Jagdgeräten gefunden.

Friedrichshafen, 18. Jan. Heute wurde die Ausführung der Doppelhalle und der Fabrikneubauten der Luftschiffbau-Zeppelingesellschaft, die auf das von der Stadt angekauste und an die Gesellschaft pachtweise übergebene Areal am Riedle­park zu stehen kommen, der Aktiengesellschaft für Brückenbau Flender in Benrath bei Düsseldorf übertragen. Die Halle wird ganz aus Eisen herge­stellt; sie erhält eine Länge von 160 w, eine Breite von 43 m und eine Höhe von 20 m. Es können in ihr gleichzeitig zwei Luftschiffe gebaut werden. Sämtliche Anlagen sollen bis zum Herbst ds. Js. fertig werden.

Tübingen/19. Jan. Ein hiesiger Industrieller wollte dem Hausknecht eines Gasthauses für eine Dienstleistung belohnen; er händigte dem Knecht in der Dunkelheit anstatt 3 Nickelmünzen 3 Zwanzig­markstücke ein. Der ehrliche Hausknecht setzte jedoch, nachdem er den Irrtum des Gastes erkannt, seinen Herrn von dem Vorfall in Kenntnis, der dann die Angelegenheit zur Zufriedenheit des Gebers wie des Empfängers regelte.

Schorndorf, 16. Jan. Es ist gewiß etwas Seltenes, daß sich sechs Leute desselben Namens prügeln, wie dies jüngst im hiesigen Oberamt in Buhlbronn der Fall war. Sechs Leute namens Beutel waren handgemein geworden und hatten

sich nun vor dem Schöffengericht zu verantworten; es wurde aber nur einer verurteilt, weil er zu der Prügelei einen Zündholzstein benützt hatte.

Vom Höllischen, 18. Jan. Der Rückgang der Holzpreise scheint sein Ende erreicht zu haben. Bei der großen Stammholzversteigerung im gräflichen Revier Michelbach, OA. Gaildorf, wurden bis zu 120°/° der Taxpreise erzielt.

Stuttgart. lLandesProduktenbörse.1 (Bericht vom 18. Januar.) Die milde Temperatur hat in der ab- gelausenen Woche angehalten und war von mehrfachen, ausgiebigen Regen begleitet. Die Folge dieser Niederschläge und des Zuflusses von Schneewasser, insbesondere aus den Gebirgen, war ein rasches Anschwellen der Wasserläufe, so daß der kaum wieder eröffneten Schiffahrt eine neue Unter­brechung durch Hochwasser droht. Ueber den Saatenstand ist eine Aenderung nicht gemeldet worden. Die heutige Börse verlies in ruhiger Stimmung bei unerheblichen Um- sätzen. Mehlpreise per 100 Kilogramm inkl. Sack: Mehl Nr. 0: 32 Mk. 50 Psg. bis 33 Mk. 50 Pfg., Nr. 1: 3l Mk. 50 Pfg. bis 32 Mk. 50 Pfg., Nr. 2: 30 Mk. 50 Psg. bis 31 Mk. 50 Pfg., Nr. 3: 29 Mk. 50 Pfg. bis 30 Mk. 50 Pfg., Nr. 4: 26 Mk. 50 Pfg. bis 27 Mk. 50 Pfg. Kleie 9 Mk. 50 Pfg. bis 10 Mk. Pfg. (ohne Sack.)

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Neuenbürg, 20. Jan. Auf die im Staats­anzeiger vom 12. ds. Mts. ergangene Bekanntmach­ung, wonach die württ. Postanstalten (einschließlich der Posthilsstellen und Landpostboten) angewiesen sind, freiwillige Geldspenden für die durch das Erdbeben in Süditalien geschädigten Personen anzunehmen und an die Zentralleitung des Wohl- täligkeitsvereins in Stuttgart abzuliefern, wird auch an dieser Stelle hingewiesen.

Neuenbürg, 16. Januar. Wir möchten nicht versäumen, unsere mit Amerika in brieflicher Ver­bindung stehenden Leser auf folgendes aufmerksam zu machen: Durch die am 1. Januar in Kraft ge­tretene Ermäßigung des Briefportos von Deutsch­land nach Amerika von 20 Z" auf 10 bei einem Höchstgewicht von 20 Gramm hat sich vielfach die Meinung verbreitet, daß nunmehr auch die Post­karten nach den Vereinigten Staaten nur noch mit 5 Z' anstelle der bisherigen 10 zu frankieren seien. Das ist durchaus irrig. Das Drucksachen-, Waren­proben- und Postkarten-Porto bleibt wie bisher das gleiche, also für.letztere 10 -»s. Die Ermäßigung gilt nur für Briefe.

Neuenbürg. Die Zeit der Musterung naht heran, was wird sie dem Rekruten bringen? Man­cher möchte wohl als stolzer Reitersmann einst/beim Weihnachtsurlaub sich den Freunden zeigen, wenn nur der Dienst bei der Kavallerie nicht 3 Jahre dauerte statt der üblichen 2 Jahre! Oder wie wärs bei der Marine, bei der man das Meer oder sogar fremde Erdteile sieht? Oft ist es eine für das ganze Leben wichtige Entscheidung, zu welcher Waffe und in welche Garnison der junge Vaterlandsverteidiger eingezogen wird, und immer ist es für die Eltern ein Trost, wenn der Sohn in eine nicht allzuweit gelegene Garnison kommt. Sollten wir nun diese wichtige Entscheidung dem Zufalle überlassen, oder können wir selbst auch hier unseres Glückes Schmied sein? Nur allzu wenig ist bekannt, daß jeder junge Mann von guter Führung sich die Waffengattung und die Garnison selbst aussuchen kann, wenn er rechtzeitig unter Zustimmung seines Vaters einen Meldeschein beantragt und dann bei einem Truppen­teil sich freiwillig meldet; wer dann bei dem von ihm gewählten Truppenteil angenommen ist, wird von der Musterung befreit; bei der Musterung selbst können sie sich wohl freiwillig melden, hat aber kein Recht auf Wahl des Truppenteils.

Wildbad, 19. Jan. Eine wackere Tat voll­brachte am Sonntag nachmittag das geistesgegen­wärtige Dienstmädchen derVilla Viktoria" hier. Sie sprang, durch entsetzliche Hilferufe der Kinder aufmerksam gemacht, kurz entschlossen in den An­lagensee und rettete noch nn entscheidenden Moment das bereits unter der Eisdecke befindliche 5jährige Knäblein des Baddieners Bechtle von hier. Nur mit größter Mühe konnte sie es wieder an die Ober­fläche bringen. (8.6.-L.)

Nagold, 16. Jan. In den letzten Tagen fand in Anwesenheit des Prälaten Frohnmeyer und des Konsistorialräts Dr. Reinöhl am hiesigen Seminar die erste Dienstprüfung für 32 Kandi­daten statt. Noch in dieser Woche werden sämtliche Kandidaten verwendet werden.

Altensteig, 17. Januar. Der Schneefall im Hinteren Wald" war in der verflossenen Nacht so stark, daß die Post vom Enztal hieher kaum durch­kommen konnte und mit ^ständiger Verspätung hier ankam; da aber die Witterung zu warm war, kann der Schlitten nicht benützt werden.